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Besser bewerben

Student, Laptop, Lernen [Quelle: unsplash.com, Autor: imgix]

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Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen machen die Stellensuche zwar schwieriger. Aber Bewerbungen können sich trotzdem noch lohnen.

Seine Bachelorarbeit hat Yan Berkel vor ein paar Wochen abgegeben – nach Stellen hält er jedoch schon seit Jahresbeginn Ausschau. Der Wirtschaftsinformatiker aus Köln ist einer von Tausenden Berufseinsteigern, denen die Corona-Krise die Jobsuche erschwert. "Zwar habe ich nicht das Gefühl, dass weniger Stellen ausgeschrieben werden. Aber viele Unternehmen melden sich erst mal nicht zurück", sagt er. So habe ein Unternehmen erst nach mehrfachem Nachfragen einen Termin für ein Bewerbungsgespräch Ende September angeboten – ein halbes Jahr nachdem es seine Bewerbung erhalten hatte. "Das fand ich ganz schön frech", sagt der 30-Jährige. Als er sich erkundigte, warum der Termin erst so spät stattfinden sollte, hieß es von der Firma, dass sie momentan gar keine neuen Mitarbeiter einstelle. "Hätten sie direkt gesagt, wie die Situation aktuell aussieht, hätte ich das fairer gefunden."

Solche frustrierenden Situationen erleben momentan viele Jobsuchende – und fragen sich, ob eine Bewerbung derzeit nicht reine Zeitverschwendung ist. Zwar seien viele Stellen weiterhin ausgeschrieben, beobachtet Absolvent Berkel. Allerdings: "Schickt man dort seine Bewerbung hin, kommt oft die Rückmeldung, dass das Bewerbungsverfahren wegen Corona pausiert wurde", sagt er. "Die Unternehmen kümmern sich nicht richtig – und das ist ärgerlich, denn eine Bewerbung ist immer mit einer Menge Aufwand verbunden."

Trotzdem lohnt sich auch während der Krise eine Bewerbung. Davon ist Benjamin Roos, Geschäftsführer des Personalvermittlers Studitemps, überzeugt. Bedarf und Aufträge sind da, einen unbefristeten Vertrag können oder wollen die meisten Arbeitgeber derzeit aber nicht bieten. "Gerade frische Absolventen von der Uni oder aus der Ausbildung können deswegen gut über befristete Verträge oder Personaldienstleister den Einstieg in den Job finden", sagt Roos. Sollte sich die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens wieder festigen und man schlage sich in der Arbeit gut, dann werde aus einer befristeten Stelle im besten Fall eine unbefristete.

Da viele Unternehmen derzeit nicht an langfristigen Neuzuwachs denken, greifen sie vermehrt auf Personalvermittlungsfirmen zurück, mit denen sie ihre Vakanzen flexibel ausfüllen können, beobachtet Roos. Über die Studitemps-Plattform "Jobmensa" vermittelt sein Unternehmen Studierende an Unternehmen. Braucht ein Betrieb etwa spontan für die kommende Woche eine Arbeitskraft für 20 Stunden – egal, ob vor Ort oder aus dem Homeoffice –, dann bringt Jobmensa Studierende und Firma zusammen. Roos sieht darin auch Vorteile für Arbeitssuchende: Schließlich erleichterten Studierendenjobs oft den Einstieg in große Unternehmen. Selbst wenn Studierende dort erst mal auf Zeit arbeiteten.

Nicht nur digitale Jobplattformen sind für Bewerber zurzeit interessant. Auch die Chancen für "Digital Natives" am Arbeitsmarkt werden größer. Denn die Digitalisierung vieler Unternehmen hat in Corona-Zeiten einen großen Sprung nach vorn gemacht. Selbst konservative Unternehmen merken, wie wichtig digitalaffine Mitarbeiter sind. Und auch im Bewerbungsprozess spielen Internet und digitale Tools nun eine größere Rolle. So sollten Bewerber zum Beispiel prüfen, was genau über sie im Internet zu finden ist, und einen schnellen, aussagekräftigen Überblick über ihre Fähigkeiten ermöglichen. Zum Beispiel mit Hilfe eines gepflegten Linkedin-Accounts oder eines eigenen Blogs, auf dem sie sich präsentieren, empfiehlt Karriere-Coach Johannes Gramß vom Inqua-Institut für Coaching. Denn aktuell sei es so wichtig wie nie, dass ein Kandidat perfekt zu den Unternehmenswerten passe. Schließlich seien Firmen in Krisenzeiten wählerischer. Personaler, die sich über einen Bewerber erkundigen, müssten deshalb besser denn je abschätzen können, ob er alle wichtigen Kriterien erfüllt.

Um bei Gesprächen via Zoom oder Skype zu punkten, sollten sich Bewerber die Online-Präsenz von Youtubern anschauen, rät Gramß. "Es fängt mit der richtigen Technik an. Funktionieren Ton und Bild problemlos? Und auch die Ausleuchtung spielt eine große Rolle", sagt er. "Vor allem die Gestaltung des Hintergrunds ist eine oft nicht bewusst genutzte Quelle zur Verbesserung der Selbstpräsentation." Bewerbe man sich etwa bei Zalando, einem Unternehmen, bei dem Geschwindigkeit zu den wichtigsten Werten zählt, könne man gekonnt ein Rennrad im Hintergrund positionieren. Bei konservativen, wissenschaftlichen Unternehmen punkten Bewerber mit einem gut ausgestatteten Bücherregal. Und wer sich auf einen Job bewirbt, der eine gewisse Leidenschaft verlangt, dürfe ruhig auch die Gitarre an der Wand hängen.

Auch für Bewerber haben Gespräche über digitale Plattformen ihren Vorteil. Sie sparen sich teils lange Anfahrten und können die Termine besser in ihren Lebensalltag integrieren. Viele fühlen sich in den eigenen vier Wänden zudem selbstsicherer. So hat auch Berkel die Videogespräche bisher als angenehm empfunden: "Man muss nicht so sehr aus seiner Komfortzone raus. Ich habe mit den Gesprächspartnern viel stärker auf Augenhöhe gesprochen – vor Ort fühlt man sich häufig ein wenig ausgeliefert, da ist dann auch die Aufregung größer." Trotzdem ist Berkel froh, dass er nun auch eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch vor Ort erhalten hat. Das mache Hoffnung, dass sich die Situation langsam wieder beruhigt.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Der mangelnde Rücklauf auf Bewerbungen des Bachelorabsolventen repräsentiert die allgemeine Situation auf dem Arbeitsmarkt nicht. Ohne weitere Erklärung ist es sehr spät, erst mit 30 Jahren den Bachelorabschluss zu erlangen. Außerdem ist ein Masterabschluss in Wirtschaftsinformatik üblich. Eine 23-Jährige Masterabsolventin hat sicher einen höheren Rücklauf. Erklärungen für das späte Studienende des Bewerbers hätten im Artikel erwähnt werden können. Vorangegangene Ausbildungen und Berufszeiten explizit, Krankheiten, familiäre Verpflichtungen etc. als "gewichtige private Gründe" oder so ähnlich.

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