LL.M. an der Harvard Law School (2009)

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Erfahrungsbericht von Till Soyka

LL.M.-Erfahrungsberichte

Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.

  • Infos zu Vorbereitung, Auswahl und Finanzierung eines LL.M.-Studiums sowie weitere Infos zum Master of Laws bietet das Buch "Der LL.M.".


LL.M.-Finanzierung über Stipendien und Kredite

Nachdem ich mich für einen LL.M. in den USA entschieden hatte, stand ich wie viele andere vor der Frage: Woher das Geld nehmen? Trotz des zurzeit günstigen Wechselkurses sind die Programme in den USA mit die teuersten der Welt und anders als zum Beispiel in Großbritannien und Neuseeland bekommt man als Europäer keinen Nachlass auf die Studiengebühren. Je nach Universität muss man mit bis zu 40.000 Dollar Tuition zuzüglich der in der Nähe vieler bekannter Universitäten ebenfalls immens hohen Lebenshaltungskosten rechnen. Wer noch etwas reisen will, muss auch dafür einiges extra zur Seite legen. Insgesamt hat mich mein LL.M.-Jahr an der Harvard Law School ca. 60.000 Dollar gekostet. Viele meiner Kommilitonen haben noch erheblich mehr ausgegeben, insbesondere für ihre Wohnung.

Bei den meisten Universitäten gilt der Grundsatz, dass dort jeder angenommene Bewerber auch wirklich studieren können soll. Das bedeutet, dass die Finanzierung über Kredite weit verbreitet ist. Dabei lohnt sich jedoch schon im Vorfeld ein Vergleich mit möglichen deutschen Kreditgebern, da manche der amerikanischen Anbieter überraschend hohe Zinsen verlangen. Wer versuchen möchte, die Kosten tatsächlich zu reduzieren, sollte darüber nachdenken, sich auf einen Studiengebührenerlass zu bewerben. Bei der Entscheidung spielt die finanzielle Bedürftigkeit des Bewerbers eine zentrale Rolle. Seitenlange Formulare sind auszufüllen und umfangreiche Angaben zum eigenen Vermögen und dem der Eltern zu machen. Da bei Bewerbern aus Industrieländern eher davon ausgegangen wird, dass sie in Zukunft auch einen Kredit zurückzahlen können, ist die Hürde für einen (umfangreichen) Gebührenerlass nicht unerheblich.

Es lohnt sich daher, sich frühzeitig um deutsche Stipendien zu kümmern. Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Gebern und Programmen. Zu nennen sind vor allem die über die Studienstiftung ausgeschriebenen ERP-, Haniel- und Bucerius-Jura-Programme. Aber auch der DAAD vergibt spezielle LL.M.-Stipendien. Neben sehr erheblichen Studiengebührenzuschüssen werden oft auch großzügige Lebenshaltungskostenstipendien gewährt. Wichtig ist, dass man auch hier rechtzeitig mit der Planung anfängt und den Aufwand nicht unterschätzt. Die Bewerbungsfristen laufen zum Teil schon früher ab als die so mancher US-Uni. Das bedeutet, dass man für viele Stipendien bis spätestens Mitte November alle Unterlagen zusammen haben sollte, wenn man im darauf folgenden Sommer das Programm beginnen möchte. Neben den üblichen Bewerbungsmaterialien kann vor allem die Begründung und Darstellung des Studienvorhabens viel Zeit in Anspruch nehmen. Außerdem sind i. d. R. noch einmal (deutsche) Gutachten von zwei Hochschullehrern nötig. Ich hatte das Glück, dass ich zwei Professoren fragen konnte, die mich gut kannten und dementsprechend binnen Rekordzeit alles fertig hatten. Sonst wäre alles etwas knapp geworden.

Wenn die schriftliche Vorauswahl geschafft ist, geht es in das mündliche Auswahlverfahren, das je nach Stipendium anders ausgestaltet ist. Beim DAAD führte ich ein 15 bis 20 Minuten langes Gespräch mit einer ganzen Gruppe von Professoren, die in möglichst kurzer Zeit alles zu meinem Studienvorhaben, bisherigen Werdegang, Engagement und meinen Zukunftsplänen wissen wollten. Das Auswahlverfahren für das ERP-Programm gestaltete sich im Vergleich aufwendiger. Zu zwei Terminen wurden ca. 70 Teilnehmer eingeladen, die das für die Studienstiftung typische zweitägige Verfahren durchliefen: zwei Einzelgespräche und vier Diskussionsrunden in einer Gruppe aus Prüflingen, wobei man auch einmal selbst vortragen darf. Dabei ist das Niveau der Bewerber durchweg sehr hoch. Viele Teilnehmer leben schon seit längerem in den USA, suchen noch eine Finanzierung für das letzte Jahr ihres PhD oder können von einer Auslandserfahrung nach der anderen berichten. Und auf den Mund gefallen ist keiner. Zudem ist das ERP-Programm, anders als das LL.M.-Stipendium des DAAD, nicht nur für Juristen, sondern steht auch anderen Fachrichtungen offen. Es kann also leicht passieren, dass man sich plötzlich in einer volkswirtschaftlich geprägten Diskussion wiederfindet. Von alledem sollte man sich aber nicht abschrecken lassen und dennoch sein Glück versuchen. Das Verfahren selbst ist schon eine spannende Erfahrung. Wenn es dann mit der Förderung klappt, ist es natürlich umso schöner. Besonders verlockend am ERP-Programm ist schließlich die große Zahl an Ergänzungsstipendien für Juristen, die an die bestbewerteten Stipendiaten vergeben werden und zusammen mit der ohnehin schon großzügigen Grundförderung dann die vollen Studiengebühren und Lebenshaltungskosten nebst Startgeld und Reisekosten abdecken. Die genauen Fördersummen der jeweiligen Stipendien sind auf den Internetseiten des DAAD und der Studienstiftung zu finden.

Wenngleich mehrere Bewerbungen erfolgreich waren, empfiehlt es sich, sich bei den Stipendiengebern nach der Kombinierbarkeit zu erkundigen, bevor Angebote wegen Überförderung abgelehnt werden. Bei mir hat sich herausgestellt, dass die ERP-Förderung samt eines ergänzenden Stipendiums des German Harvard Clubs neben dem Stipendium des DAAD möglich ist. Selbstverständlich werden die meisten Posten angerechnet, sodass ich im Endeffekt „nur“ noch Versicherungsleistungen über den DAAD bezogen habe. Wer schließlich die Kosten ganz oder teilweise selbst finanzieren muss, sollte sich über die Details der steuerlichen Absetzbarkeit der Studiengebühren erkundigen, um diese so wenigstens nachträglich einkommensmindernd geltend zu machen (besonders aufschlussreich etwa BFH, Urt. v. 22.07.2003, VI R 4/02).

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