Erfahrungsbericht - concept-center, Gründer einer Unternehmensberatung
Ein Erfahrungsbericht von Thomas Grädler und Stephan Meyer
Geschäftsführer, concept-center
Der Schritt in die Selbständigkeit
Erfahrungsberichte aus der Unternehmensberatung
Wie ist es wirklich in der Unternehmensberatung? Und wie komme ich da rein? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Unternehmensberatung" von ihren Erfahrungen. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung". |
„Aller Anfang ist schwer“ – das wusste schon der römische Dichter Ovid. In ganz besonderem Maße gilt dies für die Tätigkeit eines Existenzgründers in seinem neuen Unternehmen, welches auch als „Start-up“ bezeichnet wird. Man ist auf sich gestellt, eine 60- bis 70-Stunden- Wochenarbeitszeit ist das Normalste der Welt und die meisten Existenzgründungen scheitern bereits in den ersten 24 bis 26 Monaten: nicht gerade rosige Aussichten. Dem stehen jedoch auch viele positive Aspekte gegenüber. Eine freie Zeiteinteilung gehört ebenso dazu wie das Gefühl, sein „eigener Chef“ zu sein. Man braucht keine Hierarchien zu beachten und entscheidet selbst, welche Aufträge man annimmt und welche nicht.
Der kleine Unterschied zwischen Theorie und Praxis
Die wenigsten Existenzgründer verdienen sich schon nach den ersten beiden Jahren eine goldene Nase. Ganz im Gegenteil: Nicht selten stellt man sich die Frage, ob es nicht vielleicht doch besser gewesen wäre, eine Festanstellung zu bevorzugen. Sicherheit und eine geregelte Feierabendzeit gehören ganz sicher nicht zum Wortschatz eines Existenzgründers. Und auch wenn man viel im Studium und der Schule über Rechtsformen und die wirtschaftlichen Voraussetzungen einer sinnvollen Unternehmensgründung gelernt hat: Keine Vorlesung eines Professors ersetzt das Gefühl, vor einem Notar zu sitzen und seine Unterschrift unter den Gesellschaftsvertrag zu setzen. Kein Lehrbuch vermittelt das Gefühl, dutzende Behördengänge zu absolvieren und sich durch den Steuerwust zu kämpfen. Aber auch kein Erfahrungsbericht – auch nicht dieser – kann das unbeschreibliche Gefühl wiedergeben, wie es ist, für das eigene, für „sein Unternehmen“, zu arbeiten.
Selbständig machen, ja – aber womit?
Allerdings ist Selbständigkeit kein Wert an sich. Nur wer eine konkrete Vorstellung davon hat, welche Leistungen er nach der Existenzgründung anbieten möchte, wird Erfolg haben. Ein häufig begangener „Anfängerfehler“ von Existenzgründern ist der Irrglaube, mit seinem Start-up alle möglichen Leistungen anbieten zu können. Gerade im Dienstleistungssektor ist dies ein häufig anzutreff endes Phänomen.
„Wir machen Unternehmensberatung!“ – aber wofür?
Dabei hilft es auch nicht, wenn sich viele Existenzgründer auf Unternehmensberatung „spezialisiert“ wissen wollen. Letzteres ist schon fast ein Widerspruch in sich. „Unternehmensberatung“ ist ein so weit gespannter Begriff , dass darunter eine schier unglaublich große Anzahl an Dienstleistungen verstanden werden kann. Existenzgründer sollten nicht den Fehler machen, aus dem „Allround-Angebot“ der großen Beratungen wie McKinsey, der Boston Consulting Group oder Roland Berger den Schluss zu ziehen, dass auch sie ein „Mädchen für alles“ sein könnten, zumal nicht selten nicht nur die personellen, sondern auch die zeitlichen und materiellen Ressourcen dafür fehlen werden.
Man sollte wissen, wo die Reise hingeht, bevor man losläuft
Umso wichtiger ist es also zu wissen, auf welchem Gebiet man Dienstleistungen im Bereich der Unternehmensberatung anbieten möchte. Soll es eine Beratung hinsichtlich der Medienpräsenz eines Unternehmens sein? Oder möchte man seine Kunden eher bei der Einführung neuer Produkte oder der Erschließung neuer Märkte unterstützen? Die möglichen Dienstleistungen sind dabei genauso vielfältig, wie der Begriff der Unternehmensberatung unbestimmt ist. Hilfreich dürfte in jedem Fall, wie bei jedem anderen Start-up auch, die Erstellung eines Businessplanes sein, um sich selbst über die eigenen Ideen und deren Umsetzung ein klares Bild zu verschaffen. So wird man praktisch gezwungen, auch unliebsamere Eventualitäten in Betracht zu ziehen und erkennt möglicherweise schon frühzeitig den einen oder anderen Stolperstein. Wie bei anderen Berufswünschen gilt dabei auch bei der Wahl des eigenen Dienstleistungsangebots in der Unternehmensberatung, dass die eigenen Interessen und vor allem auch Stärken eine hervorgehobene Rolle spielen sollten. Letztendlich werden es jene Bereiche sein, in denen man über besondere Fertigkeiten und Wettbewerbsvorteile verfügt, die das neu gegründete Unternehmen zum Erfolg führen.
Die ersten Schritte
Hat sich das allzu breite Spektrum der Unternehmensberatung in diesem Sinne zu einem konkreten Leistungsangebot verdichtet und ist damit das „Was“ des eigenen Start-ups entschieden, folgen die notwendigen weiteren Entscheidungen der Unternehmensneugründung: Die Fragen nach weiteren Gründungsmitgliedern, der richtigen Rechtsform, des Gesellschaftssitzes und ähnlicher für alle Existenzgründungen relevanter Umstände sollten bereits frühzeitig in einem Businessplan eruiert worden sein, bedürfen aber jedenfalls jetzt einer Antwort. Hat sich damit die formale Gründung des neuen Unternehmens vollzogen, heißt es endlich „Feuer frei!“ für das operative Geschäft. Es gilt, die ersten Kunden zu akquirieren, die organisatorischen und personellen Rahmenbedingungen zu schaff en und sich in der großen, weiten Welt der Unternehmensberatung zu beweisen.
Allem Anfang wohnt ein Zauber inne
Und selbst wenn aller Anfang tatsächlich schwer ist, so gilt doch auch mit Hermann Hesse: „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Die Erfahrung aller Existenzgründer zeigt, dass dies nicht nur ein Gefühl des Anfangs ist. Wenn erst einmal die ersten Rechnungen versandt werden und schließlich die ausgehenden Rechnungen die eingehenden konstant decken, zeichnet sich ein unbeschreibliches Gefühl ab – das Gefühl, es geschafft zu haben.
Wenn man anderen Unternehmungen durch die eigenen Beratungsdienstleistungen zu einem besseren Ertragsergebnis verholfen, ja vielleicht sogar deren Überleben gesichert hat, weiß man, dass man die richtige Wahl getroff en hat.
Doch auch solche Gefühle sind nur ein Zwischenziel am Anfang eines langen Weges. Aber auch jeder Marathon beginnt immer nur mit den ersten Schritten und so heißt es auch hier, dass Ausdauer, Geduld und natürlich harte Arbeit die Grundvoraussetzungen für einen wirklichen nachhaltigen, langfristigen Erfolg als Existenzgründer im Bereich der Unternehmensberatung darstellen.