Partner von:

Der individualisierte Mensch im Kampf mit sich selbst

Auf die Globalisierung hat sich der Staub gelegt. Digitalisierung, Selbstoptimierung, Transhumanismus, das ist der neuste Shit. Von harter körperlicher Arbeit befreit, tobt sich der privilegierte Homo Sapiens nun auf seiner virtuellen Spielwiese aus. Arbeit und Spiel scheint im Internet der Dinge miteinander zu verschmelzen. Das stete Ziel vor Augen: perfektionierter Individualismus, eine Arbeit, die einen erfüllt. À la "Don’t dream your life, live your dream". 

Eine Netzdebatte über die Pros und Cons einer Robotersteuer? WTF?!

Willkommen. Das ist die Zukunft der Arbeit.

Nicht nur aufgrund des demografischen Wandels ergänzen Maschinen den menschlichen Arbeiter. Mit der Erfindung des Internets, zunächst APARNET genannt, 1969, bricht ein neues Zeitalter an. Die Welt vernetzt sich. Unternehmen haben nicht nur die Möglichkeit, ihr Angebot auf einer Homepage darzubieten, nein, manche Unternehmen agieren nur im Internet, bieten dort ihre Dienste an. Die Arbeitswelt verändert sich. Informationen als Ware. Im Endeffekt alles nur Einser und Nullen und doch Triebkraft der Wirtschaft.

Mit zunehmendem Wohlstand der Gesellschaft wächst eine Generation heran, der scheinbar alle Möglichkeiten offen stehen. Man übernimmt nicht mehr einfach den Beruf seiner Eltern! Nein, was möchte man WIRKLICH arbeiten? Die ideale Arbeit darf sich nicht mehr nach "Arbeit" anfühlen. Im Grunde sprechen wir hier von einer Abschaffung des Begriffs Arbeit. Eine Flut von Informationen, scheinbar kostenlos im Internet verfügbar, verweist auf alle Möglichkeiten, was man erlernen und schließlich arbeiten kann. Dass der "Traum" wahr werden kann, sieht man in den sozialen Medien. Die sogenannten "Influencer" zeigen, wie man mit seiner Personality Geld verdienen kann. Arbeiten ist passé. Heutzutage reist man, isst in fancy Restaurants oder trainiert im knappen Höschen und verdient dabei Geld. Zumindest manche. Aber hört: "Das kann wirklich jeder erreichen, wenn man nur an sich glaubt." Pic or it didn’t happen. Doch der Großteil scheint den "erfolgreichen Arbeitern der Zukunft" nur im Internet zu folgen. Wird dabei zum passiven Zuschauer und vergisst dabei ganz, sich selbst zu verwirklichen. Auch der Trend, ein eigenes Start-Up zu gründen, am besten selbstgebrautes, ökologisch-regionales Bier im Food-Truck anzubieten, fußt auf der Vorstellung, seine eigene Idee "einfach" umzusetzen. Gibt es keine Firma, die deinen Ansprüchen entspricht, gründest du einfach selbst eine.

Absurderweise und doch ganz und gar verständlich erscheint der mit diesem Phänomen verbundene Wunsch nach Vereinfachung. Während der Hurrikan mit endloser Kraft Home Office, Mutual Authentification, Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und noch mehr Informationen um einen herumwirbelt, möchte man seinen Platz im Auge des Sturms finden. Leben ohne Geld, alte Handwerke, Minimalismus. Vielleicht doch nicht so viel verdienen, vielleicht doch nicht den perfekten Beruf finden. Die technologisierte Arbeitswelt ruft eine Gegenbewegung hervor. Der Bauernmarkt gilt als Idyll. Auch Kommunen, die sich eigenständig organisieren wollen und eigene Berufe schaffen, erhalten Zuwachs. Doch dieser Wunsch nach Klarheit, nach Minimalismus scheint schwer umsetzbar. Kaum einer arbeitet wirklich im Auge des Sturms.

Die Frage nach der Zukunft der Arbeit, oder besser Arbeit der Zukunft, bleibt offen. Der Kampf Mensch gegen Maschine ist längst ausgekämpft. Nun kämpft der individualistische Mensch mit sich selbst.

Sarah Ziegler

nach oben

In der e-fellows.net community diskutierst du mit anderen Stipendiaten und Alumni über Studium, Karriere und das Leben.

Wie können wir die Community verbessern? Nutz unser Kontaktformular, schreib uns an community@e-fellows.net oder starte einen Thread in der Anregungsgruppe!

Community-Letter

Top-Fragen, Insider-Antworten und Expertenforen jede Woche zusammengefasst

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren