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Studienstiftung des deutschen Volkes

In über 800 Stipendien das richtige finden: die Stipendien-Datenbank von e-fellows.net

Dieser Artikel beschreibt das Auswahlverfahren für ein Stipendium bei der Studienstiftung des deutschen Volkes. Die Leistungen des Stipendiums können ergänzt werden.

Aufnahmemöglichkeiten

Für die Förderung kann man vorgeschlagen werden oder sich mit einem Test selbst bewerben. Vorschlagsberechtigt sind:

  • Schulleiter (Gymnasium/Gesamtschule) aufgrund der Abiturleistung
  • Prüfungsämter der Hochschule (Universitäten und Fachhochschulen) aufgrund der Leistung in den ersten drei bis vier Semestern (früher in der Regel nach dem Vordiplom)
  • Hochschulprofessoren, diese haben jederzeit das Recht, geeignete Studenten vorzuschlagen (das ist insbesondere die einzige Aufnahmemöglichkeit in die Promotionsförderung)
  • kooperierende Schülerwettbewerbe für Sieger bei den Bundeswettbewerben Informatik/Mathematik/Sprachen oder bei Jugend forscht etc.
  • Leiter einer Deutschen SchülerAkademie

Je nach Vorschlag unterscheidet sich auch das Auswahlverfahren. Die Sieger aus den Wettbewerben werden für die Studienstiftung vorgeschlagen und nehmen anschließend am Auswahlverfahren für Studienanfänger teil. In einigen Fällen ist das Auswahlverfahren direkt in den Wettbewerb integriert. Im Folgenden wird über das Auswahlverfahren durch Schulvorschlag (Stand: Abitur 2004) berichtet, welches unterschiedlich von der Vordiplomsauswahl ist.

Selbstbewerbung mit Auswahltest

Zusätzlich zum Vorschlagssystem gibt es für Studierende im ersten und zweiten Studiensemester einen weiteren Zugangsweg in die Förderung der Studienstiftung - die Selbstbewerbung mit Auswahltest. Die Anmeldung ist vom 10. Januar bis 15. Februar 2011 über die Homepage der Studienstiftung möglich. Dort findet man auch alle Informationen inkl. Beispielaufgaben zum Test. Der Auswahltest wird Ende März und Anfang April 2011 bundeweit in verschiedenen Testzentren angeboten. Die Besten werden Ende Juni/Anfang Juli 2011 zu Auswahlseminaren eingeladen.

Auswahlseminar

Jede Schule (jeder Oberstudiendirektor) darf pro angefangene 50 Abiturienten einen Kandidaten für die Studienstiftung vorschlagen. Der Direktor muss dann begründen, warum er den Vorgeschlagenen für geeignet hält. Ich habe dieses Schreiben nicht einsehen können, habe aber von anderen Schulen gehört, bei denen die Lehrer es in Zusammenarbeit mit dem Schüler erstellt haben.

Mit diesem Vorschlag darf man sich bei Studienbeginn bei der Studienstiftung bewerben. Der Vorschlag ist zwei Jahre lang gültig (Wehr-, Zivildienst etc. vor Beginn des Studiums sind also kein Problem).

Die vorgeschlagenen Bewerber müssen einen Bewerbungsbogen mit allgemeinen Fragen (Hobbys, Interessen usw.) ausfüllen und einen ausführlichen Lebenslauf erstellen, der die Grundlage für die Einzelgespräche (s.u.) bildet.

Das eigentliche Auswahlseminar findet von Freitag bis Sonntag in einer Jugendherberge o.ä. statt, bei meinem waren etwa 50 Bewerber und 10 Mitglieder der Auswahlkommission (z.B. Professoren und ehemalige Stipendiaten) anwesend.

Die Bewerber werden (zufällig? - zumindest waren die Studienfächer bunt gemischt) in 6er-Gruppen eingeteilt. Während des Seminars nimmt jeder Bewerber an zwei Einzelgesprächen und sechs Gruppendiskussionen teil, von denen er eine durch sein Referat selbst einleitet.

Gruppendiskussion

Jeder Bewerber muss zum Seminar ein ca. zehnminütiges Referat zu einem selbstgewählten Thema vorbereiten, das dann in der Gruppe vorgetragen wird. Es ist zu beachten, dass, je nach anwesendem Kommissionsmitglied auf die exakte Einhaltung des Zeitlimits zu achten ist. Deswegen ist es besonders wichtig, das Referat nach Möglichkeit mehrfach anderen Personen aus dem Freundeskreis vorzutragen, um ein Gefühl für den Zeitraum zu bekommen. Nach gehaltendem Referat wird über das Thema 20 Minuten in der Gruppe diskutiert. Es empfiehlt sich daher ein Thema auszuwählen, bei dem einerseits die anderen Teilnehmer mitdiskutieren können und das andererseits auch genug Raum für Diskussionen bietet. Wer ein Superspezialthema in den zehn Minuten erschöpfend behandelt, darf sich nicht wundern, dass die anschließende Diskussion etwas schleppend verläuft. Das anwesende Mitglied der Auswahlkommission macht sich Notizen, an der Diskussion nimmt es nicht teil. Im Anschluss gibt es daher auch kein Feedback an die Gruppe oder den Referenten. Da es erklärtes Ziel der Studienstiftung ist Stipendiaten auszuwählen, die sich während und nach dem Studium für die Gesellschaft engagieren, sind exzellente Noten zwar Voraussetzung aber nicht ausreichend. Gerade in der Gruppendiskussion offenbaren sich die sozialen Fähigkeiten: Dominiert man die Diskussion oder integriert man, kann man sich nur beim eigenen Thema einbringen oder kann man bei allen Themen konstruktiv zur Diskussion beitragen? Kurzum: integres, kompetentes und höfliches Auftreten ist unabdingbar.

Einzelgespräche

Die beiden ca. 40-minütigen Einzelgespräche werden mit zwei verschiedenen Kommissionsmitgliedern geführt. Grundlage der Gespräche sind der Lebenslauf und der Bewerbungsbogen. In meinen Gesprächen ging es um meine Berufswahl ("warum Lehramt?"), dann sollte ich das Thema meiner Facharbeit laienverständlich erklären (mein Fach war Mathematik), schließlich ging es noch um meine Erwartungen an ein evtl. Stipendium und ein aktuelles politisches Thema.

In der Einladung zum Seminar stand: "Eine Vorbereitung auf die Einzelgespräche ist weder möglich noch nötig". Dies ist im Grundsatz richtig. Allerdings sollte man sich Antworten auf einige Fragen zurecht legen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in jedem Prüfungsgespräch vorkommen: zum einen warum gerade DU in die Studienstiftung aufgenommen werden solltest, und warum du gerade in die STUDIENSTIFTUNG aufgenommen werden möchtest. Des Weiteren ist klar, dass eine Frage kommt, warum man sein Studienfach gewählt hat usw. Außerdem können auch Fragen wie "Welches Buch haben sie zuletzt gelesen, skizzieren sie mal den Inhalt" kommen. Auch ungewöhnliche Punkte im Lebenslauf werden gerne beleuchtet, mal wohlwollend, mal kritisch. Gerade wer exotische Interessensgebiete angibt, sollte hier auch absolut fragesicher sein. Die meisten Prüfer sind sehr vielseitig interessierte Menschen, die vielleicht genau zu dem Thema auch schon etwas gelesen haben. Auch dabei hilft es, sich in die Situation eines Prüfers hineinzuversetzen. Das gesellschaftliche und politische Leben der letzten Zeit im Gedächtnis zu haben empfiehlt sich ebenfalls.

Ganz allgemein kann gesagt werden, dass es keine "richtigen" oder "falschen" Antworten gibt. Auch wenn eine Fachfrage nur unvollständig oder erst auf Nachfragen beantwortet wurde, ist das kein Grund zu verzweifeln. Manche Prüfer stellen bewusst nachbohrende oder provozierende Fragen, um die Reaktion des Bewerbers zu testen. Zumindest bei meinem Seminar war die Auswahlkommission insgesamt dabei sehr freundlich.

Bei den Seminaren zur Vordiplomsauswahl ist eines der Einzelgespräche als Fachgespräch gekennzeichnet. Dies bedeutet jedoch lediglich, dass das Kommisionsmitglied aus der selben bzw. einer ähnlichen Fachrichtung wie der Bewerber stammt. Über den Verlauf dieses Gespräches kann man keine genauen Vorhersagen machen. Mal kann es sein, dass das Gegenüber ein besuchtes Seminar interessant finden und über das Thema reden will, oder er findet sein Fachgebiet ganz wichtig und will ein Grundverständnis davon im Kandidaten wieder finden. Oder er fängt mit einer ganz allgemeinen Frage an, wie "es gibt kein richtig oder falsch" und möchte ein Grundverständnis des Studiums im Kandidaten finden. Bei den Musikwissenschaftlern könnte eine sein, "was unterscheidet Bach von Mozart".

Bewertung

Es kommt nicht primär auf Spezialwissen an, sondern darauf, ob man zu dem jeweiligen Thema eine fundierte Meinung hat und diese verteidigen kann. Spontanität spielt bei den Einzelgesprächen auch eine große Rolle, auf die (eigene) Gruppendiskussion kann man sich dagegen hinreichend gut vorbereiten.

Jedes Kommissionsmitglied kann pro Bewerber und Sitzung 1-10 Punkte vergeben. Ein bis fünf Punkte bedeuten ein negatives Votum. Sechs oder sieben Punkte sind neutral d.h. das Kommissionsmitglied ist nicht gegen die Aufnahme. Acht bis Zehn Punkte sind ein (mit mehr oder weniger Nachdruck formuliertes) positives Votum. An jeder Entscheidung sind drei Kommissionsmitglieder beteiligt. Ab 23 Punkten, wobei mindestens zwei Prüfer für die Aufnahme sein müssen (z.B. 2*8 + 7), ist man auf jeden Fall dabei. Der Referent der Studienstiftung selber hat keine Stimme; er leitet das Auswahlseminar und insbesondere die Abschlussdiskussion mit der Kommission. Wie viele Punkte jeder Bewerber schließlich erreicht hat, wird ihm nicht mitgeteilt. Es kommt nur eine allgemein gehaltene Zu- bzw. Absage. Zur Begründung hieß es, man wolle nicht, dass Teilnehmer sich über ein knappes nicht-Bestehen oder eine zu schlechte Punktzahl ärgern. Persönliches Feedback wird wegen des großen Aufwands nicht gegeben.

Im Fall der Absage ist ein erneuter Vorschlag (z.B. beim Vordiplom) möglich.

Gruppe zum Auswahlverfahren der Studienstiftung in der e-fellows.net community

In der Gruppe "Auswahlgespräche bei Begabtenförderungswerken" in der e-fellows.net community kannst du anderen e-fellows.net-Stipendiaten und Alumni deine Fragen zur Studienstiftung und zum Auswahlverfahren stellen und sehen, was andere gefragt und geantwortet haben (nur für e-fellows.net Stipendiaten und Alumni).

Aufnahmeverfahren für die Promotionsförderung

Das Aufnahmeverfahren für die Promotionsförderung besteht aus folgenden Stufen:

  • Vorschlag des betreuenden Hochschullehrers
  • Der Kandidat erhält dann von der Studienstiftung eine Bewerbungsmappe, die mit einem ausgefüllten Fragebogen, sowie Zeugnissen, Lebenslauf, Zusammenfassung des Promotionsvorhabens und dem Gutachten eines Hochschullehrers (nicht der Betreuer) bestückt in doppelter Ausfertigung zurückgeschickt werden muss. Aufgrund dieser Mappe erfolgt seitens der Studienstiftung eine Vorauswahl.
  • Am Schluss steht ein persönliches Gespräch mit einem von der Studienstiftung bestimmten Hochschullehrer (üblicherweise an einer anderen Universität). Dieser verfasst auf der Grundlage des Gesprächs ebenfalls ein Gutachten. Dieses sowie ein Gutachten eines weiteren Hochschullehrers auf der Grundlage der Bewerbungsmappe sind ausschlaggebend für die endgültige Entscheidung über eine Aufnahme in die Promotionsförderung.

Neuerung: Voraussetzung für die Bewerbung bei der Studienstiftung war bisher keine feste Stelle, z.B. als wissenschaftlicher Mitarbeiter, zu haben. Diese Regelung gilt ab sofort nicht mehr für ehemalige Stipendiaten, die schon während ihres Studiums eine Förderung erhielten. Als Alumnus ist es so möglich mit einer erfolgreichen Bewerbung an der ideellen Förderng teilzuhaben, ein finanzieller Zuschuss wird nicht gewährt.

Weblinks

Weitere Programme in Kooperation mit der Studienstiftung: