Leben in Frankreich

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Artikel über das Leben in Frankreich

Inhaltsverzeichnis

Alltag in Frankreich

Allez les bleus

Armenien, Algerien, Martinique, Neu-Kaledonien und Guadeloupe sind ihre Geburtsländer. Spätestens seit den Erfolgen der französischen Fußball-Nationalmannschaft dürfte es sich herumgesprochen haben: Frankreichs Gesellschaft ist multikulturell. Die Vielfalt des Landes findet sich auch an seinen Hochschulen wieder. In den Vorlesungssälen wirst du den Tschador, den traditionellen islamischen Schleier, und Rastalocken neben den neuesten Designerfrisuren aus Paris finden. Couscous, das scharfe nordafrikanische Gericht aus Gemüse, Hammelfleisch und Hirse, ist ein Dauerbrenner in der Mensa.

Bescheidene Studienzeit

Studieren wie Gott in Frankreich? Schön wäre es. Gerade in Paris leben französische Studierende aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten auf weniger großem Fuß als in Deutschland. Auch ist es in Frankreich nicht üblich, außerhalb der Semesterferien zu jobben. Das liegt nicht zuletzt an den gestrafften Studieninhalten, die Nebentätigkeiten selten zulassen.

Paris kassiert ab

Die Lebenshaltungskosten in Frankreich sind ca. 30-100% teurer als in Deutschland. Paris ist hierbei keine Ausnahme, sondern vielmehr die extreme Ausprägung. Hier müssen Studierende noch tiefer in die Tasche greifen als in anderen französischen Großstädten oder in der Provinz. Besonders hoch sind Mieten und Ausgaben für das Nachtleben. Ein Bier in einer durchschnittlichen Bar (auch in der Provinz) kostet zwischen 3,50 und 7,50 Euro, der Eintritt in eine Diskothek zwischen zehn und 15 Euro.

Ausweise für ein günstigeres Leben in Frankreich

Der Internationale Studentenausweis (ISIC) ist bei den Studentenwerken und bei OTU Voyages zu haben. Sobald du dich an einer Hochschule immatrikulierst, bekommst du einen Studentenausweis: die "Carte d'Etudiant". Sie verschafft dir verschiedene Ermäßigungen in der Mensa, im Kino, Schwimmbad und in anderen Einrichtungen.

Hilfreich für einen kurzen Aufenthalt in Frankreich ist der Deutsch-französische Studentenausweis. Studierst du in Deutschland, kannst du ihn beim Studentenwerk deiner Uni für 2,20 Euro beantragen. Mit diesem Ausweis kannst du französische Mensen und Studentenwohnheime zu denselben Bedingungen nutzen wie deine französischen Kommilitonen.

Bist du unter 25, beschert dir "La Carte Jeune" verbilligte Eintritte im Kino, Theater und bei Konzerten. Auch einige Geschäfte drehen die Preisschraube nach unten. Beantragen kannst du sie bei der Post, bei Banken und in einigen Geschäften. Die Verkaufsstellen verfügen auch über eine Liste der gewährten Ermäßigungen. Die 'Carte Jeune' kostet rund 18 Euro.


Mit 800 Euro über die Runden

Dein Studentenleben in Frankreich kostet dich zwischen 700 und 900 Euro im Monat, Studiengebühren exclusive. Das errechnete das CNOUS (Centre National des Oeuvres Universitaires, http://www.cnous.fr). Wenn du dich etwas einschränkst und alle Vergünstigungen für Studenten absahnst, kannst du auch billiger leben. Einzelne Beispiele gibt dir unsere Tabelle:

Kosten für in Euro/Monat
Öffentliche Verkehrsmittel 40
Zimmer im Studentenwohnheim 150
Zimmer in der Stadt 300
Lebensmittel und Getränke 215
Telefon 30
Freizeit 75

Quelle: CNOUS, http://www.cnous.fr

Anmerkung eines Lesers mit Frankreicherfahrung: 215€ + 75€ sind bei weitem zu tief gegriffen. Für eine ausgewogene Ernährung und eine interessante Freizeitgestaltung (75€ kann man bei einem durchschnittlichen Bierpreis von 6€ pro 0,5L an einem Abend ausgeben) kann man diese Zahlen ohne weiteres verdoppeln (mindestens). Die Kalkulation ist eine Schönrechnerei um das finanzielle Elend der französischen Studenten kleinzureden.

Wohnen in Frankreich

Mangelware Wohngemeinschaft

Viele Franzosen wohnen während ihres Studiums noch bei den Eltern. Wohngemeinschaften sind eher selten. Viele Studentenwohnheime bieten Gemeinschaftsräume, in denen Partys gefeiert werden können - eine preiswerte Alternative zu Bars und Diskotheken. Wie ausgeprägt die Feierneigung ist, hängt stark von der Region und vom Fachbereich ab. Im Süden wird mehr gefeiert.

Öffentliche Studentenwohnheime

Am preisgünstigsten sind Zimmer in Studentenwohnheimen, die von den CROUS oder anderen gemeinnützigen Einrichtungen verwaltet werden. Am wenigsten anspruchsvolle (ca. 9 qm, Gemeinschaftsküche etc.) kosten zwischen 100 und 140 Euro im Monat. Um ein Zimmer im Studentenwohnheim muss man sich in der Regel schon im Frühjahr bewerben. Gemmeinnützige und private Wohnungsvermittlungen für Studierende geben ihre Angebote gegen ein relativ geringes Entgelt heraus. Allerdings ist die Anzahl der Wohnheimplätze für ausländische Studierende begrenzt. Freie Zimmer werden auch dann nicht vergeben, wenn sich kein französischer Student findet der sie beziehen möchte.

Privater Wohnungsmarkt

Auf dem privaten Wohnungsmarkt zahlst du für eine Einzimmerwohnung in der Provinz 200 bis 300 Euro. In Paris und anderen Großstädten wie z.B. Toulouse musst du mindestens (mit viel Glück) 350 Euro, meist aber um die 500 Euro aufbringen. Diese Summen gelten für eine bescheidene Unterkunft. Möchtest du mehr, musst du mit einer entsprechend höheren Miete rechnen. Mehr zahlen musst du auch, wenn du erst spät anfängst zu suchen.

Idealer Zeitpunkt

Auf dem privatem Markt ist das Angebot im Juni/Juli noch sehr groß und der Zeitdruck gering. Der Nachteil: Du musst die Wohnung dann schon ab August oder noch früher mieten. Im September und Oktober fallen Wohnungssuchende wie Heuschrecken in den Wohnungsmarkt ein und grasen die guten Angebote blitzschnell ab. Vorsicht: Im August fahren alle Franzosen in den Urlaub. Der Wohnungsmarkt ist eine Wüste.

Formalia

Auch wer es endlich geschafft hat, hat noch einiges vor sich: Vor der Unterzeichnung des Mietvertrags muss oft eine Gehaltsbescheinigung oder ein anderer Einkommensnachweis vorgelegt werden. Die Kaution beträgt meist ein bis zwei Monatsmieten. Zudem musst du eine assurance multirisques abschließen - für den Hausrat und als Haftpflicht für die Wohnung. Die studentischen Genossenschaften (mutuelles) bieten solche Versicherungen zu relativ günstigen Tarifen an.

Staatlicher Mietzuschuss

Wer nur geringe Einkünfte hat und in einer bescheidenen Wohnung wohnt, kann in Frankreich einen staatlichen Mietkostenzuschuss bekommen. Diese 'aide personnalisée au logement' (APL) kannst du bei derjenigen 'Caisse locale d'allocation familiale' beantragen, die für deinen Wohnort zuständig ist. Die Franzosen kennen sie übrigens nicht unter ihrer offiziellen Bezeichnung, sondern nennen sie nach der auszahlenden Stelle 'CAF' (sprich kaff). Achtung: Die CAF bekommt nur der Hauptmieter, was scheinbar günstige Zimmer zur Untermiete mangels CAF-Zuschuss unter dem Strich zu einer teuren Angelegenheit macht.


Medizinische Versorgung

Kassenpatient?

Ohne den Nachweis eines bestehenden Krankenversicherungsschutzes kannst du dich in Frankreich nicht immatrikulieren. Hierfür genügt eine Bescheinigung der Europäischen Krankenversicherungskarte deiner Heimat- krankenkasse (früher: Versicherungsbescheinigung E-111). Sie sollte nicht nur ein Semester, sondern bis zum 1. September des Studienjahres gültig sein.

Privat versichert?

Bist du privat versichert, sieht die Sache etwas anders aus. Nicht alle französische Hochschulen akzeptieren die Bescheinigung eines privaten Versicherungsträgers. Du kannst aber der studentischen Krankenversicherung beitreten (sécurité sociale étudiante (SSE)). Hierfür darfst du noch nicht älter als 28 Jahre sein. Der Jahresbeitrag liegt bei etwa 180 Euro (Angaben von 2004).

Vorsicht: Kostenlücke!

Gesetzliche Krankenversicherungen bieten nicht immer eine hundertprozentige Kostendeckung. Bei einem Krankenhausaufenthalt erstatten sie dir unter Umständen nur 80 Prozent der Kosten. Bei einem Arztbesuch sind es 70 Prozent. Kosten für Medikamente zu 35 Prozent, zu 75 Prozent und ganz selten zu 100 Prozent. Schließe für einen vollständigen Versicherungsschutz eine Zusatzversicherung bei einer studentischen 'mutuelle' ab. Einen guten Überblick dazu und zu allen weiteren Fragen der Krankenversicherung als Student in Frankreich bietet die Website des Informations- und Dokumentationszentrums für das Studium in Frankreich.

Kein Arztbesuch ohne Bares

Die Kosten für Arztbesuche und Medikamente musst du vorstrecken. Ein Besuch bei einem Allgemeinarzt kostet zwischen 20 und 26 Euro. Den Arzt kannst du Arzt frei wählen. Achte darauf, dass dein Arzt einen Vertrag mit der 'sécurité sociale' abgeschlossen hat. Du erhältst nach der Behandlung eine 'feuille de soins'. Die legst du zusammen mit dem Rezept in der Apotheke vor. Auf den Medikamenten befinden sich kleine Aufkleber (vignettes). Die musst du unbedingt auf die 'feuille de soins' an vorgesehener Stelle aufkleben und an deine Versicherung schicken. Sonst gibt es kein Geld zurück. In der Regel erstattet dir deine Krankenversicherung innerhalb weniger Wochen das Geld zurück.


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