LL.M. an der University of Wellington 2008
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Erfahrungsbericht von Jan Stemplewitz
LL.M.-Erfahrungsberichte
Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.
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Wann hast du den LL.M. absolviert?
Unmittelbar nach dem ersten Staatsexamen; allerdings war ich auch schon während des Studiums für zwei Semester in Wellington.
War der LL.M. für dich die Alternative zur Promotion oder machst du beides?
Ich hatte schon vor dem LL.M.-Studium geplant, im Anschluss zu promovieren. Insofern habe ich den LL.M. für mich persönlich nie als Alternative zur Promotion gesehen.
Was waren die ausschlaggebenden Gründe für die Entscheidung für ein LL.M.-Studium?
Ich wollte gerne ein Jahr im englischsprachigen Ausland studieren und dies auch durch einen in Deutschland bekannten und anerkannten Abschluss dokumentieren können. Daneben bietet das LL.M.-Studium (im Ausland) die Möglichkeit, in einem zeitlich überschaubaren Rahmen ein anderes Land, eine andere Rechtsordnung, andere Kulturkreise etc. kennenzulernen und so etwas Abwechslung in die relativ lange – und manchmal auch recht „trockene“ – juristische Ausbildung in Deutschland zu bringen.
Nach welchen Kriterien hast du dir das Studienland ausgesucht? Gab es Alternativen?
Da ich bereits während der Schulzeit länger in den USA war und auch Großbritannien schon ganz gut kannte, kamen für mich von den englischsprachigen Ländern am Ende nur noch Australien oder Neuseeland in Frage. Für Deutsche sind die LL.M.-Studiengebühren in Neuseeland vergleichsweise günstig. Aufgrund eines Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Neuseeland fallen nur die Gebühren an, die auch Neuseeländer zahlen müssten. In Wellington belaufen sich diese zu Zeit statt auf ca. 10.000 Euro für internationale Studenten auf nur ca. 3.000 Euro. Unabhängig davon fand ich Neuseeland mit seinen Naturschönheiten als Land sehr reizvoll.
Nach welchen Kriterien hast du dir die Uni ausgesucht? Gab es Alternativen?
Ich habe mich bei der Entscheidung weniger an der Uni als vielmehr an der Stadt orientiert. Wellington hat zwar deutlich weniger Einwohner als Auckland, ist aber als Hauptstadt doch irgendwie auch Großstadt – nur eben ein bisschen gemütlicher, wenn es nicht gerade stürmt. Auf Neuseeland bezogen liegt die Stadt ziemlich zentral, so dass man auch den Rest des Landes gut erreichen kann. Die juristische Fakultät in Wellington bietet, soweit ich weiß, keine speziellen LL.M.-Programme wie zum Beispiel Auckland mit Commercial Law oder Environmental Law an, hat aber trotzdem eine Vielzahl an verschiedenen Kursen im Angebot. Aufgrund der Nähe zum Parlament und der Regierung liegt ein Schwerpunkt in Wellington sicher im öffentlichen Recht.
Wie zufrieden warst du anschließend mit deiner Wahl?
Ich war und bin voll und ganz zufrieden.
Welche besonderen Herausforderungen hat dein Studienland mit sich gebracht?
In Neuseeland ist man – geographisch gesehen – ziemlich weit weg von Deutschland. Bei einer Brutto-Flugzeit zwischen 30 und 40 Stunden und entsprechenden Ticketpreisen kann man da nicht einfach eben mal zurückfliegen. Gleiches gilt natürlich auch für Besucher aus der Heimat. Insofern muss man sich darauf einstellen, dass der Kontakt nach Hause größtenteils nur über Telefon, Briefe und Internet läuft. Plant man wie ich keinen Zwischenbesuch ein, sieht man Familie und Freunde erst nach fast einem Jahr wieder.
Wie hast du das LL.M.-Studium finanziert?
Ich hatte ein Stipendium, das die Studiengebühren, den Flug und einen Teil der monatlichen Lebenshaltungskosten abdeckte.
Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten?
Die reinen Lebenshaltungskosten bewegten sich ungefähr auf dem Niveau von Deutschland, in manchen Bereichen etwas günstiger. Letztlich hing dies auch immer etwas vom aktuellen Wechselkurs ab. Hinzu kamen noch Kosten für Reisen innerhalb des Landes und sonstige Aktivitäten. Wenn man schon einmal am anderen Ende der Welt ist, unternimmt man natürlich auch einiges.
Waren der MBA oder andere Postgraduiertenprogramme eine Alternative für dich?
Eigentlich nicht. Heute würde ich mir evtl. überlegen, stattdessen einen Master of Public Administration zu machen, allerdings dauert der an den meisten Universitäten zwei Jahre. Wie bist du mit der Landessprache und den kulturellen Besonderheiten des Landes klargekommen? Hier gab es keine Probleme. Neuseeland ist als eines der klassischen Einwanderungsländer sehr offen und tolerant. Nicht zuletzt aufgrund der engen Verbindungen zu Großbritannien wirkt Neuseeland in vielen Bereichen durchaus europäisch. Insbesondere Wellington ist eine kosmopolitische Stadt.
Wie ging es für dich nach dem LL.M. weiter?
Nach dem LL.M. habe ich eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem Lehrstuhl angenommen und mich mehr oder weniger direkt meiner Dissertation gewidmet.
Meinst du, dass sich das LL.M.-Studium finanziell auszahlen wird?
Ich weiß nicht, ob ich speziell aufgrund des LL.M.-Studiums später eine bestimmte Summe mehr verdienen werde. Ich sehe den LL.M. mehr als Teil der beruflichen Gesamtqualifikation. Da Auslandserfahrung und gute Englischkenntnisse aber bei fast jedem Arbeitgeber gerne gesehen oder sogar vorausgesetzt werden, war der LL.M. sicher keine Fehlinvestition.
Hast du nach dem LL.M.-Studium überlegt, in deinem Studienland zu bleiben?
Da ich nach dem LL.M. noch meine Doktorarbeit und das Referendariat vor mir hatte, kam es für mich erst einmal nicht in Frage, nach dem LL.M. in Neuseeland zu bleiben. Ich könnte mir aber gut vorstellen, in Zukunft vielleicht für ein paar Jahre dort zu arbeiten.
Würdest du dich für dasselbe LL.M.-Studium noch einmal entscheiden?
Im Großen und Ganzen würde ich mich wieder für dasselbe LL.M.-Studium entscheiden. Hätte ich noch kein LL.M.-Studium absolviert und müsste mich heute für ein solches entscheiden, würde meine Wahl eventuell etwas anders ausfallen, da ich inzwischen schon etwas genauere Berufsvorstellungen habe, auf die ich das LL.M.-Studium dann genauer zuschneiden könnte.
Welche Tipps gibst du zukünftigen LL.M.-Studenten?
Viel reisen, um Land und Leute kennenzulernen. Aufpassen, dass man nicht zu viel Zeit nur mit anderen deutschen LL.M.-Studenten verbringt (von denen es an neuseeländischen Universitäten aufgrund der niedrigen Studiengebühren mittlerweile nicht wenige gibt). Insbesondere über die vielfältigen Sportangebote der Universität kommt man sehr leicht in Kontakt mit neuseeländischen Studenten.
