Erfahrungsbericht - Wüstenrot & Württembergische AG, Syndikus-Steuerberaterin

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Ein Erfahrungsbericht von Anke Schöttner

Syndikus-Steuerberaterin

Wüstenrot & Württembergische AG

Inhaltsverzeichnis

Tätigkeit als Steuerreferent und Syndikus-Steuerberater

Erfahrungsberichte von Juristen
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Welche Berufsfelder gibt es für Juristen? Referendare, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Perspektiven für Juristen" von ihren Erfahrungen.

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektiven für Juristen".

Die Tätigkeit in der Steuerabteilung eines Unternehmens drängt sich für Juristen vielleicht nicht auf, bietet dem Absolventen aber einen interessanten und abwechslungsreichen beruflichen Alltag, bei dem eine stetige Weiterentwicklung Voraussetzung und Möglichkeit ist. Ich selbst konnte in einem ersten Praxissemester Erfahrungen im Bereich Beratung sammeln und lernte sowohl die Arbeit mit Zahlen als auch die Beratungsbranche schätzen. Einer der Vorstände, Fachanwalt für Steuerrecht, ermutigte uns Praktikanten, im Steuerrecht tätig zu werden. Nicht zuletzt die Wahl der Vertiefungsrichtung Steuerrecht an der Hochschule und die unterrichtenden Dozenten aus der Praxis bestärkten mich in diesem Ziel.

Entscheidungskriterien für meine Berufswahl

Entscheidend für die letztendliche Wahl dieses Berufsbilds war die Möglichkeit, nach einiger praktischer Tätigkeit und der Absolvierung des Steuerberater-Examens auch als Diplom- Wirtschaftsjurist (FH) die Möglichkeit zu haben, selbstständig mit eigener Praxis tätig werden zu können. Zudem bietet das deutsche Steuerrecht dank des Gesetzgebers ein relativ krisensicheres Tätigkeitsfeld, sich stets abwechselnde Fälle und nicht zuletzt auch eine ansprechende Verdienstmöglichkeit. Durch den starken Einfluss des Europarechts auf die deutsche Gesetzgebung ist auch eine internationale Tätigkeit gut möglich. Reiz und Kehrseite der Tätigkeit liegen dafür aber auch manches Mal relativ dicht beieinander. Reizvoll ist es, sich mit einem ständig wandelnden Aufgabengebiet zu beschäftigen und auch politische Entwicklungen hautnah mitzuerleben; andererseits müssen aktuelle Änderungen stets zeitnah aufgearbeitet werden, um permanent auf dem Laufenden zu bleiben.

Meine Tätigkeit bei der Wüstenrot & Württembergische AG

Zu meiner derzeitigen Stelle kam ich über meine Diplomarbeit, die ich an einem praktischen Problem ausrichten wollte. Diese Möglichkeit bekam ich, einschließlich eines Folgevertrags, bei der Wüstenrot & Württembergischen AG (W&W AG), einem Finanzdienstleistungsunternehmen, welches 1999 aus der Fusion der Wüstenrot Bausparkasse und der Württembergischen Versicherung entstanden ist. Als Steuerreferentin bin ich zuständig für die Betreuung einiger Unternehmen unseres Konzerns, von der Steuerdeklaration über die grundsätzliche Beantwortung steuerlicher Anfragen bis zur Berechnung laufender und latenter Steuern in Quartals- und Jahresabschlüssen sowie Hochrechnungen und Planungen. Zusätzlich bearbeite ich als Grundsatzthema alle Fragen rund um das Investmentsteuergesetz.

Vor- und Nachteile der Arbeit als Syndikus-Steuerberater

Die Arbeit als Steuerreferent in einem Unternehmen bietet Absolventen aus meiner Sicht einen relativ angenehmen Einstieg. Sie können direkt in den Arbeitsalltag einsteigen und mit wachsender Berufserfahrung nach und nach mehr Verantwortung übernehmen. Dabei bildet das Unternehmen den Absolventen in den für die Branche spezifischen Bereichen und dafür notwendigen Kenntnissen aus. Ein Absolvent muss also nicht befürchten, schon alle spezifischen Finessen und Einzelheiten kennen zu müssen. Vorteil eines größeren Konzerns ist die Verknüpfung zu anderen Abteilungen. Man ist nicht nur auf die rechtliche Arbeit fixiert, sondern bekommt im Arbeitsalltag auch interessante Aspekte aus anderen Bereichen mit und ist teilweise in größere Projekte auch von Anfang an eingebunden. Nachteil ist, dass man, anders als in einer Kanzlei, eher auf ein Steuerrechtsgebiet festgelegt ist und nicht verschiedene Gebiete und Branchen bearbeiten kann. Angenehm an der Tätigkeit in einem Unternehmen im Vergleich zur Kanzlei sind eine aus meiner Sicht ausgeglichenere Work-Life-Balance und die soziale Absicherung. Nachteilig mag manch einem erscheinen, dass man sich in der Beratung als einzelner ggf. freier einbringen kann. Die Arbeit in einem Unternehmen bietet sich daher eher für Absolventen an, die gern im Team arbeiten, da oftmals Kollegen verschiedene Aufgabengebiete hauptsächlich betreuen und man für die tägliche Arbeit auf den Austausch des jeweiligen Know-how angewiesen ist. Allerdings erfolgt eine Spezialisierung im steuerlichen Bereich mittlerweile fast überall, da das gesamte Recht so umfangreich (geworden) ist, dass es von einer Person allein kaum mehr umfassend behandelt werden kann.

Für wen eignet sich die Tätigkeit im Steuerrecht?

Die Tätigkeit im Steuerrecht empfehle ich Absolventen, die gerne mit Zahlen arbeiten und denen auch analytische Arbeit Freude bereitet. Permanente Rechtsänderungen und die damit einhergehende Lektüre von Fachzeitschriften und Urteilen sollten den Interessenten nicht abschrecken oder stören. Will der Absolvent in einem Unternehmen tätig werden, empfiehlt es sich, sich neben dem juristischen Studium auch noch betriebswirtschaftliche Kenntnisse anzueignen. Deshalb ist dieses Aufgabengebiet meines Erachtens auch von besonderem Interesse für Wirtschaftsjuristen, da bereits der Studiengang die beiden Bereiche miteinander verknüpft. Zudem empfehle ich jedem, auch für die eigenen Karrierechancen, nach der vorgeschriebenen zweijährigen Berufserfahrung das Steuerberaterexamen abzulegen, auch wenn dieses wie die Vorbereitung hierauf neben dem Beruf eine Herausforderung bedeutet. Seit dem Frühjahr 2008 ist es auch möglich, als Syndikus-Steuerberater tätig zu werden, d. h. als Angestellter in einem Unternehmen zu arbeiten und dennoch den Titel tragen zu dürfen. Und wie überall gilt: Wer schon während des Studiums Praktika absolviert, kann frühzeitig Kontakte knüpfen, um bereits Ansprechpartner für die Bewerbungen nach dem Abschluss zu haben.

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