Erfahrungsbericht - Roland Berger, Senior Consultant
Ein Erfahrungsbericht von Victor Silveira Camargos
Senior Consultant/externer Doktorand
Roland Berger Strategy Consultants/ETH Zürich
Warum ich Unternehmensberater geworden bin
Erfahrungsberichte aus der Unternehmensberatung
Wie ist es wirklich in der Unternehmensberatung? Und wie komme ich da rein? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Unternehmensberatung" von ihren Erfahrungen. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung". |
Durch meinen deutsch-argentinisch-brasilianischen Hintergrund habe ich bereits im Kindesalter verschiedene Sprachen gelernt. Damit wurde mir eine gute Ausgangsbasis für eine internationale Karriere in die Wiege gelegt. Ich habe mich dafür entschieden, zusätzlich verschiedene Praktika im In- und Ausland zu absolvieren. Das kann ich jedem Studenten empfehlen, denn es war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung. Ich konnte dadurch meine Sprachkenntnisse vertiefen und viele interessante Menschen kennenlernen.
Da ich mehrsprachig aufgewachsen bin, wollte ich schon immer in einem Unternehmen arbeiten, das mir die Möglichkeit bietet, meine Sprachkenntnisse zu nutzen und international zu arbeiten. Neben attraktiven Karrierechancen waren mir die zukünftigen Kollegen wichtig. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, mit Beratern von Roland Berger, die ich bei einem Workshop in Norditalien kennengelernt hatte, zusammenzuarbeiten. Dass die „Chemie“ im Team stimmt, ist in der Unternehmensberatung noch wichtiger als in jedem anderen Beruf. Zudem wurde mir gegen Ende des Studiums klar: Mein Herz schlägt für Autos. Daher bewarb ich mich kurz vor meinem Studienabschluss bei Roland Berger.
Ich erinnere mich noch sehr genau an meinen Recruiting-Tag in München. Damals führte ich drei einstündige Interviews mit verschiedenen Beratern. Außerdem löste ich zusammen mit den anderen Bewerbern eine Gruppenfallstudie und präsentierte die Ergebnisse einer kritischen Jury.
Ein Job wie kein anderer
Das Schöne an der Tätigkeit eines Unternehmensberaters ist, dass die Aufgaben immer abwechslungsreich bleiben und kein Tag wie der andere ist. Es gibt kurze Projekte, die wenige Wochen dauern. Manchmal erstrecken sich Projekte aber auch über mehrere Monate. Wechselnde Kunden, wechselnde Branchen, wechselnde Aufgabenstellungen – die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Das waren für mich Eigenschaften des Berufs, die mich von Anfang an gereizt haben und es immer noch tun. Vor allem war ich als frischgebackener Absolvent auf der Suche nach einer Aufgabe, bei der ich nicht nur hinter dem Bildschirm und Papierbergen sitzen würde, sondern bei der Kundenkontakt zum Tagesgeschäft gehört. Zusammenarbeit mit dem Kunden bedeutet in der Unternehmensberatung, partnerschaftlich zu kommunizieren, Respekt durch fachliche Kompetenz zu erwerben und dienstleistungsorientiert zu sein. Damit ist nicht nur „Der Kunde ist König“ gemeint, sondern vielmehr, durch proaktives Handeln und Kommunikation die Wünsche und Bedürfnisse des Kunden im Voraus zu erahnen und besser zu sein, als er es erwartet. Das ist eine Facette der Beratungstätigkeit, die ich bei Roland Berger besonders schätze.
Ein weiterer Vorzug ist das Arbeiten in einem internationalen Umfeld. Das findet man nicht bei jeder Unternehmensberatung. Der internationale Einsatz hängt von der Ausrichtung des jeweiligen Hauses, dem aktuellen Projekt und dem Kunden ab. Es ist eine wunderbare Erfahrung, bei Projekten im Ausland zu arbeiten. Bisher habe ich bei Roland Berger viele internationale Projekte mit begleitet, u. a. in Spanien, Frankreich, den Niederlanden und China. Vor allem die Erfahrungen in Peking und Schanghai haben mich aufgrund der intensiven Zusammenarbeit mit den chinesischen Kollegen und den einmaligen Erlebnissen in der Geschäftswelt des Fernen Ostens sehr geprägt.
Letztlich sind es aber die ständig neuen Herausforderungen, die mich überdurchschnittlich motivieren und mich beruflich wie persönlich weiterbringen. Das können z. B. Projekte sein, die von der Öffentlichkeit stark wahrgenommen werden oder auch besonders komplexe Aufgabenstellungen, von denen ich mir früher nicht hätte träumen lassen, sie zu lösen. Somit kann ich sagen: Man wächst jeden Tag ein Stückchen mit seinem Job.
Cake eating contest
Mein älterer Bruder, damals auch Unternehmensberater, erzählte mir einmal den Scherz: „Consulting is like a cake eating contest, in which the first price is more cake.“ Wie hinter jedem Witz steckt auch hinter diesem Satz ein Quäntchen Wahrheit. Der Beratungsjob, insbesondere in einer der führenden Strategieberatungen, erfordert überdurchschnittlichen Einsatz. Dies hat natürlich vor allem mit der bereits erwähnten Kundenorientierung zu tun, die ein Unternehmensberater mitbringen sollte.
Aus diesem Grund streben die meisten Unternehmensberater ständig nach einer bestmöglichen Work-Life-Balance. Diese ist nicht nur Thema auf Marketingveranstaltungen an Hochschulen, sondern häufig auch im Berateralltag. Ich treibe gerne Sport. Als Ausgleich zu der überwiegend sitzenden Tätigkeit als Berater ist es mir wichtig, auch unter der Woche sportlich aktiv zu sein. Erst hatte ich befürchtet, dass das bei sehr arbeitsintensiven Projekten nicht möglich sein würde. Jetzt weiß ich, dass es nur eine Frage der Organisation ist. Wenn ein Projekt effizient organisiert und das Team entsprechend aufgestellt ist, lässt sich exzellente Arbeit beim Kunden mit regelmäßigem Sport vereinbaren.
Abschließend kann ich sagen, das für mich der Beruf als Strategieberater grenzenlose Möglichkeiten bietet: Zusammenarbeit mit tollen Kollegen und interessanten Kunden, Spaß an immer neuen Themen sowie ein internationales Netzwerk. Deshalb habe ich mich auch entschlossen, mit Unterstützung von Roland Berger an der ETH Zürich zu promovieren. So kann ich für bis zu 18 Monate aus dem Job herausgehen, um mich intensiv und ausschließlich auf meine Dissertation zu konzentrieren. Wenn meine Doktorarbeit am Ende des Jahres abgeschlossen ist, freue ich mich, wieder in den Beratungsalltag zurückzukehren.