Erfahrungsbericht - Siemens Management Consulting, Berater
Ein Erfahrungsbericht von Dr. Jens Götz
Berater bei Siemens Management Consulting (SMC)
Als Physiker in die interne Unternehmensberatung Sechs Jahre Physikstudium und anschließend dreieinhalb Jahre Promotion. Da stellte sich natürlich die Frage: Was kommt nun? Bleibe ich in der Forschung? Versuche ich, ein Unternehmen für mich zu begeistern? In welcher Branche? Wo kann ich strategisch arbeiten? Kommt eine Beratung für mich in Frage?
Inhaltsverzeichnis |
Nach dem Studium: Zeit für etwas Neues
Erfahrungsberichte aus der Unternehmensberatung
Wie ist es wirklich in der Unternehmensberatung? Und wie komme ich da rein? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Unternehmensberatung" von ihren Erfahrungen. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung". |
Als Physiker habe ich natürlich eine deutliche Affinität zu technisch orientierten Fragestellungen. Nach meiner Arbeit in der Forschung habe ich jedoch etwas gesucht, bei dem ich neben technischen auch mit wirtschaftlichen Themen zu tun habe. Dabei schätze ich Aufgaben, bei denen es wichtig ist, strategisch zu denken und den Blick für das Ganze zu behalten. Gleichzeitig wollte ich an möglichst verschiedenen Projekten arbeiten können, um herauszufinden, wo meine Stärken liegen.
Während meiner Jobsuche habe ich zahlreiche Firmenprofile und Stellenausschreibungen studiert. Anfangs bewarb ich mich sowohl bei Beratungen als auch bei klassischen Industrieunternehmen. Dabei verfestigte sich jedoch schnell der Wunsch, innerhalb einer Beratung zu arbeiten. Hier finden sich die vielfältigsten Aufgabenbereiche, die Arbeit ist anspruchsvoll, fordernd und dabei extrem abwechslungsreich.
Alternative Beratung
Zu diesem Zeitpunkt entdeckte ich eine Anzeige der Siemens Management Consulting (SMC). Gesucht wurden Strategieberater für die interne Unternehmensberatung. Siemens ist ein weltweit agierender Konzern mit über 400.000 Mitarbeitern. Das Portfolio reicht von Leuchtdioden über Industriemotoren bis hin zu Kraftwerksturbinen und Labordiagnostik. Hier sah ich die Möglichkeit, meine vorhandenen fachlichen Kenntnisse einzubringen, mich aber gleichzeitig mit für mich völlig neuen wirtschaftlichen und strategischen Themen auseinanderzusetzen. Außerdem gefiel mir der Gedanke, Berater im eigenen Haus zu sein. Das bedeutet, dass meine Kunden auch gleichzeitig meine Kollegen sind. Der Gedanke, langfristig nachhaltige Ergebnisse im eigenen Unternehmen zu generieren als auch die Möglichkeit, jederzeit in eine Managementfunktion im Konzern wechseln zu können, gaben den Ausschlag, mich bei der SMC zu bewerben.
Die Interviews – fordernd und humorvoll
Die Einladung zum Vorstellungsgespräch kam prompt. Insgesamt prüften mich sieben verschiedene Interviewer in Einzelgesprächen auf Herz und Nieren. Welche Fachkenntnisse habe ich? Bin ich teamfähig? Wie gehe ich mit Stress um? Kann ich mich für eine Sache einsetzen und verliere auch bei Gegenwind nicht den Kurs?
Ich war insgesamt sehr beeindruckt: Alle meine Gesprächspartner waren extrem professionell und absolute Experten auf ihrem Gebiet. Gleichzeitig waren auch sie offen für neue Gedanken und mit viel Humor bei der Sache. Besonders hat mir gefallen, dass auch auf die menschliche Komponente geachtet wurde. Die diskutierten Fragestellungen waren spannend und anspruchsvoll, sodass ich mir am Ende des Tages schon eine gute Vorstellung davon machen konnte, wie der Arbeitsalltag bei der SMC aussieht.
Tatsächlich erhielt ich ein Angebot. Ich musste nicht mehr lange überlegen. Durch die zahlreichen intensiven Gespräche hatte ich so viele potenzielle Kollegen kennen gelernt, dass ich das Gefühl hatte: „Das passt.“
Der Sprung ins kalte Wasser
Mein erstes Projekt führte mich zu Power Generation, der Energieerzeugungssparte von Siemens. Zum Glück war zu Beginn des Projektes noch ein wenig Zeit, sodass mir der Projektleiter das nötige Handwerkszeug mitgeben konnte. Dann verging die Zeit wie im Fluge: Die kommenden Wochen war ich in der Regel von montags bis donnerstags mit dem gesamten Beraterteam von acht Leuten bei unserem Kunden vor Ort in Erlangen. Dazu kamen Tagesreisen nach Berlin und Mülheim sowie ein einwöchiger Aufenthalt mit meinem Kundenteam in Orlando. Langweilig war es nie.
Damals habe ich gemerkt, dass ich mir erst noch sehr viel Wissen aneignen musste. Oft kam ich aus einer Besprechung mit Kunden zurück und konnte kaum die ersten drei Fragen meines Projektleiters beantworten. Es fehlte mir noch das Geschäftsverständnis und so habe ich nicht an den richtigen Stellen nachgehakt, wenn etwas unklar war. Gemeinsam mit meinem Kundenteam von Power Generation gelang es jedoch, Fragestellungen innerhalb weniger Minuten zu lösen, für deren Beantwortung ich allein wahrscheinlich Wochen gebraucht hätte. Dadurch habe ich unwahrscheinlich viel gelernt.
Mein nächstes Projekt führte mich in die Konzernzentrale nach München. Hier ging es darum, die verantwortlichen Account Manager und ihre Teams, die die wichtigsten Siemens- Kunden betreuen, zu unterstützen. Für die Zentrale zu arbeiten, war natürlich sehr interessant. Zu sehen, wie ein globales Unternehmen mit über 400.000 Mitarbeitern gesteuert wird, erweitert noch einmal das Verständnis für den ganzen Konzern.
Eigentlich stand nun ein neues Projekt in Istanbul auf dem Plan, aber durch die Neustrukturierung von Siemens waren wir an anderer Stelle gefragt. Aufgabe war es, an der Neuaufstellung des gesamten Vertriebs der Siemens AG weltweit mitzuarbeiten. Eine Bündelung in 20 Ländercluster sollte dazu beitragen, den Vertrieb effizienter zu gestalten. Ein für den Konzern sehr entscheidendes Projekt, und es war zugegebenermaßen ein tolles Gefühl, bei so einem wichtigen Auftrag gleich zu Anfang dabei zu sein.
Office Day
An den Freitagen ist bei der SMC klassischer „Office Day“, d.h. während von Montag bis Donnerstag das Kundenprojekt im Vordergrund steht, ein Höchstmaß an Flexibilität erforderlich ist und sich die Tage im Vorfeld oft nicht planen lassen, sind wir freitags in unseren eigenen Büros. Dann ist Zeit für den Austausch mit Kollegen sowie für die eigene Fortbildung in Form von Workshops und Trainings. Beispielsweise hat man in so genannten „Client Service Teams“ die Möglichkeit, in der jeweiligen Branche Industriewissen aufzubauen. Bei mir bot sich durch mein erstes Projekt das Thema „Energy“ an. Beim nächsten Projekt im Energiebereich kann ich dann auf dieses Wissen aufbauen und muss mir nicht mehr erklären lassen, wie sich die grundlegenden Kraftwerkstypen voneinander unterscheiden.
Die Zukunft
Welches mein nächstes Projekt sein wird, weiß ich noch nicht, aber ich freue mich schon auf die neue Herausforderung. Mittlerweile arbeite ich seit über einem Jahr bei der Siemens Management Consulting und bisher glich noch kein Projekt dem anderen. Dadurch wird man immer wieder mit andersartigen Fragestellungen konfrontiert, sodass ich ständig dazulerne. Doch irgendwann kommt sicher auch der Zeitpunkt, an dem ich die SMC verlassen werde. Der Wechsel in eine Linienposition bei Siemens ist dann mit Sicherheit eine attraktive Option.