LL.M. an der Columbia Law School New York City
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Erfahrungsbericht von Orly Leventer
New York – The City that Keeps You Sleepless
Wie für viele meiner Studienkollegen stand auch für mich schon lange vor dem Ersten Staatsexamen fest, dass ich nach der letzten Prüfungsetappe – der mündlichen Prüfung – ins Ausland gehen wollte. Das Ziel sollte weit weg sein, was die beste Voraussetzung sein würde, um neue Menschen kennenzulernen und unbekanntes Terrain zu betreten. Meine Wahl fiel auf die USA, genauer New York City. Für mich barg diese Stadt schon immer etwas Faszinierendes, etwas Pulsierendes, etwas, das ich selbst erleben wollte. So begann ich, gleich nach Bestehen des Ersten Staatsexamens, meine Bewerbungen vorzubereiten. Grundsätzlich empfehle ich jedem, sich bereits ca. ein Jahr vor Ende des Ersten Staatsexamens um die LL.M.-Bewerbung zu kümmern. Einsendeschulss ist nämlich meist Ende November/Anfang Dezember. Bei mir war die Zeitplanung etwas anders, da ich zwischen Erstem Staatsexamen und LL.M.-Studium noch ein Praktikum bei einer Anwaltskanzlei in New York gemacht habe.
LL.M.-Erfahrungsberichte
Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.
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Diese Bewerbung braucht vor allem eines: Ein überzeugendes Anschreiben (Essay). Hat man sich eben noch mit den Tiefen des Hypotheken-, Gesellschafts- und Baurechts befasst, muss man nun versuchen, in sich zu gehen und zu erklären, warum man eine bestimmte Law School besuchen will und gerade dort seinen LL.M. machen möchte. Dies bedeutete für mich: Weg vom förmlichen Subsumieren und hin zu einem sehr persönlichen Aufsatz über meine Ziele, Ideale und Wünsche für die Zukunft. Manche Law Schools forderten zudem eine Auseinandersetzung mit einem juristischen Problem jedweder Art. Hat man aber die Bewerbung endlich abgeschickt, ist eine große Hürde geschafft. Dann nämlich muss man nur noch eines haben – und das ist Glück, um an einer der Law Schools angenommen zu werden. Ich rate jedem, sich an mehreren Law Schools zu bewerben; auch wenn die Bewerbungsgebühren oft um die 100 US-Dollar betragen. So ist jedoch die Wahrscheinlichkeit wesentlich größer, einen LL.M.-Studienplatz zu bekommen. Nach der Zusage der Columbia Law School verging die Zeit wie im Flug. War ich also eben noch im Examensstress, befand ich mich kurze Zeit später schon auf dem Broadway, Höhe 116. Straße.
Die Qual der Wahl
Noch bevor man sich gen USA verabschiedet, muss man von seinem Heimatland aus seine Kurse für das erste von zwei Semestern wählen. Dabei hat man an der Columbia absolut freie Wahl, solange man auf eine bestimmte Anzahl von Credits kommt. Man benötigt 24 Credits, um den LL.M. zu absolvieren, d. h. eine bestimmte Anzahl von Semesterwochenstunden, die im Voraus für jeden einzelnen Kurs festgelegt sind.
An dem LL.M.-Programm der Columbia Law School hat mir besonders gut gefallen, dass man selbst freie Hand hat. Es handelt sich nicht um einen LL.M. in einem speziellen Rechtsgebiet. Betrachtet man das Kursangebot, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es werden unzählige Kurse angeboten, unter anderem auch sehr ausgefallene und spezielle, wie zum Beispiel Animal Law. Aber auch, wenn man seinen persönlichen Schwerpunkt in eher konventionellen Rechtsgebieten wie beispielsweise Finanzmarktrecht, Gesellschaftsrecht, Recht des geistigen Eigentums oder Völkerrecht setzen will, hat man eine exzellente Auswahl mit äußerst renommierten Professoren und Praktikern. Ich selbst habe mir Kurse im Gesellschaftsrecht, Bilanzrecht und Urheberrecht ausgesucht. Zudem gibt es sogenannte Clinics und Externships, in denen man äußerst praxisnah und projektbezogen das US-amerikanische Recht kennenlernt und schnell Erfahrung sammelt. Im zweiten Semester habe ich einen Platz in einem Arts Law Externship bekommen, in dem man – neben dem wöchentlichen Seminar – bei einer Stiftung arbeitet, die Künstlern kostengünstig Rechtsbeistand leistet.
"Man muss sich einfach an wenig Schlaf gewöhnen"
Gleich am Einführungstag haben wir 228 Neuankömmlinge von einem ehemaligen LL.M.-Studenten einen gut gemeinten Rat bekommen: „Man muss sich einfach an wenig Schlaf gewöhnen, dann ist das alles kein Problem“. An diesem Rat ist mehr Wahres, als ich zunächst glauben mochte. Besonders als deutscher Jurist verfällt man gerne dem (Irr-)Glauben, dass einen das Erste Staatsexamen so abgehärtet hat, dass alles, was jetzt kommt, ein Kinderspiel sein wird. Dem ist jedoch nicht so. Im LL.M.-Studium wird verlangt, eine selbst für einen deutschen Jurastudenten präzedenzlose Anzahl von Seiten zu lesen. Gerne wird man vom Professor auch ohne Aufzeigen zu Wort gebeten. Ja, auch wenn man "nur" LL.M.-Student ist. Besonders zu Beginn des LL.M.-Studiums kann das Lesen und Verstehen der Gerichtsentscheidungen und sonstigen Texte mehrere Stunden beanspruchen, oft bis tief in die Nacht. Aber dies gehört zum Jurastudium an einer US-amerikanischen Law School dazu, und man gewöhnt sich daran schneller, als anfangs für möglich gehalten.
Hinzu kommt der in NYC und an der Columbia nicht zu übertreffende Freizeitspaß. Rund um die Columbia Law School und natürlich im restlichen Manhattan und Brooklyn gibt es mehr zu erkunden, als man in einem Jahr sehen und erleben kann: Kultur, Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Bars. Hinzu kommen die Aktivitäten, die von den zahlreichen Law-School-Vereinigungen angeboten werden, sowie Vorträge, zu denen die Law School einlädt. Schnell merkt man auch, dass man sich als Deutsche(r) von Mitstudenten anderer Kulturen und Nationen einiges abgucken kann, zum Beispiel was die Feierlaune und -ausdauer anbelangt. Das Jahr an der Columbia war eine unvergessliche Zeit, in der ich viel Wissen, viele neue Freunde und viele neue Erfahrungen gesammelt habe. Man lernt Neues über New York, über Menschen aus den über 50 vertretenen Ländern und zu guter Letzt vor allem über sich selbst. Auch wenn das LL.M.-Jahr nicht das günstigste ist, es ist in jedem Falle unbezahlbar.
