Studieren in Paris
Tipps für das Leben und Studieren in Paris.
von Anna Tippelt
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Universitäten in Paris
Im groben kann zwischen den sogenannten Grandes Écoles, den Eliteuniversitäten Frankreichs, und den "normalen" Universitäten in Paris unterschieden werden. Grundsätzlich verfügen die erstgenannten über eine deutlich bessere Infrastruktur und Serviceleistung. Dies zeigt sich unter anderem in eigenen Bibliotheken und angegliederten Wohnheimen. Der Zugang zum Gelände ist für Externe meistens eingeschränkt. Viele der traditionellen und bekannten Grandes Écoles haben ihren Sitz in und um Paris. Dazu zählen beispielsweise die École Normale Supérieure, die École des Hautes Études en Sciences Sociales oder die École Nationale Supérieure des Mines de Paris, um nur ein paar aufzuzählen.
Daneben gibt es in der öffentlichen Hochschullandschaft die 13 Pariser Universitäten, darunter die berühmte Sorbonne (Paris IV), die Université Paris III Sorbonne Nouvelle und die Paris I Panthéon-Sorbonne. Die einzelnen Universitäten liegen über das ganze Stadtgebiet verstreut und bieten jeweils unterschiedliche Studiengänge und -schwerpunkte an. Teilweise überschneidet sich das Programm aber auch. Auf Nachfrage ist es durchaus möglich, Veranstaltungen mehrerer Universitäten zu besuchen und diese mit Scheinen abzuschließen. Ist man in einem regulären Studiengang immatrikuliert, bietet es sich beispielsweise an, das Wahlfach, die sogenannte "U libre", an einer anderen Universität zu belegen. Dies muss aber vorher mit dem Studienkoordinator und den jeweiligen Dozenten abgesprochen werden.
Finanzierung
Es bestehen einige Finanzierungsmöglichkeiten für ein Studium in Paris. Da Paris die teuerste Stadt in Frankreich ist und die Lebenshaltungskosten allgemein im Vergleich zu Deutschland höher ausfallen, ist es ratsam, sich rechtzeitig um ein Stipendium oder eine anderweitige finanzielle Unterstützung zu bemühen. Als Vorlaufzeit sollte man anderthalb bis ein Jahr einberechnen. Die klassische Variante ist ein ERASMUS-Aufenthalt an einer Partneruniversität in Paris. Nähere Informationen zur Bewerbung und zur Höhe der finanziellen Hilfe bekommen interessierte Studenten bei der eigenen Fakultät oder in den oftmals der Heimatuniversität angegliederten internationalen Büros. Dort kann man sich auf jeden Fall auch nach weiteren Programmen (Beispiel: Baden-Württemberg Stipendium) und Partnerschaftsabkommen mit Pariser Universitäten erkundigen.
Der DAAD schreibt darüber hinaus jedes Jahr spezielle Programme in Paris aus. Wer beispielsweise ein Masterstudium in Paris aufnehmen möchte, kann sich beim DAAD für ein Stipendium am Institut d’Etudes Politiques de Paris, kurz Sciences Po, bewerben. Der französische Bachelor, die "Licence", kann im Rahmen des einjährigen interdisziplinären Studiums der deutsch-französischen Kulturbeziehungen an der Université Paris III Sorbonne Nouvelle erworben werden.[1] Die DAAD-Programme sind grundsätzlich gut strukturiert und betreut. Sie gewähren außerdem einen höheren finanziellen Zuschuss als Erasmus-Stipendien. Auf der Homepage des DAAD finden Interessierte nähere Angaben zu den einzelnen Programmen und dem Bewerbungsablauf.
Weitere Fördermöglichkeiten, wie beispielsweise Mobilitätsbeihilfen, bietet die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) an. Auch hier lohnt sich immer ein Blick auf die aktuellen Ausschreibungen und Informationen auf ihrer Homepage.
Wohnungssuche
Leider muss auch an dieser Stelle wieder darauf hingewiesen werden, dass die Wohnungssituation in Paris angespannt ist. Glücklich kann sich der schätzen, der ein Zimmer über Bekannte und Freunde ergattert. Wohngemeinschaften sind in Frankreich allgemein viel seltener als in Deutschland. Auch wenn sie in den letzten Jahren zahlenmäßig zugenommen haben. Die meisten Pariser Studenten wohnen in einem kleinen Studio, einem Einzimmerappartement, oder in den sogenannten Chambres de Bonne, wobei es sich um ehemalige Dienstmädchenzimmern direkt unter dem Dach handelt. Teilweise sind diese nur über langes Treppensteigen zugänglich. Auch sollte man sich bei der Besichtigung die sanitären Einrichtungen genau ansehen. Mieter von Appartements und Einzelzimmern können beim französischen Staat (Caisse d’Allocation familiale) Wohngeld beantragen. Dieses wird unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren, wie der Miete, der Lage und Größe des Wohnraumes, berechnet und jeden Monat ausbezahlt. Im ersten Monat der Beantragung geht man aber auf jeden Fall leer aus.
Alternativ können sich angehende Pariser Studenten beim Pariser Studentenwerk (CROUS) für ein Zimmer im Studentenwohnheim bewerben. Eine besonders beliebte Studentensiedlung ist die Cité U(niversitaire) im Süden von Paris. Für Deutsche erfolgt die Bewerbung hierfür über das deutsche Haus "Maison Heinrich Heine". Neben den Wohnheimen des Studentenwerks gibt es darüber hinaus zahlreiche christliche Wohnheime in Paris. Hier ist es ratsam, sich vorher genau über das Angebot zu informieren und es gegebenenfalls vor Ort zu besichtigen. Teilweise sind weitere Konditionen zu beachten, beispielsweise eine zusätzliche Verpflegung oder die Schließung des Ein- und Ausgangs über Nacht.
Wer jetzt immer noch nicht fündig geworden ist oder sich gerne sozial engagieren möchte, kann sich außerdem für ein Zimmer gegen Arbeit bewerben. Dies ist beispielsweise gegen eine kleine Gebühr über das deutsche Sozialwerk in Frankreich (Entraide) möglich, das die Vermittlung zwischen den Interessenten übernimmt.
Bibliotheken
Im Vergleich zu vielen deutschen Bibliotheken sind die Ausleihmöglichkeiten der Pariser Pendants eingeschränkt, lediglich in den jeweiligen Bibliotheken der Fakultäten können Bücher entliehen werden. Hinzu kommt, dass die Kopierkosten um ein vielfaches höher ausfallen als in Deutschland. Groβe und gut ausgestattete Bibliotheken, wie die Bibliothèque Nationale de la France oder das Centre Pompidou, setzen sich rein aus Präsenzbeständen zusammen; erstere kann nur nach Entrichtung einer Tages- oder Jahresgebühr benutzt werden, letztere ist öffentlich zugängig und auch am Wochenende geöffnet.
Bei beiden sind längere Warteschlangen am Eingang üblich. Gute Arbeitsbedingungen bietet hingegen das Deutsche Historische Institut im Marais im 4. Arrondissement. Die Bibliothek ist eher klein und auf geschichtliche Fragestellungen spezialisiert, bietet aber eine angenehme Arbeitsatmosphäre mit WLan-Netz und Zeitschriftenraum. Man findet immer einen Platz, von Nachteil sind dagegen die kurzen Öffnungszeiten: am Wochenende ist das Institut geschlossen, wochentags nur bis 17 Uhr geöffnet. Eine weitere Alternative ist die Bibliothek des Heinrich Heine Hauses, die allerdings auch nur über eine begrenzte Anzahl an Büchern verfügt. Das Ausleihen ist hier möglich, Nichtresidenten müssen jedoch eine Internetgebühr entrichten. Die Bibliothek ist bis um 23 Uhr und auch am Wochenende geöffnet. Zusammenfassend ist also festzuhalten, dass man in Paris sehr viel Zeit damit verbringen kann, sich das Lern- und Studienmaterial in den jeweiligen Bibliotheken zusammenzusuchen.
Freizeit
Zuletzt noch ein kleiner Tipp für die Freizeitgestaltung in Paris. Insbesondere für Musikbegeisterte oder solche, die es werden wollen, bietet die Académie de Musique unter Leitung von Jean-Philippe Sarcos ein umfangreiches Programm für Pariser Studenten: Mehrmals im Jahr treten Chor und Orchester in Paris auf. Wer mitmachen möchte, kann sich auf folgender Homepage über das aktuelle Programm informieren: [2]
Wer zwischendurch ein deutsches Buch lesen möchte, findet neben dem Centre Pompidou in der deutschen Buchhandlung Marissal ein Grundangebot an ausgewählter Fach-, Sachliteratur und Belletristik. Außerdem kann man dort Kleinanzeigen aushängen oder lesen. Wenn man eine Unterkunft oder einen kleinen Job sucht, kann es sich durchaus lohnen, auch hier einmal vorbeizuschauen oder gegebenenfalls selbst eine kleine Notiz zu hinterlassen.