LL.M. an der University of Stellenbosch (2009)

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Erfahrungsbericht von Daniela Pufal

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Ich war von Juli 2005 bis Juni 2006 als LL.M.-Studentin an der University of Stellenbosch in Südafrika. Warum Südafrika? Zum einen wollte ich meinen Master an einer englischsprachigen Universität absolvieren, zum anderen war mein Budget beschränkt. Ich stieß damals in der STUDJUR auf einen Erfahrungsbericht zweier Studenten (online auf den Internetseiten der Deutsch-Südafrikanischen Juristenvereinigung www.dsjv.org unter Südafrika – Studium) und meine Entscheidung war nach erstmaligem Lesen des Artikels gefallen. Südafrika! Das andere Ende der Welt!

Wie aber sollte ich meinen Master finanzieren? Ich begann zu rechnen und kam zu dem Schluss, dass ich ungefähr 15.000 Euro zusammenbekommen müsste, um fliegen zu können. In Südafrika während des Masters zu arbeiten, würde nicht möglich sein, da man als Student kein Arbeitsvisum beantragen kann. Mein Job als Studentische Hilfskraft an der Universität allein würde mir nicht helfen können. Ich begann also, am Wochenende zu kellnern, zu sparen, und erkundigte mich über sonstige Finanzierungsmöglichkeiten. Für ein Stipendium des DAAD reichte meine Zeit nicht mehr aus, denn dies setzt eine Bewerbung mit der Note aus dem ersten Staatsexamen voraus, die ich aber erst kurz vor meiner geplanten Abreise erhalten würde. Die Universität Stellenbosch wiederum bietet keine Stipendien für internationale Studenten an. Vielmehr muss man als ausländischer Student bereits mit einer nachgewiesenen Kontogutschrift anreisen, die sicherstellt, dass man den kompletten Studienaufenthalt finanzieren kann.

Von einer Freundin erfuhr ich von der KfW, der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die Bildungskredite für Auslandsstudien vergibt. Die Konditionen des Kredites sind günstig, mit der Rückzahlung muss erst vier Jahre nach der ersten Auszahlung begonnen werden. Das Darlehen wird in monatlichen Raten von 300 Euro ausgezahlt. Wenn ein entsprechender Bedarf nachgewiesen wird, z.B. für die Bezahlung von Flugtickets, kann zusätzlich eine einmalige Zahlung von bis zu sechs Raten von je 300 Euro in einer Summe beantragt werden, wobei der Höchstbetrag von insgesamt 7.200 Euro für alle Leistungen zusammen nicht überschritten werden darf (Informationen sind zusammengestellt auf www.kfw-foerderbank. Darüber hinaus erfuhr ich, dass man, wenn man die Altersgrenze noch nicht überschritten hat, auch weiterhin Kindergeld für das Auslandsstudium erhält (Merkblatt Kindergeld 2008 auf www.bmfsfj.de). Durch den Kredit, das Kindergeld und mein Erspartes stand meine Finanzierung auf sicheren Füßen.

Wer sein Studium an der Universität Stellenbosch absolvieren will, findet unter www.sun.ac.za alle erforderlichen Informationen. Die Studiengebühren sind von internationalen Studenten komplett vor der Registrierung, also spätestens bei Ankunft an der Universität, zu entrichten. Die Gebühren bestehen aus drei Teilen, nämlich aus der International Registration Fee (IRF), die zurzeit 3.270 Rand (ca. 250 Euro, abhängig vom Wechselkurs) beträgt, den Service Fees for Academic Related Services (3.850 Rand, ca. 290 Euro) sowie den Tuition Fees. Die Höhe der Tuition Fee ist davon abhängig, ob man einen LL.M. by Coursework oder aber einen LL.M. by Thesis machen möchte. Die Gebühr für den LL.M. by Thesis, bei dem man nur eine Thesis schreibt und nicht an Kursen teilnimmt, kostet 12.015 Rand pro Jahr (ca. 916 Euro). Der LL.M. by Coursework, bei dem man an vier Kursen im Jahr teilnimmt und eine Thesis schreibt, kostet 4.685 Rand pro Kurs und 1.350 Rand für die Betreuung der Thesis (ca. 1.530 Euro). Hinzu kommen Kosten für Lehrmaterialien, Kopien, Bibliotheksnutzung etc., so dass ungefähr mit Kosten in Höhe von 3.000 Euro zu rechnen ist.

Die Lebenshaltungskosten in Südafrika liegen etwas unter denen in Deutschland. Die Lebensmittel in Supermärkten sind vergleichbar teuer, Essen gehen oder Kinobesuch, Benzin und Ähnliches sind deutlich günstiger. Die Höhe der Miete ist abhängig davon, ob man sich von der Universität in einem Studentenwohnheim unterbringen lässt (ca. 350 Euro) oder sich selbst eine Wohnung sucht (ca. 220 Euro für ein WG-Zimmer). Insgesamt kommt man mit ca. 800 Euro pro Monat sehr gut aus und kann von diesem Betrag sogar noch nebenbei das ganze Land bereisen.

Ich habe meine Entscheidung für den LL.M. in Südafrika nicht einen Tag bereut und würde diese Wahl immer wieder treffen. Die Universität erfüllt in jeglicher Hinsicht „westliche“ Standards und das wunderschöne Land tut sein Bestes, um den Aufenthalt zu einem unvergesslichen Erlebnis werden zu lassen.

Ob sich der LL.M. einmal auszahlen wird, hängt davon ab, ob man sich für den Beruf als Anwalt oder für den Öffentlichen Dienst entscheidet. Jedenfalls öffnet er für das Referendariat jede Tür und ist auch für spätere Bewerbungen in jedem Fall ein Bonus. Unabhängig von einer rein finanziellen Betrachtung lohnt sich ein LL.M. schon allein deshalb, weil man ein Jahr Zeit gewinnt, in dem man sich orientieren kann, eine neue Kultur kennen lernt und in dem sich neue Wege eröffnen.

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