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Urlaub, Strand, Palmen [Quelle: unsplash.com, Autor: Clem Onojeghuo]

Quelle: unsplash.com, Clem Onojeghuo

Arbeiten, wo andere Urlaub machen, ist der Traum digitaler Nomaden. Um gut zu arbeiten, brauchen sie Internet und Freunde: das Geschäftsmodell von Coworking-Anbietern.

Vor dem Eingang von Hubud steht ein Regal mit ausgelatschten Flipflops: Schuhe sind in diesem Büro streng verboten. Den zweistöckigen, lichtdurchfluteten Bambusbau in Ubud auf der Insel Bali betritt man barfuß. Bei etwa dreißig Grad im Schatten sitzen hier zwei Dutzend Menschen mit ihren Laptops und arbeiten. Zwei junge Männer reden über die Zielgruppe ihres Start-ups. Eine Mittvierzigerin mit wallendem Haar spricht in ihr Headset. Ein bleicher Brite hat sich aus Stühlen ein Stand-up-Desk gebaut. Sie alle haben gemein, dass sich ihre Auftraggeber und Kunden meist nicht in Indonesien, sondern in Nordamerika und Europa befinden. Statt dort wollen sie lieber in einem Coworking-Space in den Tropen arbeiten, mit Blick auf Reisfelder und Frangipani-Bäume.

Steve Munroe war selbst einer von ihnen, bevor er die Idee zum Geschäftsmodell machte. Vor neun Jahren kam der Kanadier nach Bali, nachdem er seinen Job gekündigt hatte. Heute verdient er sein Geld mit Digitalnomaden: Menschen, die für ihren Job nur ihren Laptop und eine funktionierende Internetverbindung brauchen und von Ort zu Ort ziehen. Oft arbeiten sie dort, wo das Wetter gut und das Leben billig ist – wie auf Bali. Steven Munroe erkannte den Trend zum Nomadentum früh, und ebenso das Potenzial, mit ihm Geld zu verdienen. 2013 gründete er gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern Hubud, Balis ersten Coworking-Space. Er sagt: "Bevor es uns gab, hat fast niemand den Begriff Digitalnomade benutzt."

Manche bleiben nur ein paar Wochen, andere jahrelang

Am Empfang von Hubud begrüßt ein Mitarbeiter die Neuzugänge mit einem freundlichen Lächeln und erklärt, unter welchen Konditionen man Teil des Coworking-Paradieses sein darf: Für umgerechnet etwa 240 Euro pro Monat bekommen Mitglieder rund um die Uhr Zugang zu 400 Quadratmetern Coworking-Space mit drei Arbeitsbereichen, Kaffeeküche und schnellem WLAN. Wer das Büro nicht täglich nutzen möchte, zahlt weniger. Aktuell arbeiten laut eigenen Angaben etwa 250 digitale Nomaden bei Hubud. Zehnmal so viele wie im Gründungsjahr 2013. Viele kommen, um sich nach dem Burn-out neu zu erfinden, manche bleiben für ein paar Wochen, andere jahrelang.

Das Geschäft mit Digitalnomaden boomt: Es gibt E-Books für knapp 60 Euro, in denen das Einmaleins des ortsunabhängigen Arbeitens erklärt wird. Es gibt Kreuzfahrten für digitale Nomaden, Kongresse und sogenannte Workations, ein All-inclusive-Paket für Nomaden, die Arbeit mit Urlaub verbinden wollen. Und es gibt Coworking-Spaces wie Hubud auf Bali.

Nach Südostasien zieht es viele Digitalnomaden. Wie viele Menschen insgesamt dort ortsunabhängig arbeiten, ist nicht bekannt. Die CAAP, die Coworking Alliance of Asia Pacific, verzeichnete aber schon 2016 knapp 4.500 Coworking-Spaces in 28 Städten. Und von 2016 auf 2017 wuchs die Zahl der Arbeitsplätze in den einzelnen Coworking-Spaces von durchschnittlich 56 auf 96 an. Längst ist auch Munroes Gemeinschaftsbüro nicht mehr der einzige Coworking-Space in Ubud. In der Kleinstadt gibt es mittlerweile eine Handvoll Anbieter. Dazu kommt ein gutes Dutzend Cafés mit WLAN und soliden Flat Whites, in denen weitere Menschen ihre Laptops aufklappen.

Bali ist unter digitalen Nomaden besonders beliebt

Die meisten der digitalen Nomaden stammen aus westlichen Ländern. Bali ist einer ihrer Hotspots: Auf der Webseite "The Nomad List" werden Städte anhand von Kriterien wie WLAN-Geschwindigkeit und Freizeitfaktor bewertet, Coworking-Spaces und Kosten verglichen. Ubud steht in dem weltweiten Ranking auf Platz 9, der Surferort Canggu an der Südküste Balis sogar auf Platz 2, gleich hinter der thailändischen Hauptstadt Bangkok.

Bevor Steve Munroe 2009 mit seiner Familie nach Bali kam, arbeitete er bei der UN. Munroe, Ende vierzig, fester Händedruck, wirkt wie ein Hybrid aus Steve Jobs und Indiana Jones. Zu gebräunter Haut trägt er ein aufgeknöpftes Hemd. Man kann ihn sich gut im Helikopter über einem Krisengebiet vorstellen. Stattdessen sitzt er in einem Glaskasten, einem Ruhebereich seines Coworking-Spaces, und stochert in einem Grünkohl-Salat. Er ist gut darin, sein Angebot zu vermarkten. Munroe formuliert lauter wohlklingende Sätze über sein Gemeinschaftsmodell: "We want to put more life in your work", sagt er. Die Menschen, die bei ihm arbeiten, nennt er die "flexible Generation". Und vor allem spricht der Kanadier immer wieder vom "Tribe": Wer zu Hubud komme, sei auf der Suche nach Gleichgesinnten. Munroe sagt, die digitalen Nomaden fühlten sich mitunter allein: "Auf die ersten Instagram-Shots folgt oft die große Einsamkeit." Gegen diese Einsamkeit helfe der "Tribe", eine Art Ersatzfamilie.

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