Erfahrungsbericht - studentische Unternehmensberatung OSCAR
Ein Erfahrungsbericht von Nadine Weber
Studium des M.Sc. in International Business
University of Maastricht
Inhaltsverzeichnis |
Studentische Unternehmensberatung – eine gute Alternative
Erfahrungsberichte aus der Unternehmensberatung
Wie ist es wirklich in der Unternehmensberatung? Und wie komme ich da rein? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Unternehmensberatung" von ihren Erfahrungen. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung". |
Nach einem umfangreichen Kurs „Consultancy Project“ in meinem Bachelor-Studium, in dem vier Kommilitonen und ich die BBC beraten mussten, wollte ich unbedingt einmal an einem „richtigen“ Beratungsprojekt mitarbeiten. Trotz Angeboten von namhaften Beratungen habe ich mich für die kleinere, studentische Unternehmensberatung OSCAR entschieden. Ich wollte als vollwertige Projektmitarbeiterin anerkannt werden, mit dem Kunden im engen Kontakt arbeiten und mich mit wirklich anspruchsvollen Tätigkeiten auseinandersetzen. Nur „behind the scenes“ Recherche zu machen, reizte mich nicht.
In einem Team von drei Studenten haben wir eine große deutsche Baufirma unterstützt. Unsere Aufgabe war es, herauszufinden, welche industrienahen Dienstleistungen in der Zukunft immer mehr outgesourct werden würden. Hierzu haben wir Experten aus verschiedenen Industriebranchen interviewt, um eben das Marktpotenzial innovativer Dienstleistungen des produzierenden Sektors zu ermitteln. Mit diesen Informationen haben wir einen umfangreichen Fragebogen konzipiert, der an über 1000 Industrieunternehmen in Deutschland geschickt wurde. Anschließend haben wir die ausgefüllten Fragebogen ausgewertet und Markttrends sowie Handlungsempfehlungen für den Kunden herausgearbeitet.
Ein geregelter Tagesablauf – eher nicht!
Das Praktikum lief insgesamt über sieben Monate, und monoton wurde es nie. Jede Woche mussten wir neue Aufgaben erledigen. Ich habe nie aufgehört, dazuzulernen. Ich musste mich mit dem Programmieren von Internetseiten auseinandersetzen sowie mit SPSS. Dadurch, dass wir über keine Datenbanken verfügten, war einiges im Projekt mit reiner Internetrecherche verbunden.
Die Atmosphäre bei OSCAR fand ich auch sehr angenehm. Obwohl jeder Student mit seinem Projekt beschäftigt war, gab es immer einige, die sich auf bestimmten Gebieten sehr gut auskannten und den anderen geholfen haben. So kam es auch, dass ein Berater von einem anderen Projekt an einem Freitagabend freiwillig ins Büro gekommen ist, um mir die Grundlagen von SPSS beizubringen – obwohl es nicht seinem Aufgabengebiet zugeordnet war. Einige Wochen später konnte ich mich sogar selbst als kleine SPSS-Expertin bezeichnen.
Für wen ist die studentische Unternehmensberatung geeignet?
Wer denkt, dass eine studentische Unternehmensberatung nur Spaß und keine Arbeit mit sich bringt, der wird schnell eines Besseren belehrt. Öfters – vor allem kurz vor Abgabeterminen – war es nicht unüblich, eine Woche lang bis Mitternacht im Büro zu sitzen. Es war ernüchternd – obwohl die Arbeit auf der einen Seite Spaß machte und abwechslungsreich war, musste man damit rechnen, dass die eine oder andere Verabredung ausfallen musste – wegen der Arbeit. Daher war es sehr wichtig, dass man mit seinen Teamkollegen gut klarkam.
Wer lieber alleine arbeitet und auf die Meinungen von anderen keinen Wert legt, ist bei studentischen Unternehmensberatungen wie OSCAR nicht gut aufgehoben. Mein Team und ich waren öfters sehr unterschiedlicher Meinung, aber das hat dem Projekt und mir selbst sehr geholfen. Ich habe gelernt, Probleme aus verschiedenen Perspektiven anzugehen. Wir kamen aus unterschiedlichen Fachrichtungen, was sich durchaus bemerkbar machte, sich aber auch als gute Ergänzung erwies.
Ich würde jedem ein Praktikum bei einer studentischen Unternehmensberatung wie OSCAR empfehlen, der harte Arbeit und eine steile Lernkurve nicht scheut. Man muss durchaus ein Team Player sein und darf keine Angst vor großen Herausforderungen haben. Ich habe gelernt, mich in Stresssituationen sehr gut zusammenzunehmen. Man ist in der Regel sehr auf sich alleine gestellt. Es gibt keinen Vorgesetzten, der einem sagt, was am Tag ansteht und bis zu welchem Zeitpunkt es gemacht werden muss. Projektmanagement, Zeitmanagement, Prioritäten setzen – in diesen Bereichen konnte ich viel für mein weiteres Leben mitnehmen.
Wie soll man sich auf Auswahlprozess vorbereiten?
Bei OSCAR muss jeder ein Assessment-Center durchlaufen. Es dauert einen Tag und man wird mit allerlei Aufgaben konfrontiert. Ich musste damals einige Gruppendiskussionen überstehen, ein kleines Gruppenprojekt durchführen sowie in einem Test mein logisches und kreatives Denken unter Beweis stellen. Hinzu kam ein persönliches Interview. Vorbereitet habe ich mich kaum – ich hatte noch nie an einem AC teilgenommen und wusste nicht so genau, was auf mich zukommt. Es hat sich aber herausgestellt, dass es vielleicht besser so war. Es gab damals einige Kandidaten, die genau wussten, dass die Übernahme der Rolle des Gruppenleaders von Vorteil ist – das allerdings allzu krampfhaft versuchten. Mein Rat ist deshalb: Sei so, wie du bist. Die Personaler durchschauen es sofort, wenn jemand versucht, sich zu verstellen. Auch die etwas ruhigeren Bewerber bekommen die Chance, mit ihrem Können zu überzeugen, wenn sie zwar mit wenigen, aber sinnvollen Kommentaren zu den Diskussionen beitragen.