Erfahrungsbericht - SAP AG, Praktikant im Design Services Team in Palo Alto, USA
Ein Erfahrungsbericht von Benjamin Böser
Absolvent der Wirtschaftsinformatik
an der Hochschule Karlsruhe
Erfahrungsberichte aus der Unternehmensberatung
Wie ist es wirklich in der Unternehmensberatung? Und wie komme ich da rein? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Unternehmensberatung" von ihren Erfahrungen. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung". |
Ich war sechs Monate Praktikant im Design Services Team in Palo Alto in den Vereinigten Staaten. Meine Entscheidung für SAP ist damals hauptsächlich von der interessanten Aufgabenstellung des Design Services Teams beeinfl usst gewesen. Das Team ist direkt unter dem Vorstandsvorsitzenden Henning Kagermann aufgehängt und für Strategieprojekte im Bereich Innovation verantwortlich. Das multidisziplinäre Design Services Team hat die Mission, SAP mehr über die Endanwender der Systeme und das Element Design zu lehren. Das Team ist zwischen Walldorf, der Zentrale, und Palo Alto, der Innovationsschmiede, aufgeteilt.
Die Projekte des Design Services Teams sind übergreifend für alle Vorstandsbereiche des Unternehmens und unterschiedliche Th emengebiete. Die Anfragen nach Unterstützung des Teams kommen in der Regel von den Vorständen direkt. Je nach Umfang entstehen aufgrund dieser Anfragen Projekte mit einer Dauer von zwei Wochen bis hin zu mehreren Monaten.
Die Kurzprojekte können auch Auswirkung auf das komplette Team haben. Manchmal werden alle Initiativen gestoppt und alle Kompetenzen für eine Woche in einem Raum gehalten, um Ideen zu produzieren und eine Ausgangsbasis für ein Kernprojektteam zu haben. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase wurde es mir ermöglicht, aktiv an Projekten mitzuwirken. Inhaltlich war ich in verschiedene Projekte eingebunden.
In meinem ersten Projekt, das rund um eine Keynote des SAP-Mitgründers Hasso Platter arrangiert war, habe ich eine E-Learning-Plattform mitentwickelt. Das Projekt war bereits im Gange, als ich mein Praktikum startete. Es war sehr interessant, gleich als erstes einen der Vordenker im Bereich Enterprise Software zu unterstützen. Gemeinsam mit Design Consultants aus dem Team habe ich die Inhalte dieser Hintergrundinformation für Mitarbeiter erstellt.
Mein nächster Einsatz war für den Vorstand des Personal- und IT-Bereiches, Claus Heinrich. Gemeinsam mit Experten aus dem Personalbereich habe ich mit vier weiteren Teammitgliedern eine Zukunftsvision für ein Performance-Management- und Mitarbeiterentwicklungstool ausgearbeitet. Um die Konzeptidee zu verfeinern, habe ich an mehreren User-Research-Aktivitäten teilgenommen. Wir waren bei Adobe in San José, um dort einen Tag Interviews zu führen, haben Workshops in Palo Alto, Kalifornien, und Walldorf, Deutschland, durchgeführt und mehrere Partnerunternehmen und Wissensträger per Telefoninterviews hinzugezogen. Für mich als Praktikant war es sehr interessant, Einblicke in andere Unternehmen zu bekommen, tatsächliche Anwender des Systems einzubinden und von ihnen zu lernen. Da zwei der Veranstaltungen auch in Deutschland stattfanden, habe ich auch die Erfahrung machen dürfen, wie es ist, für kurze Zeit auf einer Geschäftsreise auf einem andern Kontinent zu sein. Es macht Spaß, viel unterwegs zu sein und neue Leute kennen zu lernen. Da unser Team immer wieder Experten auch von außerhalb des Unternehmens einbindet, verliert man den Kontakt zum Markt nicht und behält eine objektivere Sicht. Auch aus meiner Sicht als Praktikant hat das den Eff ekt, dass ich mein Wissen breiter ausbauen konnte und mich nicht auf SAP beschränken musste.
Speziell bei den Market-Research-Aufgaben, konnte ich zu SAP-Kunden mitkommen, und Befragungen von Softwareanwendern mitgestalten. Dadurch habe ich Einblicke in mehr Firmen als lediglich SAP bekommen und ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse und Probleme der Kunden.
Da ich als Praktikant ein vollwertiges Projektmitglied war, durfte ich auch für zwei kurze Aufenthalte mit nach Deutschland kommen, um an Meetings im Hauptsitz von SAP in Walldorf teilzunehmen. So wurde es mir ermöglicht, vollen Einblick in die Arbeit einer strategischen Inhouse-Beratung zu bekommen. Sowohl die Erfahrungen im Arbeitsalltag als auch das Kennenlernen einer neuen Denkweise waren für mich sehr spannend. Es galt, die verschiedensten Problemstellungen kreativ zu lösen und dabei immer wieder den Abnehmer bzw. Anwender des Ergebnisses einzubinden und Design als einen Lösungsansatz zu wählen.
Die SAP-Mitarbeiter bezeichnen sich gerne als SAP-Familie. Aufgrund des immer größer werdenden Unternehmens triff t das nicht mehr ganz zu. Nichtsdestotrotz sind aber auch Kollegen aus anderen Abteilungen und Vorstandsbereichen bereit, Informationen zu teilen und das Vorankommen des Unternehmens aktiv zu unterstützen. Man kann auch zur Managementebene unkompliziert Kontakt aufnehmen und wird respektvoll behandelt. Meine bisherige Erfahrung war durch die deutsche Automobilbranche geprägt, in der ich das deutlich anders erlebt habe.
Mein Fazit
Bei mir hat die Arbeit im Design Services Team einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Gekoppelt an die nahe Anbindung an die Innovationsschmiede Silicon Valley kann ich es für Kommilitonen aller Studienrichtungen nur empfehlen. Man ist immer am Puls der Zeit und hat darüber hinaus noch die Möglichkeit, die wundervolle Natur zu genießen. Die Arbeit als Internal Design Consultant ist aufgrund der immer wechselnden Th emenfelder, die sich an den aktuellen Marktbewegungen orientieren, sehr spannend und herausfordernd. Ich kann es nur empfehlen und würde es selbst jederzeit wieder tun.