Erfahrungsbericht - PricewaterhouseCoopers, Associate
Hagen Peschke
Associate, Dipl.-Wirtschaftsjurist, Dipl.-Kfm., Dipl.-Volkswirt
PricewaterhouseCoopers AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Prüfung, Public Services, PricewaterhouseCoopers
Erfahrungsberichte von Juristen
Welche Berufsfelder gibt es für Juristen? Referendare, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Perspektiven für Juristen" von ihren Erfahrungen. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektiven für Juristen". |
Bereits im Grundstudium des Studiengangs Deutsches und Europäisches Wirtschaftsrecht an der Universität Siegen begeisterten mich Vorlesungen aus dem Bereich der Wirtschaftsprüfung. Auch weckten die lebensnahen Sachverhalte des öffentlichen Rechts mein besonderes Interesse. Die Kombination aus Zahlenwerken einerseits und Gesetzestexten andererseits empfand ich stets als sehr abwechslungsreich. Ein längeres Praktikum im Bereich der Wirtschaftsprüfung bekräftigte meine Entscheidung, mich auch im Hauptstudium entsprechend zu spezialisieren. Das für die Wahl des Wirtschaftsprüferberufes entscheidende Erfolgserlebnis während meines Praktikums war, dass ich mein theoretisch erworbenes Wissen tatsächlich in vollem Umfang praktisch anwenden konnte.
Seit Juli 2008 bin ich nun als Associate (Prüfungsassistent) im Bereich Wirtschaftsprüfung und prüfungsnahe Beratung mit dem Branchenfokus Public Services am größten nationalen Standort von PricewaterhouseCoopers in Frankfurt am Main tätig.
Zusammen mit meinen Kollegen führe ich Jahres- und Konzernabschlussprüfungen nach nationalen und internationalen Vorschriften, prüferische Durchsichten sowie prüfungsnahe Beratung speziell von öffentlichen Institutionen durch. Von A wie Abfallwirtschaft bis Z wie Zentralverwaltung betreuen wir ein breites Spektrum von Mandaten im kommunalen Bereich, aber auch andere Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.
Die Prüfungen finden grundsätzlich in wechselnden Prüfungsteams vor Ort bei den Mandanten statt. Hier sind vor allem Mobilität und eine flexible Arbeitsweise gefragt. Jeder Tag verläuft abwechslungsreich und bringt neue Fragestellungen mit sich. Auch wenn einige Prüfungstätigkeiten schnell zur Routine werden, führen die unternehmerischen Entscheidungen der Mandanten oder aber Gesetzesänderungen stets zu neuen interessanten Sachverhalten, die es in der Rechnungslegung abzubilden und dann durch uns zu prüfen gilt. Hier kommt das gesamte Spektrum juristischer und betriebswirtschaftlicher Kenntnisse voll zum Einsatz. Aufgrund des verstärkten Einsatzes von Prüfungssoftware sind zudem gute Englisch- und IT-Kenntnisse erforderlich.
PricewaterhouseCoopers bietet Associates gerade im kommunalen Bereich die Chance, kleinere Beratungsprojekte möglichst eigeninitiativ und selbstständig durchzuführen. Erst kürzlich haben wir einen innovativen Zusammenschluss mehrerer öffentlicher Bildungsträger bei der Organisations- und Rechtsformwahl problemorientiert unterstützt. Sowohl meine zivilrechtlichen als auch meine öffentlich-rechtlichen Kenntnisse waren hier wiederum von Vorteil.
Die eigenverantwortliche Tätigkeit wird durch die persönliche und fachliche Betreuung unterstützt, z. B. durch Mentoren, die einen auf dem beruflichen Weg begleiten, ehrliches Feedback über die geleistete Arbeit geben und Lernfelder aufzeigen. Denn lebenslanges Lernen ist ein unabdingbares Merkmal der Prüfungs- und Beratungstätigkeit. Hierzu dient neben dem praxisbezogenen Coaching auch ein umfassendes Schulungsprogramm. Darüber hinaus wird die Vorbereitung auf das Steuerberater- bzw. Wirtschaftsprüferexamen unterstützt.
Allerdings zählt nicht nur das fachliche Wissen. Als Prüfungsassistent erweist sich besonders das persönliche und respektvolle Verhältnis zum Mandanten und zu den anderen Mitgliedern des Prüfungsteams als sehr wichtig. Nur mit Freude am Umgang mit Menschen, die sich in enger Zusammenarbeit mit den anderen Kollegen und dem Mandanten widerspiegeln sollte, lassen sich gemeinsam hervorragende Prüfungs- und Beratungsergebnisse erzielen.
Absolventen, die sich für die Tätigkeit in einer Prüfungs- und Beratungsgesellschaft entscheiden, sollten über eine hohe Einsatz- und Leistungsbereitschaft verfügen. Gerade in der Hochsaison von Dezember bis März, in der die Jahresabschlussprüfungen einschließlich der Berichtsschreibung termingerecht abgewickelt werden müssen, zeigt sich die im Vergleich zu anderen Branchen durchschnittlich höhere Arbeitsbelastung. Um dennoch eine ausgewogene Work-Life-Balance zu erreichen, gibt es ein Jahresarbeitszeitkonto. In arbeitsreichen Zeiten angesammelte Überstunden können dann beispielsweise in den geringer ausgelasteten Sommermonaten in Freizeit abgebaut werden.
Juristen mit einer Affinität zu Zahlenwerken und Kenntnissen im Bilanz- und Steuerrecht können sich in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auf breiter Ebene entfalten. All jenen Bewerbern, die nähere Einblicke in den interessanten und abwechslungsreichen Beruf des Wirtschaftsprüfers erlangen wollen, empfehle ich, bereits frühzeitig Praktika in diesem Bereich zu absolvieren.
Der größte Vorteil der Tätigkeit in einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist meines Erachtens, dass Juristen mit den unterschiedlichsten Spezialisierungen ihre Kenntnisse und Fähigkeiten zum Einsatz bringen können. Wichtig ist nur: Es muss allen Freude machen!