LL.M. an der University of New South Wales Sydney

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Erfahrungsbericht von Tobias Lange

Mehr als nur surfen – Der LL.M. an der University of New South Wales in Sydney (Australien). Während der „heißen“ Lernphase für das Erste Staatsexamen habe ich mich stets mit der Aussicht motiviert, nach bestandener Prüfung ein LL.M.-Studium in Australien zu absolvieren. Und so habe ich von Juli 2008 bis 2009 an der UNSW in Sydney studiert.

Warum an die UNSW nach Australien?

LL.M.-Erfahrungsberichte
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Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Gespräche mit Mitarbeitern des Instituts Ranke-Heinemann und die ausgezeichneten Informationen auf der Website des Instituts haben mir bei der Wahl der University of New South Wales (UNSW) in Sydney sehr geholfen. Die Uni hat mich mit ihrem innovativen und interdisziplinären Kursangebot auf den Gebieten des Sportrechts, der außergerichtlichen Streitschlichtung (Mediation) und des Geistigen Eigentums überzeugt – Rechtsgebiete, in denen australische Universitäten sich mit Einrichtungen in den USA oder dem UK ohne Weiteres messen können.

Besonders positiv empfand ich das sehr persönliche Verhältnis zu den engagierten Lektoren. So hat meine Sportrechtsdozentin für mich den Kontakt zu meiner späteren Praktikumsstelle hergestellt, und ein weiterer Dozent aus einer australischen Großkanzlei hat mich dabei unterstützt, einen meiner Essays in einer australischen Fachzeitschrift zu publizieren. Einen weiteren Vorteil der UNSW sehe ich in der engen Anbindung der Law School an andere Fakultäten, wodurch ich schnell Kontakt zu Studenten anderer Fachrichtungen knüpfen konnte. Und auch die Stadt Sydney wurde ihrem guten Ruf mehr als gerecht. Ich habe noch keine Stadt kennengelernt, in der sich Strand-, Studien- und Berufsleben so harmonisch vereinbaren lassen.


Und wie finanziere ich das Ganze?

Die wichtigste Frage im Vorfeld des LL.M.-Studiums war für mich die der Finanzierung des Auslandsaufenthalts. Meine Studiengebühren betrugen 21.000 Australische Dollar. Die Lebenshaltungskosten in Sydney sind in etwa mit denen in einer deutschen Großstadt zu vergleichen, wobei die Mietpreise jedoch deutlich höher liegen (720 bis 850 Australische Dollar für ein WG-Zimmer). Angesichts dieser hohen Summen war für mich die Auseinandersetzung mit möglichen Stipendien extrem wichtig. Die beste Zeit, sich ausführlich um dieses Thema zu kümmern, ist meines Erachtens die Zeit zwischen schriftlichem und mündlichem Teil der Examensprüfung. Ich habe mich für das DAAD Jahresstipendium, das Haniel-Stipendienprogramm der Studienstiftung sowie das LL.M.-Reisestipendium von Freshfields beworben. Bei der Aussicht auf Vollfinanzierung des Auslandsaufenthalts lohnt sich meiner Ansicht nach eine gründliche Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen. Insbesondere das Motivationsschreiben muss die Leser von der Ernsthaftigkeit und dem Nutzen des Studienvorhabens überzeugen. Je persönlicher und origineller, desto besser. Zudem sollte es erkennen lassen, dass sich der Bewerber bereits intensiv mit dem Vorhaben auseinandergesetzt hat und sich nicht lediglich für ein Jahr „auf Stipendienkosten erholen“ will. Erwähnenswert sind beispielsweise bereits konkrete Vorstellungen über die zu belegenden Kurse, Gespräche mit Anwälten oder Professoren über die Sinnhaftigkeit dieser Kurswahl oder die erste Kontaktaufnahme mit Professoren der Gastuniversität.

Das Motivationsschreiben zusammen mit dem Lebenslauf bildet auch stets die Grundlage der sich an die schriftliche Bewerbung anschließenden Auswahlgespräche. Auch wenn die Gespräche bei Haniel, dem DAAD und Freshfields in unterschiedlichem Rahmen stattfanden, ist sowohl die Vorbereitung als auch der Ablauf sehr ähnlich. Meiner Ansicht nach ist es unerlässlich, aber auch ausreichend, auf die Fragen „Warum dieses Programm an dieser Uni?“, „Warum Australien?“ und „Warum du und kein anderer?“ ehrliche und überzeugende Antworten parat zu haben. Alles Weitere ergibt sich im Gespräch und ist nicht planbar, gerade weil es stets Ziel der Auswahlkommissionen ist, ein möglichst offenes und spontanes Gespräch zu führen, um einen authentischen Eindruck vom Bewerber zu bekommen. Falls mehrere Stipendienbewerbungen schlussendlich erfolgreich sein sollten, lohnt es sich, nach Kombinationsmöglichkeiten zu fragen, bevor eines der Angebote abgelehnt werden sollte. In meinem Falle waren alle drei Stipendienträger sehr kompromiss- und kooperationsbereit.

Da mit einer Stipendienzusage leider erst sehr spät gerechnet werden kann, kann ich jedem nur raten, bei der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten mehrgleisig zu fahren. Ich habe nach Abschluss des Ersten Examens für vier Monate als freier Mitarbeiter in einer Großkanzlei gearbeitet, um notfalls die Studienkosten selbst abdecken zu können. Während des Studiums in Australien ist eine Nebentätigkeit von 20 Stunden pro Woche (während der Semesterferien unbegrenzt) möglich. Nebenjobs in Gastronomie und Service sind relativ leicht zu finden, werden jedoch nicht besonders gut entlohnt (ca. sieben bis 20 Australische Dollar pro Stunde).

Abschließend kann ich jedem ausnahmslos empfehlen, ein LL.M.-Studium an der UNSW in Sydney zu absolvieren. Für mich war es der Höhepunkt meines Studiums. Ich kann mir schwer vorstellen, dass es eine andere Stadt gibt, in der sowohl die Qualität der universitären Ausbildung als auch die allgemeine Lebensqualität ein derart hohes Niveau erreichen.

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