LL.M. am King's College 2009/2010
LL.M.-Erfahrungsberichte
Welcher LL.M. ist der richtige für mich? In der Rubrik "LL.M.-Erfahrungsberichte" berichten LL.M.-Absolventen von Australien bis Südafrika von ihrer Erfahrung.
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Inhaltsverzeichnis |
Studienbeschreibung
Im Studienjahr 2009/2010 habe ich am King’s College in London (KCL) die Module für einen Master in European Law besucht und hoffentlich erfolgreich absolviert. Die Ergebnisse der Klausuren und des Research Essays stehen noch aus und werden voraussichtlich im November 2010 bekannt gegeben.
Allgemeine Bemerkungen zum Studiengang
Das Studienjahr besteht aus drei "Terms", wovon nur in den ersten beiden "Terms" reguläre Vorlesungen stattfinden. Der erste "Term" dauert bis zu den Weihnachtsferien, der zweite "Term" endet mit dem Beginn der Osterferien. Der dritte "Term" ist vorlesungsfrei und endet mit dem letzten offiziellen Klausurtermin im Juni. Allerdings finden in diesem Zeitraum die sog. "Revisions" (also Vorbereitung auf die Klausuren) statt, wozu auch noch ein bis zwei zusammenfassende Vorlesungen pro Fach zählen. Diese Vorlesungen sind extrem nützlich, weil sehr oft der Prüfungsstoff erheblich eingegrenzt wird und wertvolle Hinweise zu den anstehenden Klausuren gegeben werden.
Das LL.M. Programm am King’s College ist wie folgt aufgebaut. Insgesamt benötigt man 180 Credits für den LL.M.:
- 20 Credits für den obligatorischen "Legal Skills Course" (im ersten Term)
- Entweder 20 Punkte für den Research Essay (7.500 Wörter) oder 40 Punkte für eine Dissertation (15.000 Wörter).
- Full-Modules werden jeweils mit 40 Credits angerechnet und laufen über den ersten und zweiten Term.
- Half-Modules werden mit 20 Credits angerechnet und laufen entweder im ersten oder im zweiten Term.
Neben einem General LL.M. ist auch eine Spezialisierung in 14 Bereichen möglich. Da sich jedes Jahr das Angebot ändert, sollte man sich vor Studienbeginn auf der Internetseite des KCL informieren. Im Studienjahr 2009/2010 wurden ca. 100 Module angeboten. Teilweise finden einige Module in Kooperation mit anderen Londoner Universitäten statt.
Meine Wahl der Module sah wie folgt aus:
- 20 Credits für den obligatorischen "Legal Skills Course"
- 20 Credits für den Research Essay in "EC Environmental Law"
- 40 Credits für Full-Module "EC Competition Law" (Prof. Richard Whish)
- 40 Credits für Full-Module "EC State Aid" and (Prof. Andrea Biondi)
- 40 Credits für Full-Module "EU Administrative Law" (Dr. Alexander Türk)
- 20 Credits für Half-Module "EC Environmental Law" (Charles George QC, Robert McCracken QC, James Pereira)
Erstmalig im Studienjahr 2009/2010 wurde angeboten, dass man einen Sprachkurs als Teil des LL.M. besuchen kann und hierfür 20 Credits angerechnet bekommt. Ich selbst habe diese Möglichkeit nicht wahrgenommen, doch hat ein befreundeter Kommilitone aus Frankreich einen Deutschkurs belegt. Der Erfolg in der doch recht kurzen Vorlesungszeit ist freilich überschaubar.
Zusätzlich wurden nicht anrechenbare Sprachkurse in Englisch für ausländische Studierende angeboten. Ich selbst habe zwei Kurse zum akademischen Schreiben besucht.
Grundsätzlich kann ich nur dazu raten, dass man sich auf 180 Credits beschränkt und recht zügig seine Fächer wählt, was in den ersten drei Wochen theoretisch zu erfolgen hat, praktisch aber auch noch einige Wochen später möglich war, allerdings dann der Billigung des Programm Direktors (momentan Dr. Alexander Türk) am KCL bedarf. In einem mir bekannten Fall klappte der Wechsel in ein Modul selbst noch im Februar.
Bei der Wahl sollte auch bedacht werden, dass für jedes Modul eine Klausur anzufertigen ist. Wer also mehrere Halbmodule belegt, muss dementsprechend mehr Klausuren schreiben. Taktisch klug wählt man demnach nur drei Vollmodule und ein Halbmodul bei einem Research-Essay bzw. drei Vollmodule bei einer Dissertation.
Die Klausurtermine waren alle zwischen Ende Mai und Anfang Juni, so dass man beispielsweise auch die Klausur für ein Half-Module, das im ersten Term stattfand, in diesem Zeitraum schrieb. Es sei darauf hingewiesen, dass die Klausurtermine unter Umständen extrem ungünstig für den einzelnen Studierenden liegen können. Teilweise hatten Kommilitonen innerhalb von 48 Stunden drei (!) Klausuren anzufertigen. Dies war aber die Ausnahme. Die Verwaltung hat sich in solchen Fällen als überhaupt nicht kooperationsbereit gezeigt.
Alle Klausuren müssen bestanden werden. Eine Klausur ist ab 50% bestanden ("Pass"), ab 60% gibt es ein "Merit" und ab 70% fängt die "Destinction" an. Die gleichen Bewertungsmaßstäbe gelten für die "Dissertation" resp. den "Essay". "Destinction" ist eher selten und entfällt wohl nur auf 10% aller Studenten. Die Durchfallquote liegt wohl bei ca. 10-15%.
Die Klausuren sehen zumeist wie folgt aus: Aus bis zu acht Fragen sind drei zu beantworten. Regelmäßig umfasst der Fragenkatalog sog. "Essay Questions" und "Problem Questions". Die erst genannte Kategorie ist von der Aufgabenstellung am ehesten einer Seminararbeit im deutschen Studium vergleichbar. Die "Problem Questions" entsprechen einer Fallbearbeitung. Zumeist sind die Klausuren dreistündig für Vollmodule, zweistündig oder mehr für Halbmodule. Es werden regelmäßig Klausuren aus den vorangegangenen Jahren zu Übungszwecken zur Verfügung gestellt.
Die Klausuren sind entweder "closed book", "limited open book“ oder "open book". "Closed book" bedeutet, dass keinerlei Hilfsmittel erlaubt sind. "Limited open book" meint, dass nur unmarkierte Gesetzestexte für die Klausur erlaubt sind. Bei "open book" Klausuren dürfen alle Aufzeichnungen und Bücher während der Bearbeitung verwendet werden.
Meine Module im Einzelnen
Einen guten allgemeinen Einstieg in das englische Studium der Rechtswissenschaften bietet "lanville Williams: Learning the Law" von A.T.H. Smith, 13th ed. Sweet&Maxwell 2006. Das Buch enthält allerlei praktische Hinweise für das Studium.
EC Competition Law
Die Vorlesung behandelte die drei Hauptthemen des europäischen Wettbewerbsrechts: "Art. 101 TFEU", "Art. 102 TFEU" und „Mergers".
Die zweistündige Vorlesung von Prof. Whish fand jede Woche statt, dazu gab es ein zweistündiges Tutorium, das alle zwei Wochen von David Bailey abgehalten wurde. Die Vorlesung diente der Vermittlung des (theoretischen) Stoffs, im Tutorium, was am ehesten mit einer Arbeitsgemeinschaft vergleichbar ist, wurden "Problem Questions" besprochen. In das Tutorium sollte man nur gehen, wenn man den Fall vorbereitet hat.
Darüber hinaus fand jeden Donnerstagabend eine weitere Vorlesung statt, deren Besuch freiwillig war. In diesen Vorlesungen wurden aktuelle Themen von renommierten Dozenten oder Praktikeren behandelt.
Prof. Whish empfahl sein Buch zum Wettbewerbsrecht und das Buch von Alison Jones und Brenda Suffrin. Auch wenn der Umfang des letztgenannten Buchs abschreckend wirken mag, kann ich es wirklich nur empfehlen.
Der durchschnittliche Arbeitsaufwand für die Vorlesungsvorbereitung betrug ca. einen Tag.
Die Klausur umfasste drei Zeitstunden und war "open book". Es musste mindestens eine "Essay Question" und mindestens eine "Problem Question" bearbeitet werden. Die Wahl der dritten Aufgabe war frei, wobei aber aus Zeitgründen zu einer weiteren „Essay Question“ geraten werden kann.
Eine Eingrenzung des Prüfungsstoffs fand überhaupt nicht statt, es konnten aber durch die Klausuren aus den Jahren zuvor einige Rückschlüsse gezogen werden.
Abschließend lässt sich sagen, dass dieses Modul nicht nur interessant, sondern auch sehr lehrreich war, zumal ich keinerlei Vorkenntnisse in diesem Bereich hatte. Competition Law stellt neben dem Europarecht nicht umsonst einen der renommiertesten Bereiche am King’s College dar.
EU Administrative Law
Die zweistündige Vorlesung von Dr. Alexander Türk umfasste die Kerngebiete des Europäischen Verwaltungsrechts, worunter beispielsweise "Comitology", "Agencies" oder "Open Method Coordination" fallen.
Das Buch von Paul Craig zum EU Administrative Law ist das derzeitige Standardwerk. Eine wirkliche Alternative stellte sich nicht.
Der durchschnittliche Arbeitsaufwand für die Vorlesungsvorbereitung betrug ca. einen Tag.
Die Klausur umfasste drei Zeitstunden und war "limited open book". Der Prüfungsstoff wurde eingegrenzt. Es wurden acht Themenblöcke aus der Vorlesung genannt, so dass man sich zielgerichtet auf drei Themen vorbereiten konnte.
Insgesamt handelte es sich um eine sehr interessante Vorlesung mit einem hohen fachlichen Erkenntnisgewinn.
EC State Aid
Auch EC State Aid von Prof. Andrea Biondi war ein zweistündige Vorlesung. Der erste Teil bis Weihnachten wurde von Prof. Biondi gehalten, der Rest der Vorlesung größtenteils von "Vsiting Professors", worunter insbesondere Robin Griffith und Prof. José Buendia-Sierra zu erwähnen sind.
Ein Lehrbuch nur zu diesem Thema gibt es nicht. Oftmals wird dieser Themenblock in einem Kapitel eines Buchs zum Wettbewerbsrecht dargestellt. Das Buch von Alison Jones und Brenda Suffrin bietet ein Online-Kapitel. Dies ist ein guter Einstieg. Ansonsten wurde sehr viel Material von den Dozenten online zur Verfügung gestellt.
Der durchschnittliche Arbeitsaufwand für die Vorlesungsvorbereitung betrug ca. einen Tag.
Die Klausur umfasste drei Zeitstunden und war "limited open book". Der Prüfungsstoff wurde eingegrenzt. Genaue abgrenzbare Themenblöcke, wie beispielsweise in EU Administrative Law, wurden nicht genannt. Es wurde auf besonders wichtige Entscheidungen hingewiesen, sowie auf nützliches Lernmaterial aufmerksam gemacht.
Abschließend muss ich sagen, dass dies das schlechteste Modul in meinem Fächerkanon war und ich mir um diese Klausur auch die größten Sorgen gemacht habe. Der fachlich über alle Zweifel erhabene und wirklich sympathische Prof. Biondi hatte teilweise sichtlich kein Interesse an der Vorlesung. Woran dies lag, kann ich leider nicht sagen. Die Vorlesung wirkte insgesamt unstrukturiert. Dieser Eindruck wurde auch von vielen Kommilitonen geteilt. Erschwerend kam hinzu, dass die Vorlesung mehrmals ausgefallen ist, die Stunden aber auch nicht nachgeholt wurden. Wirkliche Lichtblicke waren hier die "Visting Professors" Robin Griffith und Prof. Buendia-Sierra. Wer sich für die zweifelsfrei interessante Thematik begeistern kann, sollte diesem Modul dennoch eine Chance geben.
EU Environmental Law
Dieses Modul wurde von drei „Barristers“ gehalten und fand im Francis Taylor Building nahe des "Strand" Campus statt. Alle drei Dozenten waren hochmotiviert, erwarteten aber auch stetige Mitarbeit der Studierenden. Gegenstand der Vorlesung waren unter anderem das Europäische Biodiversitäts-, Abfall- und Immissionsschutzrecht.
Als Buch kann ich "Environmental Law" von Stuart Bell und Donald McGillivray empfehlen.
Der durchschnittliche Arbeitsaufwand für die Vorlesungsvorbereitung betrug ca. zwischen einem und zwei Tagen. Die „Reading-Lists“ waren wirklich umfangreich. Die Kenntnis der angegebenen Urteile wurde von allen Dozenten erwartet.
Die Klausur umfasste zwei Zeitstunden und 15 Minuten und war "limited open book". Der Prüfungsstoff wurde nicht genau eingegrenzt, lediglich die Themenblöcke waren bekannt.
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass dies das arbeitsintensivste Modul für mich war, obwohl ich Vorkenntnisse in der Materie hatte. Dieses Modul kann ich nur jedem wärmstens empfehlen, der sich für die Thematik interessiert.
Research Essay in EU Environmental Law
Thema des anzufertigenden Essays aus dem Bereich der Biodiversität war: "Do Directives 79/409 and 92/43 provide an adequate legal framework to prevent the deterioration of natural habitats and the habitats of species, as well as disturbance of species deserving of protection, and why has their full implementation at national level proved so slow and controversial?" Umfang der Bearbeitung waren 7.500 Wörter für den Textteil, was die Fußnoten miteinschloss.
Der Entwurf des Research Essays mit 1.500 Wörtern, der bis Mitte Januar einzureichen war, galt als Leistungsnachweis für den "Legal Skills Course". In dem Entwurf mussten auch fünf annotierte Quellen beschrieben werden, sowie einige weitere Literatur zum Thema angegeben werden, die in der Bearbeitung Berücksichtigung finden sollte.
Abgabetermin für die Dissertation bzw. den Research Essay war der 1.September 2010.
Ich selbst habe unmittelbar nach meinen Klausuren mit der Anfertigung des Essays begonnen. Die 7.500 Wörter entsprechen ca. 25 bis 30 Druckseiten. Innerhalb von drei Wochen sollte eine (hoffentlich) angemessene Bearbeitung des Themas gelingen. Für eine Dissertation mit 15.000 Wörtern ist entsprechend mehr Zeit einzuplanen.