Erfahrungsbericht - Roche Diagnostics GmbH, Director Patent Conflicts
Erfahrungsberichte aus dem Patentrecht
Was macht eigentlich ein Patentanwalt? Welche Berufswege gibt es für Patentexperten? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Patentrecht" von ihren Erfahrungen. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Patentanwalt". |
Ein Erfahrungsbericht von Dr. Martin Knauer
Director Patent Conflicts bei Roche Diagnostics GmbH
Inhaltsverzeichnis |
Patentanwalt in einem globalen Health-Care-Unternehmen
Wachsende, alternde und wandernde Bevölkerungen, mündigere, eigenverantwortliche Patienten und der steigende Kostendruck prägen das Gesundheitswesen der Zukunft maßgeblich. Health-Care-Unternehmen leisten durch die Entwicklung von innovativen Produkten und Dienstleistungen einen erheblichen Beitrag für die Lösung medizinischer Probleme, zum Nutzen der Gesellschaft. Diese Innovationen werden in der Regel durch Patente gesichert.
Die Ausbildung zum Patentanwalt neben der beratenden Tätigkeit in einer Industriepatentabteilung
Roche besitzt eine große globale Patentfunktion. Aufgabe der Mitarbeitenden in den Patentabteilungen ist jedoch nicht nur die Erlangung, Verteidigung und Durchsetzung von Patentschutz, sondern auch die Beratung hinsichtlich fremder Schutzrechte sowie die Abwehr unberechtigter Ansprüche Dritter. Das Unternehmen bietet seinen Mitarbeitenden in den Patentfunktionen die Möglichkeit einer parallelen Ausbildung, zunächst zum europäischen und später zum deutschen Patentanwalt. Dabei kann auf vielerlei Ausbildungs- und Vorbereitungskurse zurückgegriffen werden, die auf die Belange der vollberuflich Tätigen ausgerichtet sind. Dies gilt insbesondere für das Studium Recht für Patentanwälte (z. B. an der Fernuniversität Hagen), dessen Abschluss eine Voraussetzung für die Zulassung zur deutschen Patentanwaltsprüfung ist. Die Ausbildung in einer Industriepatentabteilung dauert zwar im Schnitt länger als die Ausbildung in einer Patentanwaltskanzlei, nämlich zehn Jahre, dafür fällt das sogenannte Amtsjahr beim Deutschen Patent- und Markenamt und Bundespatentgericht weg. Bei Personen, die für die Vertretung beim Europäischen Patentamt zugelassen sind, ist die Ausbildung auf acht Jahre verkürzt.
Der Anstoß für meine Ausbildung zum Patentanwalt
Der Abschluss des Chemie-Studiums einschließlich der Promotion stellte ein wichtiges Ereignis in meinem Leben dar, da es eine Abkehr von der bis dahin praktizierten eigenen, forschungsorientierten Arbeit mit sich brachte. Als Sohn eines freiberuflich tätigen Rechtsanwalts waren mir allgemein rechtliche Fragestellungen vertraut. Im Studium Generale an der TH Karlsruhe hatte ich die Vorlesung eines renommierten Bundesrichters gehört. Seine Darstellung des Gebiets und der Möglichkeit, wissenschaftliche Tatsachen einer rechtlichen Bewertung zu unterziehen, weckte in mir den Wunsch, mich mit dem Patentwesen näher auseinanderzusetzen. Gegen Ende der Promotion hatte mich ein Kollege bei meinem damaligen Arbeitgeber auf eine Stellenanzeige aufmerksam gemacht. Gesucht wurde ein Mitarbeiter für die Patentabteilung bei Roche (damals Boehringer Mannheim). Neben der Möglichkeit, aus einer gesicherten Stellung heraus die Zusatzausbildung zum Patentanwalt machen zu können, war für mich das angenehme und kooperative Arbeitsklima in der Industriepatentabteilung ausschlaggebend für die Zusage zu diesem Ausbildungsweg.
Ablauf der Ausbildung zum Patentanwalt
Während meiner beruflichen Ausbildung habe ich mehrere Stationen durchlaufen, beginnend mit der Ausarbeitung von Patentanmeldungen, der Beantwortung von Prüfungsbescheiden, der Formulierung von Einsprüchen und der Verteidigung von Patenten. Um das grundlegend andersartige Patentrecht in den USA kennenzulernen, habe ich dort einen dreimonatigen Traineeaufenthalt absolviert. In Washington, D.C., besuchte ich unter anderem einen Kurs an der Patent Academy des United States Patent and Trademark Office. Durch die Ausbildung und die Diskussionen mit den Patentprüfern dieses Amtes habe ich die Hintergründe für das Verhalten der Patentprüfer verstehen gelernt. Dies hat sich auch in der täglichen Praxis als sehr hilfreich erwiesen. Die ersten vier Jahre meiner Ausbildung waren im Wesentlichen geprägt durch die Vorbereitung auf die Europäische Eignungsprüfung. Die klare Systematik des Europäischen Patentübereinkommens gewährleistet einen guten Einstieg in das Patentwesen, insbesondere, weil man das Gelernte sofort in der Praxis anwenden kann. Die Ausbildung zum deutschen Patentanwalt erweitert noch einmal den Wissenshorizont, weil auch die anderen Gebiete des gewerblichen Rechtsschutzes, wie Geschmacksmuster und Marken, eingeschlossen sind.
Was zeichnet einen guten Patentanwalt aus?
Will man als Patentanwalt erfolgreich sein, muss man sich immer wieder neu in die rechtliche Materie einarbeiten und gleichzeitig auf wissenschaftlichem Gebiet, soweit erforderlich, die neuesten Entwicklungen im Auge behalten. Dem Wert der Ausbildung in einer Industriepatentabteilung kommt neben dem eigenen Engagement sehr zugute, wenn sich der Vorgesetzte aktiv einbringt. Ich hatte das Glück, dass ich immer intensive Diskussionen mit meinen Vorgesetzten führen konnte. Ein guter Industriepatentanwalt sollte die Fähigkeit mitbringen, zu priorisieren und die Arbeitszeit und -kraft optimal einzusetzen. Das will ich auch in meiner Rolle als Ausbilder vermitteln – einer weiteren Facette meines beruflichen Alltags. Wir bieten eine Ausbildung zum Patentanwaltsfachangestellten an. Junge Leute können hier dank der vielfältigen Tätigkeiten in unserer Industriepatentabteilung ganz unterschiedliche Aspekte der patentrechtlichen Arbeit kennenlernen. Über Eigeninitiative freue ich mich dabei ganz besonders, da ich selbst immer Chancen zum Lernen ergriffen habe und entsprechend gefördert wurde. Die Aus- und Weiterbildung liegt uns bei Roche sehr am Herzen.