LL.M. an der University of Wellington 2009
Erfahrungsbericht von Björn Raap
LL.M.-Erfahrungsberichte
Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.
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LL.M. by Coursework an der Victoria University of Wellington
Nachdem endlich alle Prüfungen des ersten Staatsexamens absolviert waren, konnte es losgehen: Der Start in ein spannendes Jahr in Neuseeland stand nun direkt bevor! In der Zeit von Juli 2007 bis Mai 2008 habe ich an der Victoria University in Wellington einen LL.M. by Coursework absolviert.
Der Wunsch nach einem Auslandsaufenthalt im Anschluss an das Studium hat sich schon früh dadurch ergeben, dass mir eine Zeitschrift in die Hände fiel, in der von einem LL.M.- Studienaufenthalt in Neuseeland berichtet wurde. So bin ich dann auf das Institut Ranke- Heinemann gestoßen, das bei der Planung, Organisation und Durchführung von Studienaufenthalten in Australien und Neuseeland behilflich ist. Auf einer von diesem Institut organisierten Hochschulmesse bin ich das erste Mal direkt mit der Victoria University in Kontakt getreten. Die Entscheidung, dort einen LL.M.-Studiengang zu absolvieren, wurde wesentlich dadurch bestimmt, dass als Studiengebühren aufgrund eines Regierungsabkommens nur die Domestic Fees anfallen, d.h. keine internationalen Studiengebühren zu zahlen sind und so die Kosten deutlich geringer als in anderen Ländern ausfallen. Außerdem bietet die Victoria University mit dem LL.M. by Coursework ein interessantes Studienprogramm an. Auch das Umfeld der Universität wie etwa die Unterkunft in einem modernen Studentenwohnheim hat den Entschluss, ein Studienjahr in Neuseeland zu verbringen, leicht gemacht.
Das Studium in Wellington hat mir sehr gut gefallen. Insbesondere der Masterstudiengang nach der Coursework-Methode hat sich für mich als die richtige Variante herausgestellt. Obwohl ich entgegen dem eigentlich üblichen Studienbeginn mein Studium im Juli und nicht im Februar gestartet habe, war das Kursangebot sehr attraktiv. Beispielsweise wurden zivilrechtlich interessante Kurse in Law of Privacy oder Media Law angeboten, und auch der Kurs United Nations and Human Rights war für Studenten mit Interessen im internationalen Recht sehr empfehlenswert. Anzumerken ist, dass die Dozenten durchweg sehr aufgeschlossen sind, was die Themenwahl für die anzufertigenden Seminararbeiten betrifft. Zum Beispiel war es für mich möglich, Arbeiten mit europarechtlichem bzw. rechtsvergleichendem Schwerpunkt zu verfassen, sodass ich während des Studiums in Neuseeland auch interessante europäisch geprägte Rechtsfragen kennen lernen durfte.
Zu den beiden anderen von der Universität angebotenen LL.M.-Programmen kann ich mir ein Urteil nur aus der Beobachterperspektive erlauben. Wenn ihr schon ein tolles Thema für eine längere Arbeit habt, ist auch die LL.M. by Dissertation and Coursework – oder sogar die Variante LL.M. by Thesis empfehlenswert. Die Betreuer für diese Arbeiten sind sehr motiviert und geben den Studenten wertvolle Hilfe beim Erstellen der Arbeiten. Sucht man sich allerdings erst vor Ort ein Thema für eine 35.000 bzw. 50.000 Worte umfassende Arbeit, so kann sich dies als sehr schwierig erweisen. Meinen Beobachtungen nach sollte man ohne eine vernünftige Vorabidee lieber die Studienvariante Master by Coursework wählen.
Die allgemeine Organisation des Studiums betreffend möchte ich hier den Tipp geben, alle anfallenden Arbeiten möglichst während des laufenden Trimesters zu erledigen. Wer während der Trimester hart arbeitet, hat die Trimesterbreaks zum Reisen zur Verfügung. Schließlich ist man nicht nur wegen des Studiums in Neuseeland. „Hart arbeiten“ ist dabei allerdings auch relativ zu verstehen, war doch der Master-Studiengang meiner Ansicht nach niemals so schwierig wie etwa die Vorbereitung auf das deutsche Staatsexamen. Vielleicht klingt das ein wenig arrogant. Aber ich denke auch, dass das einfach an der besseren Betreuung durch die Lecturer liegt. So erhält man sehr hilfreiche Tipps und kann sogar Entwürfe zur Korrektur einreichen. Ein weiterer Tipp, der vielleicht noch wichtiger ist: Geht regelmäßig zum von der Universität angebotenen Student Learning Support Service und lasst dort eure Paper auf Grammatik- und Rechtschreibfehler kontrollieren. Dieser Service ist wirklich sehr hilfreich und dazu noch kostenlos.
Zusammenfassend kann ich den Master-Studiengang an der Victoria University of Wellington uneingeschränkt empfehlen. Die im „Traumziel Neuseeland“ gemachten persönlichen Erfahrungen und insbesondere die erworbenen Sprachkenntnisse haben sich nach meiner Rückkehr unmittelbar ausgezahlt. So konnte ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Hamburger Großkanzlei auch an Projekten mit internationalem Bezug mitwirken, ohne Probleme mit der Sprache zu haben. Gerade die im Rahmen des LL.M.-Studiums erworbenen Sprachkenntnisse machen den LL.M.-Studiengang zu einer echten Alternative zur Promotion. Außerdem kann man während des Erstellens der Master-Arbeiten ausprobieren, ob einem das Schreiben von umfangreichen wissenschaftlichen Arbeiten liegt und so testen, ob die Erarbeitung einer Promotion überhaupt in Frage kommt.