Erfahrungsbericht - Schutz der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen

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Ein Erfahrungsbericht von Michael Wiener

Human Rights Officer

Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte

Inhaltsverzeichnis

Schutz der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen

Erfahrungsberichte von Juristen
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Welche Berufsfelder gibt es für Juristen? Referendare, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Perspektiven für Juristen" von ihren Erfahrungen.

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektiven für Juristen".

Ein großer Teil der internationalen Schlagzeilen in Zeitungen, Internet oder Fernsehen befasst sich – entweder direkt oder indirekt – mit Menschenrechtsproblemen in verschiedenen Ländern sowie den Bemühungen der Völkergemeinschaft, die Menschenrechte zu schützen und zu fördern.

Das Amt des Hohen Kommissars für Menschenrechte

Die Vereinten Nationen haben eine Reihe von Institutionen und Prozeduren zum weltweiten Schutz der Menschenrechte entwickelt. So wurde beispielsweise 1994 das Amt des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte eingerichtet, das die menschenrechtlich relevanten Aktivitäten im gesamten System der Vereinten Nationen koordiniert. Außerdem engagiert sich das Hochkommissariat in der Menschenrechtsbildung, führt eigene Untersuchungen durch und betreut den Menschenrechtsrat, die Sonderberichterstatter sowie die Menschenrechtsvertragsorgane als deren Sekretariat. Sitz des Hochkommissariats ist Genf, zusätzlich ist das Amt an über 50 Orten weltweit mit eigenen Vertretungen oder Menschenrechtsberatern präsent bzw. integriert in die jeweiligen Friedensmissionen der Vereinten Nationen.

Der Reiz der Tätigkeit als Human Rights Officer

Die Tätigkeit beim Hochkommissariat ist angesichts der vielseitigen inhaltlichen Fragestellungen, der internationalen Arbeitsatmosphäre sowie diverser Vor-Ort-Besuche besonders reizvoll. Seit 2006 arbeite ich als Mitarbeiter von Sonderberichterstattern, die als unabhängige Experten vom Menschenrechtsrat für thematische Menschenrechtsfragen eingesetzt worden sind. Die Mandatsinhaber präsentieren ihre thematischen Berichte dem Menschenrechtsrat in Genf und der Generalversammlung in New York. Nach der Auswertung von Beschwerden und sonstigen Informationen übersenden sie sogenannte Einzelfallmitteilungen an die betroffene Regierung. Bei besonders eiligen Sachverhalten erfolgt dies in Form eines Dringlichkeitsappells. Außerdem besuchen die Sonderberichterstatter jedes Jahr mehrere Staaten, um vor Ort die Menschenrechtssituation im Rahmen ihres Mandates zu analysieren und der Regierung bzw. der internationalen Gemeinschaft konkrete Empfehlungen zu geben. Insbesondere die Vorbereitung und Durchführung dieser Vor-Ort-Besuche mit den Mandatsinhabern ist spannend, und die Gespräche mit Regierungsvertretern und NGOs erweitern sowohl den professionellen als auch den persönlichen Horizont erheblich.

Das Anforderungsprofil für Bewerber

Angesichts der Internationalität der Tätigkeit sind gute Fremdsprachenkenntnisse – insbesondere in einigen der sechs offiziellen Amtssprachen (Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch) – wichtig. Von großem Vorteil sind insofern fachspezifische Fremdsprachenausbildungen für Juristen (FFAs), die mittlerweile an vielen deutschen Universitäten für verschiedene Sprachen angeboten werden, und/oder ein ausländischer Postgraduiertenabschluss. Ich habe während meines Jurastudiums an der Universität Trier zwei FFAs im anglo-amerikanischen Recht sowie im französischen Recht und nach dem Ersten Staatsexamen einen LL.M. an der Universität von London absolviert.

Ferner sollten die Bewerber ein besonderes Interesse am internationalen Menschenrechtsschutz haben und wenn möglich über eine einschlägige fachliche Spezialisierung (zum Beispiel im Völkerrecht oder in internationalen Beziehungen) verfügen. Während des Studiums hatte ich an mehreren UN-Simulationen teilgenommen, unter anderem an der National Model United Nations in New York. Im Rahmen eines Praktikums in Genf beim UNKinderrechtsausschuss konnte ich 1998 erste Einblicke in die Arbeit des Hochkommissariats gewinnen. 2005 arbeitete ich als Consultant für die Sonderberichterstatterin über Religions- oder Weltanschauungsfreiheit. Im Jahr 2006 promovierte ich über institutionelle, prozedurale und materielle Rechtsfragen dieses Sonderberichterstatter-Mandats und durchlief parallel dazu das allgemeine Auswahlverfahren der Vereinten Nationen (National Competitive Recruitment Examination, NCRE).

Berufseinstieg im Sekretariat der Vereinten Nationen

Für einen dauerhaften Einstieg im Sekretariat der Vereinten Nationen als Berufsanfänger ist das erfolgreiche Absolvieren des NCRE-Auswahlverfahrens erforderlich. Es wird jährlich für verschiedene Fachgebiete ausgeschrieben für Universitätsabsolventen bis 32 Jahre aus Mitgliedsstaaten, die im Sekretariat der Vereinten Nationen unterrepräsentiert sind. Da Deutschland seit Kurzem im Sekretariat nicht mehr unterrepräsentiert ist, werden die NCRE-Auswahlverfahren derzeit nicht für deutsche Staatsangehörige angeboten. Insofern verbleibt die Möglichkeit einer Bewerbung auf Zeitverträge bei internationalen Organisationen oder als Beigeordneter Sachverständiger. Letztere sammeln mit finanzieller Unterstützung ihrer Regierung für ein bis zwei Jahre internationale Berufserfahrung. Die Bundesregierung hat mit rund 20 internationalen Organisationen Abkommen zur Förderung von deutschen Nachwuchskräften als Beigeordnete Sachverständige geschlossen. Das Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO) ist verantwortlich für die Durchführung dieses Programms.


The views expressed herein are those of the author and do not necessarily reflect the views of the United Nations.

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