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Das denken e-fellows über die Zukunft der Arbeit

Roboter, Digitalisierung, Arbeit [Quelle: pexels.com]

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Was fällt euch zum Thema "Zukunft der Arbeit" ein? Das haben wir euch Anfang Mai in der Community gefragt – und euch aufgefordert, uns eure Gedanken in einem Kurzessay mitzuteilen. 27 Einsendungen haben uns erreicht und wurden anschließend von einer Jury unserer Partnerunternehmen Accenture und McKinsey bewertet. Zehn Einsendungen, die der Jury besonders gut gefallen haben, gibt es hier zum Nachlesen.*

Wie wollen wir zukünftig arbeiten? Muss Arbeit heute anders gedacht werden als noch vor 30 Jahren? Wollen wir noch in ein Büro gehen müssen oder uns nach festen Arbeitszeiten richten? Heißt "Karriere machen" heutzutage nicht viel mehr, dass uns der Arbeitgeber flexibles Arbeiten in entspannter Umgebung ermöglichen muss? Ist es nicht schon fast eine Grundrechtverletzung, wenn ein Unternehmen keinen Kicker und den prall gefüllten Matekühlschrank bereitstellt? Oder geht es vielleicht doch um etwas ganz anderes?

Mein Vater, Jahrgang 1939, begann seine "Karriere" mit 14 als Maschinenbaulehrling. Später holte er sein Abitur auf der Abendschule nach und studierte Maschinenbau. Er arbeitete anschließend für einige Industrieunternehmen, dann für das Umweltbundesamt, anschließend als Dozent für die Technische Fachhochschule in Berlin. Er nannte das allerdings nie "Karriere". Er nannte das "Arbeit". Wenn er mir Geschichten "von früher" erzählte, hatten sie eigentlich immer mit seinem Beruf zu tun und das, was er in seinem Beruf so getan hatte, nannte er "Arbeit". Ich habe meinen Vater in seinen 77 Jahren nie das Wort "Karriere" verwenden hören. Mein Vater definierte sich über seine Arbeit. Er wollte nützlich sein und die Welt verbessern. Sein Beitrag zu einer besseren Welt war die Entwicklung von effektiveren Methoden der Luftreinhaltung. Ihm war bewusst, dass er Glück "im Beruf" gehabt hatte. Er hatte nicht nur das Glück als Mann in Deutschland den Arbeitsmarkt betreten zu haben. Darüber hinaus tat er das zu einer Zeit in der es genügend Arbeit gab. Vor allem aber hatte er Glück, weil er etwas gefunden hatte, dass Bedeutung für ihn hatte. Er fand seine Arbeit sinnvoll. Ihm war wichtig, was er arbeitete und er hatte das Gefühl, die Welt Luftfilter um Luftfilter zu verbessern und das ist das eigentliche "Glück".

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Arbeit grundsätzlich neu gedacht werden kann oder muss. "Karriere" oder "Arbeit" – das macht im Leben des Einzelnen keinen Unterschied. Das ist nur Semantik. Ein Kicker oder die leckere Mate sind sicher nett, können aber nicht auf Dauer über das Gefühl hinwegtäuschen, dass das was man hier tut, belanglos ist.

Was es also braucht, ist Sinn. Wenn wir arbeiten, um etwas zu bewegen und zu verändern, dann fühlen wir, dass wir existieren. Dieses Gefühl füllt uns aus und macht uns zufrieden. Zufriedenheit wiederum ist das, wonach wir alle streben. Ich glaube daher nicht, dass wir Kicker oder Mate im Büro brauchen. Selbstverständlich ist es hilfreich in einem angenehmen Umfeld zu arbeiten. Über das Ausführen einer sinnentleerten Tätigkeit täuscht es jedoch auf Dauer nicht weg. In einer Welt, in der Arbeit angenehm gestaltet werden kann, haben wir endlich die Freiheit uns auf den Sinn unserer Tätigkeit zu konzentrieren. Wir alle haben die Möglichkeit, uns einen Bereich zu suchen, in dem wir mit unserem Talent die Welt verbessern können. Diese Chance sollten wir nutzen denn "Arbeit der Zukunft" kann und sollte "sinnvolle" Arbeit sein. Diese Werteänderung von Karriere zu jedem Preis zu "wertvoller" Arbeit ist längst überfällig. Ich hoffe, dass in 30 Jahren, wenn der nächste Vater seiner Tochter von seinem Arbeitsleben erzählt, er weder von Arbeit noch Karriere spricht, sondern erzählt, was sein Beitrag zu einer besseren Welt gewesen ist.

Esther Birlin-Spake

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