Erfahrungsbericht - Prinz & Partner Patentanwälte, Partner

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Ein Erfahrungsbericht von Dr. Bernhard Pfleiderer

Dr.-Ing., Deutscher Patent- und Markenanwalt, zugelassener Europäischer Vertreter

Partner bei Prinz & Partner Patentanwälte

Inhaltsverzeichnis

Partner einer Patentanwaltskanzlei

Erfahrungsberichte aus dem Patentrecht
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Was macht eigentlich ein Patentanwalt? Welche Berufswege gibt es für Patentexperten? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Patentrecht" von ihren Erfahrungen.

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Patentanwalt".

Als Partner in einer mittelgroßen deutschen Patentanwaltskanzlei muss ich mich heute täglich vielen Aufgaben zuwenden, die mit dem eigentlichen Beruf des Patentanwalts nicht viel zu tun haben. Angefangen hat es jedoch ganz anders.

Zunächst die Technik …

Meine erste Berührung mit dem Patentrecht hatte ich gegen Ende meines Elektrotechnikstudiums. Auf Anregung zweier Erfinder versuchte ich damals einen Prototypen für ein sehr kleines medizinisches Diagnosegerät für Säuglinge zu bauen. Das Diagnosegerät war in einer Patentanmeldung beschrieben. Die Sprache schien mir seltsam und vieles, was da geschrieben stand, in technischer Hinsicht unsinnig oder falsch. In den folgenden sechs Jahren arbeitete ich als Entwickler und Forscher. Dabei entstanden eigene Erfindungen, die ich zum Patent anmelden durfte. Als ich mich entschloss, selbst Patentanwalt zu werden, war es eines meiner großen Ziele, noch mehr technisches Know-how in die Patentanwaltsarbeit einfließen zu lassen. Dabei kommen mir bis heute die verhältnismäßig vielen Jahre Berufspraxis zugute. Auch beim Auffinden eines Ausbildungsplatzes zum Patentanwalt und bei der späteren Chance, Partner zu werden, spielten unter anderem meine technischen Fachkenntnisse eine wichtige Rolle. Ich würde daher davon abraten, die technische (bzw. naturwissenschaftliche o. Ä.) Berufstätigkeit zu kurz kommen zu lassen.

… dann der Patentanwalt …

Große Befriedigung beziehe ich nach wie vor aus der patentanwaltlichen Arbeit. Begeistern kann ich mich, wenn es mir gelingt, freche Produktpiraten aus dem Verkehr zu ziehen, auch wenn ich dabei auf das Übelste beschimpft oder sogar bedroht werde. Genauso freue ich mich, wenn ich andere mit einem neuen Argument umstimmen kann. Nun durfte ich über dreizehn Jahre nach meinem ersten Kontakt mit der Patentanmeldung für das kleine diagnostische Überwachungsgerät sogar als Tatsachenzeuge und Sachverständiger in einem Patentverletzungsverfahren in den USA mitwirken. Aus der damaligen Patentanmeldung sind nämlich mehrere US-Patente hervorgegangen, die ein namhaftes Unternehmen gekauft hat und gegen Wettbewerber einsetzt.

… und schließlich Partner

Die Partner sind in der Regel die Inhaber und Geschäftsführer einer Kanzlei. Oft wird der Partnerstatus nur als vermeintlich letzter wichtiger Schritt einer Patentanwaltskarriere angesehen. Diese Vorstellung ist jedoch nicht zutreffend.

Je nach Größe der Kanzlei und Anzahl der Partner gibt es Hierarchien und eine Arbeitsteilung. Wir sind mit fünf Partnern und insgesamt rund 40 Personen eine mittelgroße Kanzlei. Alle Partner sind von Anfang an gleichwertig. Ich habe neben der täglichen Arbeit die Aufgabe, einen neuen Standort für die Kanzlei aufzubauen. Außerdem kümmere ich mich um Kontakte in Asien. Die Aufgaben meiner Partner umfassen die Buchhaltung, unsere EDV und natürlich das Personal. Wir Partner treffen unsere Entscheidungen bezüglich der Kanzlei gemeinschaftlich. Der Entscheidungsfindungsprozess kann phasenweise viel Zeit und Nerven kosten. Aber wir haben auch Spaß. Mindestens ein Mal in der Woche findet eine Partnerversammlung statt. Bei wichtigen Fragen müssen wir Einstimmigkeit erreichen. Bisher habe ich noch keine Kampfabstimmung erlebt. Wir haben jedoch anfänglich oft völlig verschiedene Standpunkte. Um zu guten Ergebnissen für die Kanzlei zu kommen, sind gute Vorbereitung, aber auch Überzeugungskraft, Toleranz und Sozialkompetenz bei den internen Diskussionen gefragt, die man nicht im Studium oder der Patentanwaltsausbildung erlernen kann.

Es geht z. B. auch um die Außendarstellung der Kanzlei, Mandatspflege oder Akquisition neuer Mandate, sei es in München, Paris, Peking oder Dallas. Ich reise sehr viel und immer noch gern. Reisen wird von Außenstehenden fälschlich häufig als reiner Luxus verstanden. Ich kann mir weder aussuchen, wohin ich reise, noch mit wem oder etwa, um was es bei den Reisen inhaltlich geht. Ich kann danach zwar interessante Geschichten von Geschäftsessen erzählen, beispielsweise von Fischaugen oder dem berüchtigten hochgiftigen Kugelfisch. Diese Geschichten gewinnen jedoch meist erst in der Erinnerung an Leichtigkeit. Es ist nicht ganz einfach, auf einen langen schwarzen Wurm in der Suppe mit ausgelassener Freude zu reagieren. Auch hier sind Sensibilität, Freundlichkeit und Zurückhaltung gefragt. Ich freue mich bis heute darüber, unterschiedliche Menschen zu treffen. Ein maßgeblicher Unterschied zwischen dem Status eines freien Patentanwalts und dem eines Partners ist für mich die Verantwortung für die Kanzlei. Insbesondere in Zeiten von Wirtschaftskrisen kann sich ein sehr großer Druck aufbauen. Wenn etwas nicht gelingt, können wir die Verantwortung niemand anderem zuschieben.

Wer die richtige Mischung an Begabungen und persönlichen Eigenschaften hat, wird wenig andere Berufe mit einer solchen Vielfalt an Möglichkeiten finden.

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