LL.M. an der University of East Anglia Norwich
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Erfahrungsbericht von Eike Eden
Ich habe im akademischen Jahr 2006/2007 an der University of East Anglia (UEA) in Norwich studiert und dort das LL.M.-Programm im Bereich International Competition Law and Policy belegt.
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Das Studium
LL.M.-Erfahrungsberichte
Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.
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Die UEA bietet verschiedene spezialisierte LL.M.-Programme schwerpunktmäßig im Wirtschaftsrecht an. Das beliebteste Programm mit der größten Auswahl an Kursen ist der Master in „International Commercial and Business Law“. Hier reicht das Angebot von „Banking“ und „ International Financial Markets“ bis zu „Oil and Gas Law“. Neuerdings gibt es sogar einen Kurs zu „Islamic Finance Law“. Weitere Kursprogramme gibt es z.B. in den Bereichen „Employment Law“ oder „Information, Technology and Intellectual Property Law“. Als ich nach Norwich kam, hatte ich mir über die Kurswahl und das zu belegende Master-Programm noch wenig Gedanken gemacht, da ich gerade wenige Wochen zuvor die Klausuren des Ersten Staatsexamens bewältigt hatte. Meine Wahl fiel auf das Programm im Bereich „International Competition Law and Policy“. Überzeugt hat mich letztlich, dass ich im Rahmen dieses Programms ideal Wirtschaftswissenschaften und Jura verbinden konnte. Im ersten Semester haben wir uns überwiegend mit den ökonomischen Hintergründen beschäftigt, z.B. wie Märkte funktionieren und abgegrenzt werden, warum Unternehmen fusionieren etc. Das war zu Beginn sicherlich nicht einfach, da ich keine VWL-Grundkenntnisse hatte. Später habe ich aber gemerkt, dass dieses Hintergrundwissen im Rahmen späterer Kurse eine enorme Hilfe war. Neben den klassischen kartellrechtlichen Themen wie Preisabsprachen, Missbrauch marktbeherrschender Stellungen und Fusionskontrolle habe ich Kurse besucht, die internationale Fragen des Kartellrechts (z.B. weltweite Kartelle, Kartellrecht in Entwicklungsländern oder sog. „multi-jurisdictional filings“ in der Fusionskontrolle) und der Regulierung von Netzwerkindustrien behandelten. Dieses Master-Programm wird vom Centre for Competition Policy (CCP) geleitet, das sich durch interdisziplinäre Forschung auszeichnet. Hier arbeiten Wissenschaftler aus den Bereichen Jura, Wirtschafts- und Politikwissenschaften zusammen. Diese Interdisziplinarität macht das CCP zu einem der führenden Forschungszentren auf diesem Gebiet in Europa. Neben den Lehrveranstaltungen organisiert das Centre wöchentliche Seminare zu verschiedenen Themen aus den Bereichen Competition Law, Policy and Economics. Interessant ist zudem, dass das CCP Stipendien an LL.M.-Studenten vergibt, die sich für das Master-Programm in diesem Bereich bewerben. Besonders gut gefallen hat mir die hervorragende Betreuung der Master-Studenten durch Professoren und Dozenten. Die kleinen Seminargruppen (10 bis maximal 20 Studenten) erfordern eine gewissenhafte Vorbereitung und Mitarbeit und haben zu einem sehr angenehmen Verhältnis zwischen Studierenden und Dozenten geführt. Auch hat die Law School regelmäßig zu Social Events eingeladen, bei denen man auch mal über andere als fachliche Themen diskutieren konnte. Das CCP hat es zudem sehr gut verstanden, die Master-Studenten in das Institut einzubinden, wodurch auch interessante Kontakte z.B. zu Doktoranden hergestellt wurden.
Die Uni
Die UEA wurde in den 60er Jahren gegründet und hat knapp 15.000 Studenten. Das ausgeprägte Social Live auf dem Campus lässt die teilweise weniger pittoreske Umgebung (eher praktische 60er und 70er-Jahre Architektur) in den Hintergrund treten. Auf dem Campus befinden sich mehrere Cafés, Pubs und der Large Common Room, in dem fast täglich Partys und Konzerte stattfinden. Auf dem Square als zentralem Anlaufpunkt und in der Grads Bar, zu der nur Postgraduates Zutritt haben, trifft man eigentlich immer Freunde und Bekannte. Für Juristen bietet die UEA aber auch noch eine Besonderheit in architektonischer Hinsicht. Die Law School befindet sich etwas abseits des Campus in der Earlham Hall, einem altehrwürdigen englischen Landhaus. Dieses liegt, umgeben von hohen Bäumen, in einem herrlichen Landschaftspark, dem Earlham Park. Rund um den Campus befinden sich zahlreiche Grünflächen und ein See. Hier kann man insbesondere in der wärmeren Jahreszeit die Sonne hervorragend genießen (Norwich ist einer der trockensten Orte des Königreichs), BBQs feiern oder joggen. Des Weiteren gibt es einen sehr gut ausgestatteten und modernen Sportspark. Ich kann auch jedem nur empfehlen, sich einer oder mehrerer (Sport-)Societies anzuschließen. Hier lernt man viele nette Menschen kennen, die kein Jura studieren. Da der LL.M. nur von relativ wenigen englischen Bachelor-Absolventen gemacht wird, ist dies zudem eine hervorragende Möglichkeit, Engländer zu treffen. Ich selbst habe in der Sailing-Society eine tolle Zeit gehabt.
Die Stadt
Norwich („a fine city“, so der offizielle Slogan) liegt in Ostengland in der schönen Landschaft der Norfolk Broads, knapp zwei Stunden von London entfernt. Mit ca. 140.000 Einwohnern ist Norwich überschaubar, bietet aber alles, was man von einer Unistadt erwartet. Die Stadt zählt zu den fünf besten Shopping-Städten im Königreich. Es gibt eine mittelalterliche Altstadt mit kleinen Gässchen und malerischen alten Häusern. Charakteristisch sind die zahlreichen Gebäude aus Feuerstein. Norwich ist eine der wenigen Städte mit zwei Kathedralen. Eine der beiden Kathedralen liegt im sog. „Close“, einer Stadt in der Stadt. Obwohl sie sich in unmittelbarer Nähe zum Zentrum befindet, hört man hier nichts vom Lärm der Stadt. Der Norwich Market ist der größte feste Budenmarkt Großbritanniens. Daneben findet man in Norwich immer wieder einen interessanten Mix aus Traditionellem und Modernem. Sehr gut für Tagesausflüge eignet sich die nahe Nordseeküste, insbesondere die Strandbäder Cromer und Sheringham. Die Norfolk Broads sind ideal für Boat Trips oder zum Segeln. LL.M.-Studenten können, wie alle Postgraduates aus EU-Staaten, nicht in den Wohnheimen auf dem Campus wohnen. Der Wohnungsmarkt ist jedoch relativ entspannt. Bevorzugte Wohngegend ist das „Golden Triangle“, ein Viertel in der Mitte zwischen Stadt und Campus (jeweils ca. 20–25 Minuten Fußweg). Hier gibt es zahlreiche typisch englische Reihenhäuschen, die sich hervorragend für WGs eignen. Auch befinden sich hier viele Pubs, die von jungen Leuten frequentiert werden und auch sonst eine sehr gute Infrastruktur.
Fazit
Meine Zeit in Norwich war in jeder Hinsicht ein tolles Jahr. Obwohl das Studium insgesamt recht arbeitsintensiv war, verblieb genügend Zeit, um neben der Law School und der Bibliothek auch das Leben und die Kultur in England kennenzulernen. Die Master-Programme erfreuen sich bei Studenten aus aller Welt großer Beliebtheit, so dass ich Freunde aus den verschiedensten Ländern gefunden habe. Insgesamt kann ich ein LL.M.-Studium an der UEA in Norwich nur jedem empfehlen.
