Erfahrungsbericht - Oliver Wyman, Consultant
Ein Erfahrungsbericht von Sebastian Legler
Consultant
Oliver Wyman
Inhaltsverzeichnis |
Was mich an der Unternehmensberatung reizt
Erfahrungsberichte aus der Unternehmensberatung
Wie ist es wirklich in der Unternehmensberatung? Und wie komme ich da rein? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Unternehmensberatung" von ihren Erfahrungen. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung". |
Regelmäßig wechselnde Aufgaben und herausfordernde Projekte – die Tätigkeit als Unternehmensberater hatte mich schon immer gereizt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Seit meinem Einstieg bei Oliver Wyman habe ich an den unterschiedlichsten Aufgaben gearbeitet. Egal, ob es darum ging, eine neue Produktstrategie zu entwickeln, die Mitarbeitermotivation während einer großen Fusion zu stärken oder zusammen mit dem Vorstand eines großen Finanzkonzerns zu entscheiden, ob das Unternehmen einen eigenen Private- Equity-Fonds gründen sollte – die Themengebiete waren immer spannend. Da ich bei Oliver Wyman im Bereich Financial Services arbeite, berate ich vorwiegend Banken und Versicherungen, also Unternehmen aus der Finanzbranche. Dies hat den Vorteil, dass man sich sehr früh spezifisches Branchenwissen aneignet und ein tiefer gehendes Verständnis für die Herausforderungen des Kunden entwickeln kann. Als Berufseinsteiger kann man so schnell Verantwortung in den Projekten übernehmen. Allgemein kann ich sagen, dass ich in meiner Zeit als Unternehmensberater viele Einblicke in verschiedene Unternehmen und Fragestellungen gewinnen konnte und bislang ein sehr abwechslungsreiches Berufsleben genoss.
Wo Licht ist, fällt auch (etwas) Schatten
Bei all den spannenden Tätigkeiten hat der Beruf als Unternehmensberater natürlich auch seine Nachteile. Da man montags meist sehr früh zum Kunden reist, muss man entweder ein großer Fan von Sonnenaufgängen sein oder aber sich mit einiger Überwindung morgens zu noch nachtschlafender Uhrzeit aus dem Bett erheben. Allgemein bringt der Beruf viele Reisen mit sich. In der Regel bin ich von Montag bis Donnerstag beim Kunden, des Öfteren auch freitags. Zudem kann es abends – je nach Projekt – schon mal etwas länger werden. Gerade weil dieser Beruf so vielfältig ist, gibt es keinen fest getakteten Arbeitsalltag. An einem Tag bereitet man wichtige Entscheidungsunterlagen vor, an einem weiteren befindet man sich in Workshops mit dem Kunden, und an einem anderen erstellt man Marktstudien und führt Interviews.
Vor der Bewerbung: Wissen ist Trumpf
Vor meinem Einstieg bei Oliver Wyman habe ich mich früh darüber informiert, welche Unternehmen für mich infrage kommen. Auch wenn man auf den ersten Blick alle Beratungsunternehmen leicht über einen Kamm scheren kann, können die Unterschiede recht groß sein. Das habe ich unter anderem auch in zwei Beratungspraktika während meines Studiums festgestellt. Die Unternehmenskulturen unterscheiden sich durchaus. Das zeigt sich in der Art der Projekte und der Arbeitsweise. Ich empfehle daher, bei der Jobwahl so viel wie möglich über ein Beratungsunternehmen herauszufinden. Dadurch können später Überraschungen vermieden werden. Neben den beiden erwähnten Praktika habe ich versucht, mir über die Erfahrungen von Kommilitonen und Freunden sowie Karriereseiten im Internet (wie e-fellows.net) eine Meinung über die infrage kommenden Unternehmen zu bilden. Falls man bereits ein Jobangebot erhalten hat, aber sich noch nicht ganz sicher ist, welche Entscheidung denn nun die richtige sein könnte, gibt es außerdem noch eine andere Möglichkeit: Viele Firmen laden Kandidaten auf Nachfrage gerne in eines ihrer Büros ein, um den zukünftigen Arbeitsort besser kennenzulernen.
Der Bewerbungsprozess: Gegenseitiges Kennenlernen
Bevor ich mich letztendlich für Oliver Wyman entschied, hatte ich mich bei mehreren Beratungsgesellschaften beworben. Die Bewerbungsverfahren liefen hierbei alle nach einem ähnlichen Schema ab. Meist gab es einen zweistufigen Interviewprozess. Die Interviews bestanden eigentlich immer aus einem Fit-Teil, in dem es um die Persönlichkeit des Bewerbers ging, sowie einer Fallstudie. Bei einigen Beratungen kamen noch Gruppenübungen hinzu. Das war jedoch eher die Ausnahme.
Bei den Interviews habe ich auch immer versucht, mehr über die Persönlichkeit meines Gegenübers zu erfahren. Da man schließlich die meiste Zeit des Jahres mit seinen Kollegen verbringen wird – weit mehr als mit Partner und Freunden – war es mir sehr wichtig, dass ich mich bei meinem zukünftigen Arbeitgeber auch in zwischenmenschlicher Hinsicht wohlfühlen würde.
Fazit: Ein Beruf, der fordert und Spaß macht
Letztlich kann ich jedem, der sich für die Unternehmensberatung interessiert, nur empfehlen, über ein Praktikum in den Beruf hineinzuschnuppern. Dabei erhält man einen sehr guten Überblick über die Arbeitsweise und das Unternehmen. Danach kann man für sich leichter entscheiden, ob einem die Arbeit Spaß machen könnte.
Ich würde heute nach meinem Studium wieder die gleiche Entscheidung treffen. Wenn ich auf meine bisherigen Projekte zurückblicke, bin ich selbst erstaunt, welch große Veränderungen man manchmal in nur drei bis sechs Monaten bei Unternehmen bewirkt hat. Ich denke, dies ist etwas, was man nur in wenigen Berufen außerhalb der Unternehmensberatung so erleben kann.