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Deutschland im Jahr 2050

"Könnte ein Roboter meinen Job erledigen?", fragt mich der Job Futuromat der IAB. Ich tippe meine zukünftige Profession ein. "67 Prozent dieses Tätigkeitsfeldes können bereits durch Roboter erledigt werden", ist die erschreckende Antwort. Ist es an der Zeit, sich Sorgen zu machen?

Deutschland im Jahr 2050. Tausende Menschen stürmen durch die Innenstadt. Ein Bäcker, zwei Verkäuferinnen, ein junger Rechtsanwalt im Anzug und mit ihnen viele Zugehörige anderer Berufsgruppen, die durch die Digitalisierung ihre Arbeitsplätze verloren haben. Sie treten Schaufenster ein, lassen Bankautomaten explodieren, verbrennen Computer auf offener Straße. Enttäuschung und Wut zeichnet die Gesichter. "Es gibt kaum noch Arbeit, was soll aus uns werden?", scheinen sie zu fragen.

Wer schon einmal in der Produktionshalle eines Autokonzerns war, hat ein ziemlich genaues Bild unserer zukünftigen Arbeitswelt im Kopf. Riesige Hallen voller Maschinen. Dazwischen vereinzelt Menschen, die bei Problemen eingreifen. Was in der Automobilbranche schon längst Realität ist, beginnt sich auch in anderen Bereichen auszubreiten. Selbstfahrende Autos ersetzen Taxifahrer. Intelligente Softwaresysteme machen Steuerberater überflüssig, Service-Roboter lösen Bedienungen in Restaurants ab und so weiter. Nach einer Studie der IngDiBA Economic Research sind 59 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland durch die Industrie 4.0 bedroht, andere Forscher kommen teilweise sogar zu noch höheren Zahlen. Steht uns eine düstere Zukunft bevor?

Deutschland im Jahr 2050. Der Stadtpark ist voll, obwohl es ein ganz normaler Vormittag unter der Woche ist. Durch die Digitalisierung wird weniger menschliche Arbeitskraft benötigt.Warum also nicht nach einem angenehmen Sonnenbad eine halbe Stunde im Park arbeiten? Rekreation befreit den Geist und schafft Platz für neue Ideen. Der Park ist auffallend sauber – viele Menschen benutzen ihre freie Zeit, um sich ehrenamtlich zu engagieren.

Vom Müll sammeln und Blumen pflanzen bis zur Kinderbetreuung sind überall Ehrenamtliche zu finden. Entspannung und Zufriedenheit zeichnet die Gesichter. "So viel Freizeit, was für ein Leben", scheinen sie zu denken.

Auch wenn durch die Industrie 4.0 viele Arbeitsplätze wegfallen, werden mittel- und langfristig Aufgaben übrig bleiben, die nach wie vor von Menschenhand erledigt werden müssen. Außerdem sollte man sich bewusst machen, dass die Produktivität der Wirtschaft an sich durch den Abbau von Arbeitsplätzen und vermehrtem Maschineneinsatz nicht geschwächt wird, ganz im Gegenteil. Der Lebensstandard kann nach wie vor hoch bleiben, wenn die Politik lenken eingreift und die Solidargemeinschaft stärkt, sodass auch Menschen mit bedrohten oder wegfallenden Arbeitsplätzen nicht in die Armut abrutschen. Das bedingungslose oder das solidarische Grundeinkommen sind hier nur zwei von unzähligen möglichen Modellen. So kann der Staat die Wirtschaft und die Gesellschaft vor düsteren Arbeitslosigkeitsdystopien schützen.

Die Arbeitswelt steht schon seit dem Anbruch der industriellen Revolution im starken Wandel, Sorgen um eine sichere Zukunft sind keine neue Erscheinung. Aber mit einer Veränderung muss keine Verschlechterung einhergehen. Die Arbeitnehmer müssen wohl flexibler werden, um sich an veränderte Anforderungen anzupassen und sich gegebenenfalls neu zu orientieren. Doch wenn Politik und Wirtschaft ihre soziale Verantwortung ernst nehmen, so kann die Arbeit der Zukunft durchaus eine verbesserte Lebensqualität für alle mit sich bringen.

Lara Kaupp

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