Erfahrungsbericht - Lufthansa Systems Business Solutions, IT-Consultant

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Ein Erfahrungsbericht von Thomas Walter

IT Consultant

Lufthansa Systems Business Solutions

Inhaltsverzeichnis

Direkteinstieg in die IT-Beratung: Rechnen, Schreiben und Malen neu lernen

Erfahrungsberichte aus der Unternehmensberatung
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Wie ist es wirklich in der Unternehmensberatung? Und wie komme ich da rein? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Unternehmensberatung" von ihren Erfahrungen.

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung".

Von Unternehmensberatern und vom „Beraten“ habe ich eigentlich nie viel gehalten. Bei nüchterner Betrachtung und abseits englischer Buzzwords bewertete ich die Arbeit eines Beraters immer als eine Kombination aus Rechnen, Schreiben, Malen, Diskutieren und auswendig Aufsagen. „Das lernt man in der Grundschule“, oder „Warum sollten denn für solche Tätigkeiten horrende Summen gezahlt werden?“, spottete ich.

Im Studium habe ich dann gelernt, dass Rechnen und Schreiben, aber vor allem auch das Skizzieren von Ideen und freies Sprechen keine Selbstverständlichkeiten sind. Und nach dem ersten Praktikum habe ich verstanden, dass die Analyse komplexer Sachverhalte mittels einfacher mathematischer Methoden sowie die anschließende Darstellung der Resultate durch simples Skizzieren auf einer Folie eine Wissenschaft für sich ist. „Stil ist, komplexe Dinge einfach zu erklären. Nicht anders herum.“ So lautet eine allgemeine Weisheit. Heute spreche ich Beratungen vor allem diesen Vorteil gegenüber einer internen Analyse der Dinge zu. Es bleiben vielleicht Projektabschlussberichte, die auf eine Folie passen. Aber solange der Inhalt dieser Folie logisch errechnet wurde und daher zu einer ursprünglich komplexen Fragestellung eine einfache und direkte Antwort gibt, ist schon viel gewonnen. Genau diese Aufgabenstellung stellt für mich den größten Reiz der Beratung dar.

Komplexes einfach machen: Klischees und realer Alltag

Heute arbeite ich als Berater im IT-Bereich. In meinem ersten Projekt wird eine Software für das Management von eingekaufter Frachtkapazität für eine Spedition entwickelt, die zukünftige IT-Architektur geplant und gleichzeitig eine SAP-Integration unterstützt. Würde man mich einen Arbeitstag lang filmen und später das Band im Modus „lautlos“ ansehen, könnte man meine Tätigkeiten als Lesen, Schreiben, Rechnen, Malen, Diskutieren und auswendig Aufsagen wahrnehmen. Würde man den Ton anschalten und somit Inhalte wahrnehmen, so würde die Beschreibung hoffentlich etwas hochtrabender ausfallen.

Aber Aufgaben wie die Analyse von Kundenprozessen, daraus abgeleitete Identifikation von Optimierungspotenzialen oder das Errechnen der Sinnhaftigkeit dieser angedachten Veränderungen erfordern nun mal diese Tätigkeiten. Auch als Berater ist daher jede Menge Stillarbeit gefragt. Die Dokumentation von Definitionen oder Anforderungen, das Beantworten von 100 E-Mails pro Tag oder die langwierige Ausarbeitung von sinnvollen Kennzahlen sind Tätigkeiten, die in der Fremdwahrnehmung der Aufgaben des Beraters selten auftauchen. Aber auch sie gehören oft zum normalen Tagesgeschäft. Hier wird viel zu oft das Klischee eines Superberaters bemüht, der in seinem 16-Stunden-Arbeitstag ausschließlich strategische Entscheidungen trifft, und nebenbei noch massenhaft Zeit für Marathontraining, Freunde und Engagement für wohltätige Zwecke aufbringt. Dieses Klischee erfülle ich nicht – aber auch keiner meiner Kollegen.

Standardprofil Unternehmensberater?

Beratung ist eben nicht gleich Beratung. Man sollte sich daher dezidiert mit den Branchen, Projekten und Profilen der verschiedenen Beratungen auseinandersetzen, bevor man sich eine Meinung bildet. Das habe ich spät verstanden, aber letztlich hat es mich dazu bewogen, meine jetzige Stelle anzunehmen. Ich hatte im Lufthansa Konzern meine Diplomarbeit geschrieben und war seit einer Studienarbeit Mitglied eines Stipendiatenprogramms des Konzerns. Der Projektleiter, dem meine Diplomarbeit angeschlossen war, arbeitete für meinen jetzigen Arbeitgeber. Die Beratung ist eine Tochtergesellschaft des Konzerns und somit auch teilweise mit Aufgaben eines Inhouse Consultings betraut. Der Projektleiter erfüllte aber weder das Bild eines Konzernmitarbeiters, noch jenes des oben skizzierten Klischeeberaters. Er war eher ein Projektleiter ohne Personalverantwortung. Die Kombination aus schneller Einarbeitung, Teamarbeit, gemeinsamer Analyse, Führung kleiner Teams und der schnellen Übernahme von Verantwortung über Teilprojekte hat schließlich den Ausschlag zu meiner Bewerbung gegeben. Diese hat der Projektleiter dann auch gleich selbst weitergeleitet. Nach einem Gespräch in der Firmenzentrale und einem in meinem jetzigen Büro in der Schweiz wurde mir die Stelle angeboten.

Rat zur Beratung

Ich würde generell nicht jedem empfehlen, sich bei einer Beratung zu bewerben. Ich kann nur den Tipp geben, zu versuchen, weniger in Klischees zu denken, vor dem Jobeinstieg genau das Profil der jeweiligen Beratung zu betrachten und für sich die einzelnen Tätigkeiten zu bestimmen, die man nach Berufseinstieg gerne ausüben möchte. In der Praxis unterscheiden sich letztlich Beratertätigkeiten nicht sehr stark von denjenigen auf einer Referentenposition. Man hat jedoch oft eine weite Anreise in Kauf zu nehmen, häufiger wechselnde Geschäftspartner, letztlich keine Chance, weitreichende Veränderungen selbst durchzusetzen und die Auswirkungen der eigenen Arbeit bekommt man auch selten mit. Es werden einem z. B. nicht täglich die Mitarbeiter aus dem Controlling eines Kunden begegnen, die einem für das schöne KPI-Modell danken.

In der Beratung lernt man allerdings eine Menge – vor allem, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Eigene Ideen kann man ohne große bürokratische Umwege schnell einbringen. Und nicht zuletzt braucht man keine Angst davor zu haben, dass man nach dem Studium unzureichend darauf vorbereitet ist, einem Unternehmen in einer fachfremden Branche Ratschläge zu unterbreiten. Lesen, Schreiben, Rechnen und freies Sprechen sind – korrekt eingesetzt – ein sehr solides Handwerkszeug. In einer Beratung kann man diese Tätigkeiten perfektionieren.

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