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Mose, Marx & Maschinen

"Heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden"

Ist dies das Manifest der Generation Y? Jener Arbeitsscheuen, die sich der biblischen Prophezeiung ihr Brot im Schweiße ihres Angesichts zu essen (Mose 3:19) nicht mehr stellen wollen? Die Teilzeit statt Vollzeit, Sinn statt Sinnlosigkeit und Selbstverwirklichung statt Karriere fordern.

Oder aber ist dies die Proklamation des bedingungslosen Grundeinkommens? Das Ergebnis der Maschinen-Dividende? Die Abschaffung der Arbeit durch die künstliche Intelligenz? Die Vision einer Zukunft, in der eine Stunde Erwerbsarbeit ausreicht?

Weit gefehlt. Oder aber genau ins Schwarze getroffen.

Es ist Karl Marx, der mit diesen Worten die Zukunft der Arbeit beschreibt. Doch sind damit die gegenwärtigen Visionen zur Zukunft der Arbeit nur verkappter Sozialismus? Kommt der Kommunismus durch die Hintertür der Digitalisierung zurück auf die Bühne der Geschichte?

Eine Frage der Perspektive.

Wenn die Gewerkschaften die 28 Stunden Woche fordern, so nähern sie sich dem selben Ziel wie die FDP, wenn sie die weitere Flexibilisierung der Arbeitswelt vorantreiben will. Beiden geht es um die Freiheit.

Den Gewerkschaften im Korsett der auf ein Minimum reduzierten Lohnarbeit bei gleichzeitig größtmöglicher Ausweitung der Freizeit. Den Wirtschaftsliberalen bei größtmöglicher Unabhängigkeit von staatlichen Regularien, der stundenweisen Verdingung als digitaler Nomade, der größtmöglichen finanziellen und persönlichen Selbstständigkeit.

Doch im Zentrum steht bei Beiden eigentlich die conditio humana, das Hineingeworfensein des Menschen in die Welt, seine tägliche Konfrontation mit dem Spagat zwischen Sinnsuche und Erwerbsarbeit.

Dem Neoliberalen wie dem Sozialisten schwebt eine Vision der Freiheit und Selbstverwirklichung vor, die in Zeiten von Digitalisierung, Robotisierung und Automatisierung greifbar nahe scheint.

Ist nun die Zukunft der Arbeit Fukuyamas Ende der Geschichte? Ist die Digitalisierung die Kraft, der das gelingt, woran der Systemkonflikt von Ost und West scheiterte, der Schaffung einer lebenswerten Umwelt, der vita activa im Sinne Hannah Arendts, der besten aller Welten, kurz des Paradieses auf Erden?

Aber Halt. Da war doch noch etwas. Stimmt. Der alte Feind. Das Kapital.

Ob Instrument der Ausbeutung des Marxismus oder unabdingbares Investitionskapital der neoklassischen Wachstumsökonomie, ohne Kapital keine Arbeit. Und ohne Kapital auch keine Zukunft der Arbeit.

Denn am Kapital entscheidet sich die Zukunft der Arbeit.

Was passiert, wenn nur noch das Kapital arbeitet? Breitet sich flächendeckende Armut aus, oder feiern wir den Wiederbeginn von Ovids aurea aetas, des goldenen Zeitalters? Hartz IV für hoi polloi und Couponschneiden für die Besserverdienenden? Oder aber eine Maschinendividende für alle, die Freiheit ungekannten Ausmaßes ermöglicht?

Es stellt sich die alte Frage nach dem Eigentum. Denn wenn die Arbeit verschwindet, bleibt das Kapital. Antworten gibt es viele, gerechte wie ungerechte. Ein weites Spektrum von einem "Alles bleibt, wie es ist" über eine Maschinendividende bis hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommen.

Eine Vielfalt ungekannter Möglichkeit kommt auf uns zu. Es liegt an uns, die Zukunft der Arbeit zu gestalten.

Nur eines dürfen wir nicht tun: untätig sein. Packen wir's an!

Maximilian Konrad

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