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Eine neue Blaupause der Bildung

Technology inspires art, and art challenges the technology.

John Lasseter, Chief Creative bei Pixar

Folgt man den Gedanken von John Lasseter unter Bezugnahme auf Abraham Maslows humanistische Psychologie lässt sich annehmen, dass eine spezifische und auf Emergenz ausgerichtete Wechselwirkung zwischen technologischen Potentialen und dem kreativen Denk- und kritischen Entstehungsprozess von menschlich geschaffenem Wissen besteht. Mitunter wird sogar behauptet, das digitale Zeitalter um transformative Momente und Künstliche Intelligenz (KI) ermögliche dem Menschen erstmalig die universelle Realisierung eines humanistischen Bildungsideal. In diesem Kontext darf jedoch nicht nur die Art der Entstehung, sondern auch die Frage nach dem Umgang mit Wissen thematisiert werden. Kulturwissenschaftler sehen sie parabolisch als Grundvoraussetzung zu einer erfolgreichen Gestaltung des gesellschaftlichen Wandels, ausgelöst durch die vierte industrielle Revolution.

Anders als sonst wurde diese 2016 vom Weltwirtschaftsforum ausgerufen, während man zugleich warnte, einer Robotisierung der Menschheit Herz und Seele stehlen zu lassen. Was nach Sci-Fi klingt, lässt sich belegen: Einer Studie von McKinsey zufolge ließe sich schon heute die Hälfte aller Arbeitsaktivitäten automatisieren. In Zukunft sollen 16 Billionen US-Dollar Löhne eingespart werden können, während die Einnahmen durch KI von derzeit 8 Milliarden auf mehr als 47 Milliarden US-Dollar bis 2020 aufwachsen. Eine 2013 veröffentlichte Studie aus Oxford kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Besonders risikobehaftet sind regelgebundene Aktivitäten.

Anzunehmen ist jedoch, dass durch die Entwicklung von KI, analog zu den 1980er Jahren, als der PC zum Allmendegut wurde und über 20 Millionen Software-Entwicklern die Profession prophezeite, auch eine Vielzahl an neuen Berufen entstehen wird.

Die neuen Errungenschaften der KI-Forschung, die in den vergangenen fünf Jahren mehr Fortschritte erzielte als in den 50 zuvor, werden jedoch nicht nur zu messbaren Strukturveränderungen des Arbeitsmarkts führen, etwa durch das von IBM angepriesene Augmented decision making, das schon heute dank Deep-Learning-Verfahren in der medizinischen Prognose und Diagnostik große Erfolge erzielt. Schon vor Jahren legte Googles selbstfahrendes Auto mehr als 320.000 Kilometer sicher zurück, was den 80er TV-Kult "KITT, I need you!" zunehmend in den Schatten rückt.

In der Systemtheorie hieß es, dass sich für die Gesellschaft durch die Zuse'sche Erfindung vieles ändern würde. Heute darf man die Entwicklung von Enterprise-Resource-Planning-Systemen beobachten, deren langfristig einziger Zweck es ist, die algorithmisierte Organisation ohne Organisation zu schaffen und manageriale X-Theorien alsbald durch dynaxische Agilitäten zu ersetzen. Manch einer weiß darin das Ende der US-amerikanischen Corporation als Leitbild organisationaler Konstitution zu erkennen. Organisationsforscher wie Stephan Jansen widersprechen. Ihnen nach skizziert die Entwicklung um KI den Übergang zu einer organisationalen Ambidextrie, in der die Faktoren einer zuverlässigen Bürokratie mit denen eines zuverlässigen Überraschungsmoment gleichzeitig Wirkung entfalten.

Die Ausdehnung dieses Spannungsverhältnisses käme dann der Wiederentdeckung jener Blaupause gleich, die Gesellschaft in der Vergangenheit stets dazu ermutigte, sich immer neu zu erfinden, um über den disziplinierten Horizont des Monokausalen hinauszudenken.

Summa summarum: Es wäre eine neue Blaupause der Bildung.

Said-Djamil Werner

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