Luft- und Raumfahrttechnik (Uni Stuttgart)
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Allgemeines/Geschichte
Die Luft- und Raumfahrttechnik hat an der Universität Stuttgart bereits eine lange Geschichte. Die Fakultät Luft- und Raumfahrttechnik wurde im Jahr 1955 an der Universität Stuttgart unter dem Namen "Abteilung für Luftfahrttechnik" gegründet. Sie setzte die Tradition luftfahrttechnischer Disziplinen fort, die 1911 von Alexander Baumann in Stuttgart begründet wurde. Im Jahr 1958 bestand die Abteilung aus den fünf Instituten: Institut für Aerodynamik und Gasdynamik, Institut für Flugzeugbau, Institut für Thermodynamik der Luft- und Raumfahrt, Institut für Statik und Dynamik der Luft- und Raumfahrtkonstruktionen und dem Institut für Turboflugtriebwerke. Im Zuge der Einführung des neuen Hochschulgesetzes von 1968 wurde dann schließlich aus der Abteilung die Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik. Sie ist die einzige öffentliche Fakultät in Deutschland, die einen Studiengang für Luft- und Raumfahrttechnik bereits ab dem ersten Semester anbietet.
In ihrer Geschichte kann die Fakultät bis zum heutigen Tage schon auf eine Vielzahl von hervorragenden Wissenschaftlern zurückblicken. Als Beispiele seien hier Personen wie die Professoren Madelung (Segelflugzeugbau), Hütter (Windenergieanlagen, Faserverbundwerkstoffe), Weise (Hochgeschwindigkeits-Aerodynamik), Argyris (FEM), Senger (Flugtriebwerke), Sänger (Raumfahrt), Wortmann (Grenzschichtforschung), Bühler (chemische Raumfahrtantriebe) und Bosnjakovic (Thermodynamik) genannt.
Die Luft- und Raumfahrttechnik ist heute durch ständige Innovationen und Veränderungen geprägt. Daher wundert es nicht, dass auch die Fakultät ihr Gesicht im Laufe ihres Bestehens veränderte und durch die Schaffung von neuen Instituten ihr Profil ständig geschärft hat. Dieser Profilbildung wurde unter anderem auch durch den Zusammenschluss mit den Instituten der Geodäsie im Jahr 2002 Rechnung getragen. Hierdurch wird der Nutzungsaspekt der Raumfahrt z.B. durch Satellitennutzung für Messaufgaben und für Telekommunikation verstärkt in die Fakultät eingebracht.
Studieninhalte
Der Diplomstudiengang Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart ist als grundständiger Studiengang mit Start im ersten Semester einzigartig in Deutschland. Es ist ein Vollzeitstudium mit einer Regelstudienzeit von 9 Semestern, nach dessen Absolvierung man den Titel "Diplom-Ingenieur" führen darf. Das Studium wird überwiegend in Deutsch unterrichtet und gliedert sich in zwei Hauptabschnitte, Grundstudium und Hauptstudium. Der grundsätzliche Studienverlauf ist:
Grundpraktikum - Grundstudium - Fachpraktikum - Hauptstudium - Diplomarbeit
Grundpraktikum
Das Grundpraktikum von 8 Wochen sollte nach Möglichkeit bereits vor Beginn des Studiums abgelegt werden und soll fertigungstechnische Grundkenntnisse vermitteln. Generell ist die Ableistung des Grundpraktikums für alle Studierende der Luft- und Raumfahrttechnik verpflichtend. Absolventen eines technischen Gymnasiums können jedoch je nach Ausrichtung der Schule Teile des Praktikums erlassen bekommen. Dies gilt auch für Studienanfänger mit Berufsausbildungen. Ohne das Praktikum besteht nach dem zweiten Semester kein Prüfungsanspruch mehr. Da nach der aktuellen Prüfungsordnung bereits nach dem 1. Semester Prüfungen abgelegt werden können, wird die Ableistung des Grundpraktikums vor dem Studium dringend empfohlen. Sollten Sie Sich nicht in der Lage sehen, das vollständige Praktikum vor dem Studium abzuleisten, so empfiehlt es sich, zumindest einen Teil vor das Studium zu legen, um den Rest in der vorlesungsfreien Zeit vor bzw. nach den Prüfungen nach dem ersten Semester zu absolvieren.
Grundstudium (Fachsemester 1-4)
Das Grundstudium wird durch die Diplomvorprüfung abgeschlossen und beinhaltet vor allem Grundlagenfächer, die das Basiswissen für das Hauptstudium vermitteln. Die einzelnen Pflichtveranstaltungen sind:
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Fachpraktikum
Dieses Praktikum soll den für eine erfolgreiche Ingenieurtätigkeit notwendigen Bezug zur industriellen Praxis herstellen. Gerade bei einem auf die wissenschaftlichen Grundlagen orientierten Studiengang muss zusätzlich eine gute praktische Ausbildung gefordert werden. Vorgeschrieben sind insgesamt 18 Wochen Fachpraktikum, die auch im Ausland und verteilt auf mehrere Betriebe geleistet werden können.
Hauptstudium (Fachsemester 5-8)
In vier Fachsemestern des Haupstudiums werden Grundlagen und Anwendungen weiter vertieft. Dazu werden zunächst zwei Semester Pflichtfächer unterrichtet, die für den Studierenden eine Entscheidungshilfe sein sollen, welche Fächer er später vertiefen möchte:
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Der Bezug zur praktischen Ausführung wird durch ein Pflichtlabor hergestellt. Neben diesen Fächern müssen noch mindesten drei Wahlfächer (insgesamt mindestens 8 SWS) belegt werden, davon mindestens eine geisteswissenschaftliche Lehrveranstaltung. Im siebten und achten Semester können dann aus den folgenden Möglichkeiten zwei Vertiefungsfächer ausgewählt werden:
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In diesen Vertiefungen werden dann auch Studien- und Diplomarbeiten angefertigt. Ein Semester zum Anfertigen der Diplomarbeit schließt das Studium ab.
Nach dem Vordiplom besteht die Möglichkeit, Luft- und Raumfahrttechnik auch im Teilzeitstudium zu studieren. Das Hauptstudium wird dabei um zwei Jahre gestreckt, um so z.B. Kinderbetreuung, Finanzierung des Studiums o.ä. möglich zu machen.
Informationen zur Bewerbung
Die Studienplätze des Studiengangs werden nicht über die ZVS vergeben, daher müssen Bewerbungen direkt an die Universität Stuttgart gesendet werden. Die benötigten Formulare finden Sie auf der Seite der ZSB.
Vergabe der Studienplätze
Im Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik gibt es zur Zeit eine Zulassungsbeschränkung, den „Numerus Clausus“ (NC). Das bedeutet, dass die Anzahl an Studienplätzen in diesem Studiengang beschränkt ist. Dabei variiert diese Zahl leicht von Jahr zu Jahr, abhängig von der Kapazität der Fakultät. Zurzeit gibt es ca. 250-300 Plätze für Neuanfänger. Im Jahre 2004 wurden unter Einrechnung einer Absagequote 400 Bewerber zugelassen. Ein Teil dieser Plätze ist zunächst reserviert für:
- Alle Wehr- oder Ersatzdienstleistenden, die in einem der zwei vergangenen Bewerbungszeiträume bereits eine Zulassung erhalten haben,
- max. 5% für Härtefälle,
- max. 2% für Zweitstudienbewerber/innen und
- max. 8% für ausländische Studienbewerber/innen
Die restlichen Studienplätze werden zu 90% über das hochschuleigene Auswahlverfahren und zu 10% nach der Wartezeit vergeben.
Im Hochschulauswahlverfahren wird über die vom Bewerber erbrachten Leistungen sowie sonstige Kriterien (s.u.) eine Rangliste erstellt. Ob man zu dem Studiengang Luft- und Raum-fahrttechnik zugelassen wird, hängt davon ab, an welcher Stelle dieser Rangliste man steht.
Kriterien für das Hochschulauswahlverfahren
Die Feststellung der Rangfolge für die Zulassung erfolgt dabei nach folgenden Kriterien:
- In der Hochschulzugangsberechtigung ausgewiesene Leistungen
- Gesamtpunktzahl der Hochschulzugangsberechtigung geteilt durch 56 (maximal 15 Punkte).
- Die in den letzten vier Halbjahren in Deutsch; Mathematik (zweifach); bestbenotete fortgeführte Fremdsprache; bestbenotete fortgeführte Fach aus der Gruppe: Physik, Chemie, Biologie und Informatik; Englisch erreichten Punkte werden addiert und durch 24 geteilt. Der Teiler wird um die Anzahl der Halbjahre verringert, für die keine Punkte ausgewiesen sind (maximal 15 Punkte).
- Sonstige Leistungen
Eine Auswahlkommission der Fakultät bewertet die sonstigen Leistungen gesondert auf einer Skala von 1 bis 10. Sie können bei Ihrer Bewerbung alles vorbringen, von dem Sie glauben, dass damit Ihre Eignung und Motivation festgestellt werden kann - soweit Tatsachen behauptet werden, müssen diese natürlich mit entsprechenden Unterlagen (Zeugnisse u. ä.) belegt werden. Dabei werden unter anderem folgende Kriterien berücksichtigt, sofern sie über die Eignung für das angestrebte Studium besonderen Aufschluss geben:- abgeschlossene Berufsausbildung in einem mathematisch-naturwissenschaftlichen oder technischen Ausbildungsberuf oder bisherige, für den Studiengang einschlägige Berufsausübung (auch ohne abgeschlossene Ausbildung),
- praktische Tätigkeiten,
- außerschulische Leistungen, z. B. Preise und Auszeichnungen, Auslandsaufenthalte
- Ergebnis/Auswahl
Die Punktzahlen aus den schulischen Leistungen und aus den sonstigen Leistungen werden addiert (maximal 40 Punkte). Auf der Grundlage der so ermittelten Punktzahl wird unter allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen die Rangliste erstellt.
Chancen
In den vergangenen Jahren reichte eine Abiturgesamtnote von 9 bis 10 Punkten bei einer gleichen Durchschnittsnote in den oben genannten Abiturfächern aus, um ohne zusätzliche Qualifikationen über die Rangliste zum Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik zugelassen zu werden. Dieser Wert kann sich aber von Jahr zu Jahr ändern, da er von den schulischen Leistungen der Bewerber abhängt. Sollten Sie befürchten, nicht zugelassen zu werden, können Sie sich über einen Hilfsantrag in einem anderen Studiengang der Universität Stuttgart oder einer anderen Hochschule in Deutschland bewerben. Sie können auch bei Erhalt einer Ablehnung noch nachträglich zugelassen werden, falls andere Bewerber auf einem höheren Ranglistenplatz sich nicht einschreiben (Nachrück-Verfahren).
Versenden der Zulassungsbescheide
Die Zulassungsbescheide bzw. Ablehnungen müssen leider etwas später (Ende August oder Anfang September) versendet werden, da die Zulassung durch das Auswahlverfahren etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt als in Studiengängen ohne Auswahlverfahren.
Mathematik-Vorkurs
Für Wehr- und Zivildienstleistende, sowie alle, die keinen Mathematik-Leistungskurs hatten wird der Mathematik-Vorkurs empfohlen, um das benötigte mathematische Grundwissen aufzufrischen.
Berufsaussichten und Berufsfeld
Die Berufsaussichten für Absolventen des Studiengangs der Luft- und Raumfahrttechnik sind sehr gut. Dies liegt vor allem an dem Aufbau des Studiengangs, der stark grundlagenorientiert angelegt ist. Dies gibt vielfältige Möglichkeiten für den späteren Berufseinstieg.
Das Berufsfeld ist heute nicht nur auf die Entwicklung neuer Flugzeuge, Satelliten und deren Trägersysteme beschränkt, sondern umfasst auch viele andere Berufszweige, die an der Entwicklung von Hochtechnologie-Erzeugnissen maßgeblich beteiligt sind. Als Beispiel seien hier nur genannt: Kraftfahrzeugindustrie, Energietechnik- und Energieversorgungsunternehmen, Turbinenhersteller, Luftfahrtgesellschaften, Ingenieurbüros, Forschungseinrichtungen, Planungsgesellschaften, Behörden und staatliche Institutionen.
Studiengänge bei e-fellows.net
Ausführliche Porträts von Studiengängen aller Fachrichtungen gibt es auf der Website von e-fellows.net.
Sie informieren über
- Inhalte des Studiums
- Voraussetzungen
- Fristen und Termine
- Kontakte
Weblinks
- Kurzinfos zum Studiengang LRT an der Universität Stuttgart
- Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik und Geodäsie
- Fachschaft für Luft- und Raumfahrttechnik
Verfasser
--Juergen.schlutz 15:25, 15. Okt 2006 (CEST)
