LL.M. an der University of Sydney

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Erfahrungsbericht von Christopher Luhn

Der „LL.M. by research“ führt im Gegensatz zum "taught"- LL.M. oder "LL.M. by coursework" ein Schattendasein. Wann der "LL.M. by research" empfehlenswert ist, wie die Gestaltung eines Master-Programms aussehen kann und wie "LL.M. by research" und Dissertation ineinandergreifen, möchte ich anhand meiner Erfahrungen schildern.

Inhaltsverzeichnis

Überblick und Ausgangslage

LL.M.-Erfahrungsberichte
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Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Nach meinem ersten Staatsexamen im Juli 2004 begann ich mit einer rechtsvergleichend angelegten zivilrechtlichen Promotion, die einen Vergleich mit dem australischen Recht beinhalten sollte. Dabei sah ich die Chance, den für die Dissertation notwendigen Forschungsaufenthalt im Ausland zu intensivieren und mit einem LL.M.-Studium zu verbinden. Hier kam mir der "LL.M. by research" in den Blick. Denn anders als ein "LL.M. by coursework" wird ein "LL.M. by research" ausschließlich durch die Anfertigung einer Master-Thesis erworben. Durch eine Thesis, die sich mit dem gleichen Problemkreis wie die Dissertation befasst – freilich mit anderer Blickrichtung und Zielsetzung – lassen sich Synergieeffekte nutzen: Vorarbeiten für die Dissertation, die bereits in Deutschland über das ausländische Recht möglich sind, beschleunigen den Einstieg und die Arbeit an der Master-Thesis im Ausland; die Arbeit an der Thesis wiederum ist gewinnbringend für die Dissertation.

In Anbetracht der Tatsache, dass eine Doktorarbeit eine noch tiefere wissenschaftliche Durchdringung als eine Master-Thesis erfordert, aber auch eine Master-Thesis einen beachtlichen Umfang hat, der in einem Jahr bewältigt werden soll – wer länger braucht, muss auch länger Studiengebühren zahlen! – hat sich die zeitliche Abfolge von Arbeit an der Dissertation und Arbeit an der Thesis, wie ich sie gewählt habe, bewährt. Konkret begann ich im Herbst 2004 damit, ein Exposé für die Doktorarbeit anzufertigen. Hierbei lernte ich bereits das für die Problemstellung meiner Dissertation relevante australische Recht kennen. Dies erleichterte meinen Einstieg in die Anfertigung der Master-Thesis ab Juli 2005 in Sydney enorm, da ich ab dem ersten Tag mit zielgerichteter Recherche und dem Schreiben an der Thesis beginnen konnte. Während meines Aufenthalts in Australien schrieb ich an der Doktorarbeit nicht weiter, was mir jedoch keine Gewissensbisse verursachte, da die Arbeitsergebnisse der Master-Thesis später in die Doktorarbeit einfließen sollten. Innerhalb eines Jahres konnte ich die Master-Thesis fertig stellen und widmete mich im Anschluss daran wieder der Dissertation, deren Beendigung dann ein weiteres Jahr in Anspruch nahm.

Auswahl der Uni und Bewerbung

Das Thema meiner Dissertation legte mich auf Australien fest – wobei ich nicht unerwähnt lassen möchte, dass ich neben der juristisch für das deutsche Recht sehr gewinnbringenden Sichtweise des australischen Rechts auch aus persönlichen Gründen einen längeren Forschungsaufenthalt in Australien schätzte.

Bei der Auswahl der Universität waren für mich drei Faktoren ausschlaggebend: Welche Universität hat einen zu meinem Thema passenden Forschungsschwerpunkt, welcher Professor kommt als Supervisor in Betracht und in welcher Stadt liegt die Universität? Als eine der renommiertesten Universitäten in Australien, mit passenden Forschungsgebieten und in einer traumhaften Stadt gelegen fiel meine Wahl auf die University of Sydney. Ich nahm mit einem Professor der University of Sydney per E-Mail Kontakt auf und stellte ihm mein Vorhaben kurz vor. Bereits am nächsten Tag hatte ich seine Zusage, als Supervisor für meine Thesis zu fungieren. Erst im Anschluss daran bewarb ich mich offiziell bei der Universität. Hierbei kann ich die Dienste des Ranke-Heinemann-Instituts lobend erwähnen, das ohne Kosten für den Studenten als Agent bei der Bewerbung bei australischen Universitäten fungiert und das Verfahren erleichtert. Zusammen mit der Bewerbung musste ich ein Research Proposal, in dem das Forschungsvorhaben skizziert wird, und zwei Professoren-Gutachten einreichen.

Finanzierung

Die Kosten für einen "LL.M. by research" lagen an der University of Sydney mit umgerechnet gut 12.000 Euro nur marginal unter denen für einen "LL.M. by coursework". Ob dies angesichts eines für die Universität im Vergleich zu einem "taught"-LL.M. deutlich geringeren Aufwands gerechtfertigt ist, sei dahingestellt. Einen großen Teil der Kosten konnte ich glücklicherweise durch ein Stipendium des DAAD decken. Hierbei handelte es sich um ein Aufstockungsstipendium auf eine Promotionsförderung nach den Landesgraduiertenförderungsgesetzen. Diese wird im Regelfall nur für den bloßen Forschungsaufenthalt im Rahmen einer durch eine Landesgraduiertenförderung unterstützten Promotion gewährt, kann ausnahmsweise aber auch Studiengebühren umfassen. Die Kombination von Promotion und "LL.M. by research" funktioniert also nicht nur inhaltlich, sondern auch finanziell. Die Lebenshaltungskosten in Australien bewegen sich etwa auf deutschem Niveau und selbst in der Vier-Millionen-Metropole Sydney findet sich leicht eine bezahlbare Wohnung.

Besonderheiten und Anforderungen der Master-Thesis

Einzige Bewertungsgrundlage für die Verleihung eines "LL.M. by research" ist die Master-Thesis. An der University of Sydney soll diese einen Umfang von etwa 50.000 Wörtern haben. In meinem Fall waren das bei zweizeiligem Abstand rund 200 Seiten. Für den an sich vorgeschriebenen Begleitkurs Legal Research konnte ich unter Hinweis auf vorhandene Kenntnisse eine Befreiung erhalten. In die zunächst ungewohnte Situation, eine längere Arbeit nicht in der Muttersprache zu verfassen, findet man sich schnell ein. Ebenso wie für eine Doktorarbeit kann hier nur der Ratschlag gelten, jeden Tag zumindest etwas zu Papier zu bringen. Die Belohnung, die einem die selbstständige Beschäftigung mit einer Master-Thesis ohne Verpflichtung zum Besuch von Kursen bietet, liegt auf der Hand: Man bleibt Herr seiner Zeit, die man in Australien für eine Vielzahl von Verlockungen einsetzen kann, ohne natürlich das Vorankommen der Arbeit aus den Augen verlieren zu dürfen! Gleichzeitig ist dies auch die Kehrseite der Medaille. Angesichts fehlender Einbindung in den normalen Kursbetrieb der Uni mussten soziale Kontakte weitgehend woanders geknüpft werden. Dies hatte wiederum den Vorteil, über sportliche und musikalische Aktivitäten oder auch Mitbewohner nicht nur deutsche und internationale Studenten, die den weit überwiegenden Teil der Coursework-Studenten ausmachten, sondern auch Australier kennenzulernen.

Betreuung und Abschluss der Arbeit

Bei der Anfertigung der Master-Thesis wurde ich von zwei Professoren betreut, die jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung standen und sich für die Durchsicht der Arbeit, auch während ihres Entstehens, viel Zeit nahmen. Die Thesis wurde nach ihrer Fertigstellung bei der Fakultät eingereicht und – anders als im Falle einer deutschen Dissertation – nicht von dem Betreuer der Arbeit, sondern von zwei externen Gutachtern bewertet. Ihre Ergebnisse habe ich wenige Monate nach der Einreichung der Arbeit erhalten.

Fazit

Mein Anliegen war es, in aller Kürze anhand meiner Erfahrungen etwas Licht in den vergleichsweise selten gewählten „LL.M. by research“ zu bringen. Diesen Weg zu beschreiten, ist nur für diejenigen empfehlenswert, die schon recht konkrete Vorstellungen über eine mögliche Thematik ihrer Master-Thesis haben. In Verbindung mit einer Dissertation ist ein "LL.M. by research" sehr lohnenswert. Will man LL.M. und Dissertation zeitlich verzahnen, ist es natürlich unerlässlich, sich der Unterstützung seines Doktorvaters zu versichern.

Für die Attraktivität der Universitäten in Australien und in Sydney im Besonderen zu werben, erübrigt sich angesichts ohnehin steigender Beliebtheit bei deutschen Studenten beinahe. Nur so viel: Ich würde es jederzeit wieder machen!

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