LL.M. an der New York University (2007)

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Erfahrungsbericht von Stephan Schill

LL.M.-Erfahrungsberichte
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Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".

Wann hast du den LL.M. absolviert?

Ich habe nach dem zweiten Staatsexamen mit der Doktorarbeit begonnen und hatte bereits ein Jahr Berufserfahrung gesammelt, bevor ich den LL.M. begonnen habe. Letztlich lagen zwischen zweitem Staatsexamen und Beginn des LL.M. Studiums damit knapp zwei Jahre. An der Doktorarbeit habe ich parallel zum LL.M. weiter gearbeitet und werde sie im Anschluss daran beenden. Schwierig ist im Allgemeinen allerdings, LL.M.-Studium und Promotion parallel zum Abschluss zu bringen. Je nach Thema der Doktorarbeit kann ein LL.M. Studium jedoch bei der eigenen Forschung hilfreich sein, vor allem im Bereich der Rechtsvergleichung oder, wie in meinem Fall, im Völkerrecht. Möglich ist es auch, Seminararbeiten und eventuell die LL.M.-Thesis am Thema der Doktorarbeit auszurichten, so dass hier nicht zu vernachlässigende Synergieeffekte entstehen.

Was waren deine Gründe für die Entscheidung für ein LLM-Studium?

Maßgeblich für mich war vor allem die Möglichkeit der weiteren Qualifizierung in meinem Spezialgebiet, dem Völkerrecht. Die NYU, die ich schließlich für mein LL.M.-Studium gewählt habe, ist in diesem Bereich eine der führenden Lehr- und Forschungsanstalten weltweit. Unabhängig vom Rechtsgebiet halte ich jedoch auch den Einblick in die Denk- und Argumentationsweise in einem Common Law-Land als äußerst wichtig in einer sich zunehmend globalisierenden Welt, die darauf angewiesen sein wird, dass gegenseitiges Verständnis und Einfühlungsvermögen für fremde Rechts- und Sozialordnungen und nationale Befindlichkeiten besteht. Diese unmittelbaren Gründe werden schließlich durch Verbesserung der englischen Sprachkenntnisse, das Erlernen des Umgangs mit fremden Kulturen und verbesserte Zugangsmöglichkeiten zu bestimmten Berufen, vor allem im internationalen Recht (internationale Organisationen, etc.) ergänzt.

Nach welchen Kriterien hast du dir das Studienland ausgesucht? Gab es Alternativen?

Wenn man auf eine hochwertige und international anerkannte Ausbildung Wert legt, kommen meiner Meinung nach in erster Linie die USA und England in Betracht. Für bestimmte Spezialgebiete mag es Ausnahmen geben, generell ist aber die Ausbildungsqualität und der Ruf von LL.M.-Programmen z. B. in Südafrika oder Australien nicht vergleichbar mit Abschlüssen von Top-Universitäten in den USA und in England. England war für mich persönlich keine Alternative. Zum einen wollte ich lieber in den USA leben, zum anderen halte ich einen Aufenthalt in den USA auch für lohnenswerter, da die Vereinigten Staaten wirtschaftlich, kulturell und politisch einflussreicher und dementsprechend die Vernetzungsmöglichkeiten gerade im Hinblick auf meine spätere berufliche Laufbahn im Bereich des Völkerrechts besser sind als in England. Gerade in New York ist etwa der Kontakt zu internationalen Organisationen wie der UN leichter herzustellen als in England. Zusätzlich ist die juristische Forschung in den USA innovativer als anderswo.

Nach welchen Kriterien hast du dir die Uni ausgesucht? Gab es Alternativen?

Ausschlaggebend für mich war die Qualität der Professoren und der Ausbildung. Im Allgemeinen geben Universitäts-Rankings darüber gute Auskunft. Man sollte die Wahl der Universität allerdings in erster Linie von seinen individuellen fachlichen und beruflichen Plänen abhängig machen. Möchte man z. B. in die rechtswissenschaftliche Forschung in einem bestimmten Gebiet einsteigen, sollte man den Schwerpunkt bei der Auswahl auf das jeweilige Lehrpersonal legen. Wer hingegen den Einstieg in eine Großkanzlei sucht, sollte wahrscheinlich eher auf den allgemeinen Ruf der Law School Wert legen. Für meinen persönlichen Interessenschwerpunkt hatte die NYU das beste Angebot. Meine Alternativen, Harvard und Columbia, bei denen ich ebenfalls eine Zulassung erhalten habe, stehen im Internationalen Recht dagegen hinter dem Angebot und der Qualität der NYU zurück. Unabhängig von der Qualität der Ausbildung ist ein weiterer wichtiger Faktor auch der Studienort. Viele (auch äußerst gute) Law Schools in den USA liegen in ländlichen und weit abgelegenen Orten, die kein vergleichbares Kultur- und Freizeitangebot bieten wie New York oder andere amerikanische Großstädte. Schließlich sind auch die Kosten ein nicht zu vernachlässigender Faktor bei der Auswahl einer Universität. Auch wenn die Studiengebühren, mit Ausnahme einiger staatlicher Law Schools, meist keine großen Schwankungen aufweisen, so unterscheiden sich die Lebenshaltungskosten erheblich. Ob dies ein Faktor ist, der bei der Auswahlentscheidung eine Rolle spielen sollte, ist wiederum anhängig von der beruflichen Perspektive. Wer beispielsweise nach dem LL.M.-Studium den Einstieg in eine Großkanzlei anstrebt, kann angesichts der guten Einstiegsgehälter den Kostenfaktor eher vernachlässsigen und sollte allein aus diesem Grund keine zweitklassige Law School wählen, denn Kanzleien legen auf deren Renommee durchaus Wert.

Wie zufrieden warst du anschließend mit deiner Wahl?

Das Studium an der NYU hat meine Erwartung voll erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen. Überrascht war ich allerdings, dass das Studium einen sehr viel größeren Arbeitsaufwand erforderte als das Studium an deutschen Universitäten. Zwar ist der intellektuelle Gehalt nicht notwendigerweise höher, das Zeitpensum, das für das Lesen von Lehrbüchern und Fällen und das Schreiben von Papern und kurzen Kommentaren verwendet werden muss, ist jedoch wesentlich umfangreicher als in Deutschland. Auffallend ist zudem der im Vergleich zu Deutschland stärkere, interdisziplinäre Ansatz in der rechtswissenschaftlichen Ausbildung und Forschung.

Welche besonderen Herausforderungen hat dein Studienland mit sich gebracht?

Gewöhnungsbedürftig war vor allem das enorme Arbeitspensum. Das Leben und die kulturelle Eingewöhnung hingegen ist relativ einfach, vor allem wenn man wie ich bereits in der Schule ein Jahr Erfahrungsberichte in den USA verbracht hat. Anstrengend, vor allem in den ersten Monaten, war darüber hinaus das Leben in der Großstadt New York, in der ständig ein gewisser Grundlärm und eine Grundvibration durch den Verkehr herrscht.

Wie hast du das LL.M.-Studium finanziert?

Ich habe für mein LL.M.-Studium das Hauser-Stipendium der NYU erhalten, das sämtliche Studiengebühren von gut 37.000 Dollar übernommen hat und darüber hinaus ein Lebenshaltungsstipendium in Höhe von 20.000 Dollar mit sich brachte. Ein solches Stipendium zu erhalten ist jedoch angesichts der geringen jährlichen Stipendiatenzahl (ca. 7-10) schwierig. Die NYU hat allerdings, wie einige andere amerikanische Law Schools auch, neben dem Hauser-Programm zahlreiche weitere Stipendiumsprogramme, die vor allem die Last der Studiengebühren reduzieren. Eine Reduzierung der Studiengebühren (sog. „waiver“) um 10.000 Dollar oder mehr ist keine Seltenheit. Trotz dieser guten finanziellen Ausstattung musste ich wegen der hohen Lebenshaltungskosten in New York noch zusätzliche Mittel auftreiben. Über die Studienstiftung des Deutschen Volkes (ERPProgramm) und das Lovells-Stipendium, das ebenfalls über die Studienstiftung vergeben wird, habe ich aus Deutschland zusätzliche Unterstützung erhalten. Ursprünglich hätte das ERP-Programm 25.000 Dollar für Gebühren und 1.650 Dollar monatlich bezahlt; Lovells hätte in meinem Fall nochmals 10.000 Dollar an Gebühren übernommen. Diese Zahlungen sind jedoch wegen des amerikanischen Stipendiums reduziert worden. Informationen über das ERP-Stipendium sind auf der Internetseite der Studienstiftung (www.studienstiftung.de) erhältlich. Daneben unterhält der DAAD (www.daad.de) eine Stipendiendatenbank, die Aufschluss über verschiedenartige Förderungsprogramme gibt. Wichtig ist hier in jedem Fall eine frühzeitige Planung. In jedem Fall sollte man sich auch um Stipendien der jeweiligen amerikanischen Law Schools bewerben und vor der Zusage nochmals explizit nach einem (Teil-)Waiver der Studiengebühren fragen, vor allem wenn man Zusagen mehrerer Law Schools hat. Dadurch verbessert man seine Verhandlungsposition und stößt oft auf offene Ohren seitens der Law Schools.

Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten?

Die Lebenshaltungskosten in New York sind extrem hoch. Andere Städte in den USA sind erheblich billiger. Ich habe ca. 1.500 Dollar für ein Wohnheimszimmer bezahlt. Zusätzlich muss man sicherlich noch ca. 1.000 Dollar für Essen, Bücher, Weggehen, etc. rechnen. Gerade beim Wohnen kann man in New York allerdings erheblich sparen, indem man nicht in die Universitätswohnheime zieht, die nicht wie in Deutschland subventioniert sind, sondern sich privat ein WG-Zimmer sucht. Je weiter man von der Universität wegzieht, desto billiger werden die Zimmer. In Brooklyn, ca. 20-30 Minuten mit der U-Bahn entfernt, kann man WG-Zimmer ab 600-700 Dollar finden.

Wie bist du mit der Landessprache und den kulturellen Besonderheiten des Landes klar gekommen?

Da man, um in den USA zu studieren, ohnehin den TOEFL absolvieren muss, sollten kaum Probleme mit der Landesprache auftreten. Kulturelle Besonderheiten sind ebenfalls wenig vorhanden. Am stärksten bemerkbar macht sich dabei noch das Fehlen von gutem Brot und die generell geringe Qualität von Lebensmitteln. Auch die Interaktion in Konfliktlagen ist anders als in Deutschland. Insgesamt bereiten die USA in dieser Hinsicht allerdings wenig Schwierigkeiten.

Wie ging es für dich nach dem LL.M. weiter?

Ich werde zunächst meine Doktorarbeit im Völkerrecht abschließen und danach meinen weiteren Karriereweg in Angriff nehmen. Allerdings merkt man bereits während des LL.M.-Studiums, dass sowohl Kanzleien als auch Universitäten und Forschungsinstitute großes Interesse an einer Einstellung haben. Der LL.M. eröffnet viele, teils unerwartete Möglichkeiten.

Meinst du, dass sich das LL.M. Studium finanziell auszahlen wird?

Wegen meines Stipendiums, das den hohen Kostendruck eines LL.M.-Studiums in den USA gering gehalten hat, wird sich das LL.M.-Studium in jedem Fall finanziell auszahlen. Zu berücksichtigen ist nicht nur ein höheres Einstiegsgehalt, das alleine allerdings die Kosten des LL.M. kaum aufwiegen wird, sondern vor allem der Zugang zu bestimmten Berufen, den der LL.M. an einer amerikanischen Universität eröffnet. Die Einstellung in einer ausländischen, z. B. amerikanischen oder auch englischen Großkanzlei, in internationalen Organisationen, ausländischen Forschungsinstituten etc., ist ohne den LL.M. sehr viel schwieriger zu erreichen. Neben dem finanziellen Aspekt sollte man jedoch die persönlichen Erfahrungen, die man während des LL.M.-Studiums macht, nicht vernachlässigen. Sie stehen für mich selbst im Vordergrund und rechtfertigen allemal die Kosten des Auslandsaufenthalts. Das Studium in den USA ist insofern eine Investition in die eigene berufliche und private Zukunft und eröffnet Horizonte und Erfahrungen, die man in Deutschland nicht erleben würde.

Hast du nach dem LL.M.-Studium überlegt, in deinem Studienland zu bleiben?

Für mich persönlich steht vor allem die Art meiner künftigen beruflichen Tätigkeit, weniger hingegen der Ort oder das Land im Vordergrund. Nur um in den USA weiterleben zu können, würde ich daher keinen Job annehmen, der meinen beruflichen Vorstellungen nicht entspricht. Allerdings werde ich zunächst in den USA bleiben, um dort meine Doktorarbeit zu Ende zu schreiben. Bewusst muss man sich bei einer Entscheidung, in den USA zu bleiben, allerdings machen, dass parallele Karrieren in Deutschland und den USA schwierig zu bewerkstelligen sind und die Wechselmöglichkeiten nach einigen Jahren schwieriger werden könnten. Ein Experte im amerikanischen und gleichzeitig deutschen und europäischen Recht zu werden, wird angesichts steigender Komplexität zunehmend schwieriger. Gerade Anwaltskanzleien scheinen hier jedoch flexibler zu werden und erlauben den Wechsel zwischen verschiedenen Standorten und Ländern.

Würdest du dich für dasselbe LL.M.-Studium noch einmal entscheiden?

Ich würde mich jederzeit wieder für dasselbe LL.M.-Studium entscheiden. Es war persönlich und akademisch eine Herausforderung und eine unschätzbare Bereicherung. Es eröffnet mir neue Wege, hat mir interessante und wichtige neue Freundschaften und Kontakte beschert und wird meinen zukünftigen Lebensweg in jeder Hinsicht positiv beeinflussen.

Welche Tipps gibst du zukünftigen LL.M.-Studenten?

If you can make it there, you can make it anywhere... it’s up to you, New York, New York...

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