Tanka

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Sudoko satt – so weit das Auge reicht. Im Bus, der Bahn, im Büro, als Brettspiel, jetzt sogar im Fernsehen. So manch einer, dem die Welt der Zahlen verschlossen ist, fragt sich da: Ja, ist das denn das einzige, was die Japaner können? Nein, natürlich nicht, denn für alle Buchstabenfans gibt es Tankas!


Definition

Bei einem Tanka handelt es sich um eine traditionelle Form der japanischen Lyrik. Der Schreiber orientiert sich an einem festen Schema, dem „sama“, das einzuhalten ist. Vermittelt werden über diese Gedichtform, nicht nur persönliche Eindrücke und Empfindungen, sondern auch politische Aussagen. Mit wenigen Worten soll ein Bild, ein Sinneseindruck vor dem geistigen Auge des Lesers entstehen. Die goldene Regel des Tanka Schreibens ist mit sehr wenigen Worten noch mehr zu sagen.


Aufbau

Die Gestalt „sama“ eines jeden Gedichts ist exakt vorgeschrieben und zwingt den Verfasser dazu seine Worte genau und mit Bedacht zu wählen. Indem der Verfasser versucht seine Gedanken und Aussagen mit sanfter Gewalt in diese Form zu zwingen, gelangt er zu tieferer Erkenntnis und lernt seine Aussagen präzise mit möglichst wenig Worten zu formulieren.

„sama“:

Vers 1: 5 Silben Vers 2: 7 Silben Vers 3: 5 Silben Vers 4: 7 Silben Vers 5: 7 Silben

Die Anzahl der Wörter in einem Vers variiert,je nach der Anzahl der Silben des gewählten Wortes. Neben diesem groben Schema sind weitere Kriterien einzuhalten. So sind

Zäsuren: nach dem ersten Vers „ikkugire“ oder nach dem dritten Vers „sankugire“

zu setzen. Entscheidend für die Aussage eines Tankas ist der

Kern: ein fünfsilbiges Kissenwort „makurakotoba“

                       oder ein 5/7/5 silbiger Einleitungsvers "jo".

Nicht zu vergessen ist natürlich das sorgfältig gewählte

Hauptwort „kakekotoba“,

welches das Tanka dominiert.

Beispiele

Ein Tanka des japanischen Kaisers Hirohito anlässlich der vergangenen Zerstörung der Städte Hiroshima und Nagasaki durch Atombomben:

         In der Winternacht
         steht der alte Föhrenbaum
         unerschüttert da,
         ob auch lastend-schwerer Schnee
         seine Äste niederzwingt.
        (Kaiser Hirohito, Januar 1946)

Ein Tanka, dessen politische Aussage sich erst bei näherem Hinsehen offenbart. Der Föhrenbaum symbolisiert Japan in den Wirren der Nachkriegszeit. Mit diesem kleinen Gedicht versucht der Kaiser seiner Bevölkerung Mut für einen raschen Wiederaufbau Japans zu machen. Auch die Lebenssituation kann in einem Tanka zum Ausdruck gebracht werden:

         Vergißt man es je!
         Wo der Malven Blüte zum
         Kopfkissen gemacht,
         nach flüchtigem Schlaf auf der Flur
         der Tau im Morgendämmern.
        (Prinzessin Shikishi 1152-1201)

Eine Stimmung in dieser Art und Weise einzufangen ist natürlich etwas besonderes, doch gleichzeitig eine schwierige Lebenslage kunstvoll darin zu verpacken ist ausgesprochen schwierig. Prinzessin Shikishi möchte mit diesem Tanka klar machen, dass man es auch als Prinzessin nicht immer leicht hat, sie schildert ihr Leben „im goldenen Käfig“. Natürlich haben sich nicht nur Japaner dieser Gedichtform angenommen, auch einige deutsche Lyriker haben sich schon daran versucht, so Johannes Brobowski:

         Stimme, Regen, ein Vogel-
         flieg, Regenstimme, ein blauer
         Vogel – vom Donner der Berge
         schallend fliegt er, mein Herz
         steht in der Wolke
        (Joh. Brobowski 1917-1965)


Schreiben

Versuchen kann es jeder. Man braucht lediglich Papier, Stift, Eingebung und viel Zeit und noch viel mehr Geduld. Nicht immer ist es einfach die passenden Worte zu finden, die einerseits der Form entsprechen und andererseits das gewünschte Bild entstehen lassen.

--Mtina 21:21, 14. Okt 2006 (CEST)

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