Rhetorik
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Korken-Technik
Bereits die alten Römer kannten einen effektiven Trick, um ihre Aussprache kurzfristig deutlich zu verbessern: Sie klemmten sich einen Stein (heute lieber einen Korken nehmen) zwischen die Zähne und versuchten, schwierige Texte möglichst langsam und deutlich auszusprechen, dabei den Gegenstand nicht mit der Zunge zu berühren. Hört sich komisch an, sieht in der Praxis noch viel komischer aus, aber nach schon wenigen Minuten werdet ihr den Unterschied merken!
Induktive Argumente
Es gibt mit Sicherheit viele Methoden eine Rede erfolgreich aufzubauen oder eine Argumentation besonders schlüssig erscheinen zu lassen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Einbindung so genannter "induktiver Argumente" eine gute Methode sein kann, die Zuhörer zu überzeugen - vorausgesetzt man beachtet einige Grundregeln.
Unter induktiven Argumenten versteht man dabei vereinfacht gesprochen die Verallgemeinerung von Einzelfällen. Dabei folgt die Herleitung des Arguments immer dem gleichen Prinzip:
Musterbildung
Das Erkennen einer Regelmäßigkeit innerhalb eines bestimmten Systems. Beispiel: Das Verkehrsministerium stellt fest, dass Unfälle besonders oft bei Überholmanövern von LKW-Fahrern auftreten.
Begriffs- bzw. Kategoriebildung
Anhand der gewonnen Erfahrungen (Stichproben) wird eine Aussage formuliert, die die erkannte Regelmäßigkeit ausdrückt. Beispiel: Das Verkehrsministerium veröffentlicht eine Studie, derzufolge Überholmanöver von LKW-Fahrern für eine hohe Anzahl der Unfälle verantwortlich sind.
Projektion
Aufgrund der formulierten Regelmäßigkeit, wird eine Aussage über die zukünftige Entwicklung gemacht. Beispiel: Weil Überholmanöver von LKW-Fahrern für viele Unfälle verantwortlich sind, beschließt das Verkehrsministerium ein grundsätzliches Überholverbot für LKWs.
Induktive Argumente können auch deswegen einleuchtend für den Zuhörer wirken, da er eventuell selber über Erfahrungen verfügt, die das Argument oder die These zu bestätigen scheinen. War ein Autofahrer im Zuge eines Überholmanövers eines LKW-Fahrers selbst schon mal in einen Unfall verwickelt oder hat er von einem Bekannten über einen solchen Zwischenfall bereits gehört, so ist er eher geneigt sich der Argumentation des Verkehrsministeriums anzuschließen. Bei induktiven Argumenten spielen folglich Motivationen, Erfahrungen und Vorurteile der Zielgruppe eine entscheidende Rolle. Folge ist, dass der Zuhörer im Idealfall zu der Erkenntnis gelangt, dass er selbst die vom Redner dargelegte Argumentation hätte entwickeln können.
Trotz der erläuterten Vorzüge induktiver Argumente, bergen sie jedoch auch Gefahren und Risiken. So erfolgt die Konklusion (Schlussfolgerung) beim induktiven Argumentieren keinem logisch formalen Schemata, sondern basiert lediglich auf empirischen Beobachtungen und Erfahrungen. So könnte es sich bei dem vom Verkehrsministerium erhobenen Daten um eine statistische Zufälligkeit handeln. Der wahre Grund für die Anzahl der Unfälle könnte etwas ganz anderes sein, beispielsweise die Fahrbahnbeschaffenheit oder die Witterungsverhältnisse. Die Gewerkschaft der LKW-Fahrer könnte auch ein Gegengutachten in Auftrag geben, dass das vom Verkehrsministerium erläuterte Argument widerlegt.
Methoden zur Steigerung der Glaubwürdigkeit
Das Risiko in seiner Argumentation widerlegt zu werden verringert sich jedoch erheblich, arbeitet man bei der Herleitung methodisch und achtet auf die im folgenden erläuterten Grundregeln:
Stichprobengröße
Bei der Musterbildung ist unerlässlich, dass die Anzahl der untersuchten Phänomene genügend groß ist. Sollte das Verkehrsministerium sich beispielsweise in seiner Studie auf lediglich einen beobachteten Fall beziehen, wäre dies ein einleuchtender Grund die daraus entwickelte Argumentation (Projektion) in Zweifel zu ziehen. Bezöge sich das Ministerium hingegen auf 100 000 beobachtete Fälle, würde das Argument für den Zuhörer einleuchtender erscheinen.
Variabilität der Referenzklasse
Ferner ist bei der Erstellung der Begriffs- bzw. Kategoriebildung die Variabilität der so genannten Referenzklasse zu beachten, d.h. inwiefern sich die untersuchten Dinge ähneln bzw. zu was für einen Grad sie sich von einander unterscheiden. Vereinfacht gesprochen, ist also zu untersuchen inwieweit die untersuchten Phänomene als repräsentativ gelten können. Auf das konkrete Beispiel übertragen, hätte das Verkehrsministerium beispielsweise anhand der beobachteten LKWs darauf schließen können, dass Unfälle entstehen wenn Verkehrsteilnehmer einander überholen und infolge dessen ein allgemeines Überholverbot, auch für PKW-Fahrer, eingeführt. Die abgeleitete Argumentation würde durch den Einwand in Zweifel gezogen werden können, dass LKWs nicht als repräsentativ für alle Verkehrsteilnehmer gelten können.
Überdeckung
Schließlich ist beim Argumentationsaufbau zu beachten, dass die hergeleitete Argumentation nach Möglichkeit allgemeine Gültigkeit besitzt, d.h. möglichst viele Teilbereiche abdeckt. So reicht es für eine plausible Argumentation nicht aus, wenn das Verkehrsministerium in seiner Studie lediglich Unfälle untersucht hätte, die bei Regenwetter zustande gekommen sind. In diesem Fall hätte der Hauptgrund für die vielen Unfälle genauso gut die Wetterbedingungen sein können. Erst wenn das Verkehrsministerium anführt die gleichen Ergebnisse bei Sonnenschein, Nebel, Regen und Schnee erzielt zu haben, wirkt die Argumentation schlüssig.
