Studieren in Berlin
Wer nach Berlin zum Studieren geht, hat die Qual der Wahl: so viele Hochschulen, so viele Studiengänge. Und nach der Uni gehen die schwierigen Entscheidungen gleich weiter - schließlich kann man nirgendwo zwischen so vielen Bars und Cafés wählen wie in der Hauptstadt.
In der Hauptstadt gibt es viele Universitäten mit einem großen Fächerangebot: Freie Universität (FU), Technische Universität (TU) und Humboldt-Universität (HU); dazu noch die Universität der Künste (UdK) und die Musikhochschule Hanns Eisler. Außerdem gibt es zahlreiche Fachhochschulen.
40 Jahre lang nur zwei Himmelsrichtungen
Im geteilten Berlin entwickelte sich auf beiden Seiten der Mauer eine Hochschule mit ähnlichen Schwerpunkten: im Westen die FU, im Osten die HU. Beide lehren Geistes-, Sozial-, Rechts-, Wirtschafts- und Naturwissenschaften. Nach dem Mauerfall gab es immer wieder Bemühungen, beide Unis zu vereinen. Bisher wurde keiner dieser Vorschläge umgesetzt. Trotz vergleichbarer Schwerpunkte hat sich jede der Unis aber ihre Besonderheit bewahrt.
Mutter aller "modernen" Universitäten - die Humboldt
Die älteste der drei Universitäten - 1810 gegründet - trägt den Namen der Person, die Inbegriff des humanistischen Bildungsideals ist, bereits im Titel: Humboldt. Dabei erhielt die Lehranstalt ihren Namen nicht allein vom berühmten Naturwissenschaftler Alexander von Humboldt, sondern auch von seinem Bruder Wilhelm, Gelehrter und Staatsmann. Die Idee der "Universitas litterarum" (Einheit von Lehre und Forschung) verbreitete sich in der ganzen Welt. Einen Hauch dieser Bildungsgeschichte spüren die Studenten jeden Tag beim Betreten der altehrwürdigen Gebäude im Bezirk Mitte. Rund 37.000 Studenten strömen in das zentral gelegene Hauptgebäude Unter den Linden 6 und andere ebenso geschichtsträchtige Bauten. Die Theologen beispielsweise nutzen Räume im neu restaurierten Berliner Dom.
Mittagspause mit Kultur
In der Mittagspause bietet sich ein kurzer Blick in eines der berühmten Museen auf der Museumsinsel an: vom Pergamon-Altar im gleichnamigen Museum (beliebtes Klassenreiseziel) bis hin zu griechicher und römischer Kunst im Alten Museum. Falls du in der Geschichte noch weiter zurückgehen willst, schau beim Museum für Naturkunde vorbei, das sich übrigens in den Händen der HU befindet. Dort steht das gigantische Skelett des Brachiosaurus brancai und das besterhaltene Fossil des Urvogels Archaeopteryx lithographica.
Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit - FU Berlin
Weniger altehrwürdig kommt die Freie Universität daher. Das liegt wohl unter anderem daran, dass sie sich ihren rebellischen Charakter bewahrt hat. 1946 erzwangen Studenten der heutigen HU die Gründung einer "freien, gerechten und der Wahrheit verschriebenen Universität". Diese Einstellung verstärkte sich während der Studentenproteste in den 1960er Jahren. Überbleibsel lassen sich auch noch von den Streikaktivitäten der jüngeren Vergangenheit finden. Im Laufe des UNI-MUT-Streiks von 1988/89 eroberten sich Studenten viele kleine Räume, in denen jetzt gemütliche Cafés beherbergt sind. Besonders empfehlenswert: das schwule Café Rosa Salon (sehr guter Kaffee, der aus dem KaDeWe kommt), das Sportler-Café (Vollkornnahrung) und das Psychologencafé (Höhepunkt: eine riesige Schale Milchkaffee und selbst gebackener Kuchen).
Mit Luise feiern
Wenn du dich schon ans südwestliche Ende der Stadt hervorgearbeitet hast, solltest du auf jeden Fall einen Blick in die Luise werfen (Königin-Luise-Straße 40-42). Da es im Stadtteil Dahlem nicht viele Möglichkeiten gibt, sich außerhalb der Uni zu treffen, sammeln sich hier immer feiernde Studenten. In gemütlicher Atmosphäre bei annehmbaren Preisen lässt sich das ein oder andere Bier genießen. Pluspunkt im Sommer: ein Biergarten im Schatten alter Kastanienbäume. Bei Sonnenschein und warmen Temperaturen sind die beiden großen Wiesen zu empfehlen, eine vor dem Hauptgebäude, die andere zwischen Juristen und Wirtschaftwissenschaftlern. Trotz Gemütlichkeit seien Neueinsteiger gewarnt: Es handelt sich um eine Massenuni. Insgesamt studieren hier etwa 42.000 Menschen!
Klein und technisch - die TU Berlin
Die kleinste der drei Unis ist die Technische Universität mit zirka 30.000 Studenten. Der Schwerpunkt liegt hier auf Ingenieur- und Naturwissenschaften. Aber eben nicht nur: Auch geistes-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Fächer können Studenten belegen. Durch die Nähe zum Ku'damm nutzen Studenten die Gelegenheit, schnell noch nach dem einen oder anderen Schnäppchen in Kaufhäusern oder Boutiquen zu jagen. Aber auch das Feiern kommt nicht zu kurz. Besonders empfehlenswert sind die Veranstaltungen in der Alten TU-Mensa (Hardenbergstraße 34): Vom Konzert über Musicals bis hin zu Erstsemesterfeten und Salsa-Partys findet hier alles Unterschlupf. Und einmal des Studierens müde, kannst du dich bei einem Salat mit Putenbruststreifen im Café Hardenberg erholen. Dafür musst du von der Alten TU-Mensa aus nur einmal die Straße überqueren. Wenn du auch am Wochenende deine Uni nicht aus den Augen lassen willst, lohnt ein Blick auf den Flohmarkt an der Straße des 17. Juni - direkt gegenüber des Hauptgebäudes. Erholung findest du danach an warmen Tagen auf einer der riesigen Wiesen im Tiergarten oder bei einer Ruderpartie auf dem Neuen See.
WG - oder nicht WG?
Natürlich braucht jeder Student - egal an welcher Uni er studiert - ein Dach über dem Kopf. Zwar gibt es Studentenwohnheime, allerdings zeichnen sich diese oftmals nicht durch ihre attraktive Lage aus (hallo Schlachtensee!). Wie wäre es mit einer WG für den Anfang? So lernst du viele Leute kennen und die Miete ist relativ niedrig (je nach Lage und Ausstattung zwischen 200 und 300 Euro). Einzimmerwohnungen (wie der Westler sagt) oder Einraumwohnungen (laut Ostler) sind schwer zu bekommen und verhältnismäßig teuer. Bevorzugte Wohngegenden sind Kreuzberg (alternativ und multikulturell), Prenzlauer Berg (sehr angesagt; wird allerdings immer mehr von Wohnungseigentü- mern bevölkert), Friedrichshain (man spürt die Vergangenheit) und Schöneberg (buntes Getummel und etwas schicker). Achtung: Nicht nach Spandau ziehen - dort bist du wirklich ab vom Schuss! Hilfreiche Medien für die Wohnungssuche sind die "Zweite Hand" (samstags gibt es eine Immobilienausgabe), die Stadtzeitschriften "Zitty" und "Tip" und die Tageszeitungen "Tagesspiegel" und "Berliner Zeitung".
Und sonst?
Wer Berlin kennt, weiß: Um diese Frage beantworten zu können, bräuchte man Tage. Es gibt eigentlich für jeden etwas: Natur im Umland (Brandenburg ist voll davon), Museen im Bezirk Mitte und über den Rest der Stadt verteilt, Opern (Staats-, Komische und Deutsche Oper), Theater (unter anderem: Schiller- und Renaissance-Theater, Freie Volksbühne und Berliner Ensemble) sowie unzählige Kinos. Eigentlich läuft fast jeder Film irgendwo in Berlin. Für Cineasten: Filmfestivals nicht verpassen! Zahlreiche Clubs, die oft ihren Ort wechseln, werben um Studenten. Augen und Ohren offen halten und auf keinen Fall auf Ku'damm-Discos reinfallen! Für eine Kneipentour lohnt sich die Simon-Dach-Straße in Friedrichshain: Dachkammer und Astrobar sind gerade am Wochenende heiß begehrt. Einmal um die Ecke gibt es billige Cocktails in der EM-Bar am Boxhagener Platz.
Woher wissen, wohin gehen?
Da Berlin aber eine so lebendige und wandelbare Stadt ist, brauchst du entweder gut informierte Freunde, die du am einfachsten im Studium kennen lernst, oder du wirfst einen Blick in eines der Stadtmagazine. Während "Zitty" etwas alternativer ist, was sich unter anderem an den vielen kleinen Comics zeigt, gibt sich der "Tip" etwas nobler. Umsonst gibt es die "[030]". Sie ist nicht so ausführlich, genügt aber für einen ersten Überblick. Viel Erfolg beim Finden!
Adressen der Berliner Universitäten
HU Berlin
Unter den Linden 6
10099 Berlin
Tel: (030)2093-0
www.hu-berlin.de
FU Berlin
Kaiserswerther Straße 16-18
14195 Berlin
Tel: (030) 838-0
www.fu-berlin.de
TU Berlin
Straße des 17. Juni 135
10623 Berlin
Tel: (030) 314-0
www.tu-berlin.de