Erfahrungsbericht - Internationale Schiffsfinanzierungen – von Panamax, Capesize und VLCC

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Ein Erfahrungsbericht von Tilo Wallrabenstein

Rechtsanwalt, LL.M.

Deutsche Schiffsbank AG

Inhaltsverzeichnis

Internationale Schiffsfinanzierungen – von Panamax, Capesize und VLCC

Erfahrungsberichte von Juristen
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Welche Berufsfelder gibt es für Juristen? Referendare, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Perspektiven für Juristen" von ihren Erfahrungen.

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektiven für Juristen".

Die Bedeutung des maritimen Sektors für die deutsche Wirtschaft ist – abseits der deutschen Küstenregionen – vielfach erst durch Schlagzeilen über Werftenschließungen und finanzielle Hilfsprogramme realisiert worden. Wächst man in einer vom Hafen geprägten Stadt wie Hamburg auf, so ergeben sich dagegen schnell Berührungspunkte zur Schifffahrt. Im Rahmen meines juristischen Studiums spielten Belange der maritimen Wirtschaft gleichwohl kaum eine Rolle. Nach dem Ersten Staatsexamen ergab sich dann die Möglichkeit, eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Seerecht und Seehandelsrecht der Universität Hamburg anzutreten. Dadurch wurde mein Interesse an einer dauerhaften Tätigkeit im maritimen Bereich geweckt, der für Juristen aufgrund seiner Internationalität, Vielfalt, wirtschaftlichen Relevanz und „eigenen Sprache“ eine besondere Herausforderung darstellt. Während meines Referendariates in Hamburg nutzte ich Anwalts-, Verwaltungs- und Wahlstation, um verschiedene juristische Tätigkeitsfelder in der Schifffahrt kennenzulernen. Grundsätzlich bieten sich nach dem Zweiten Staatsexamen der Einstieg in eine entsprechend spezialisierte Kanzlei, die Rechtsabteilung einer Reederei, die Schifffahrtsverwaltung oder in eine im Bereich der Schiffsfinanzierung tätige Bank an. Ich entschied mich für die Deutsche Schiffsbank AG, ein außerhalb der Schifffahrt kaum bekanntes Spezialinstitut mit langer Tradition, das ausschließlich im Bereich der Schiffsfinanzierung aktiv ist und zu den bedeutendsten Schiffsfinanzierern weltweit zählt.

Englisch als Arbeitssprache und wirtschaftliches Denken

Die Schiffsbank finanziert nicht nur Schiffe deutscher Reeder, sondern verfügt auch über einen großen internationalen Kundenstamm. Von besonderer Bedeutung ist dort der griechische Markt: Griechische Reeder kontrollieren nämlich einen bedeutenden Teil der internationalen Tanker- und Massengutfrachterflotte. Ich bin in der Auslandskreditabteilung der Schiffsbank speziell für die Unterabteilung Griechenland tätig. Sehr gute englische Sprachkenntnisse sind somit unverzichtbar, zumal Englisch im Schifffahrtsbereich weltweit die Lingua franca ist und in aller Regel englisches Recht bei internationalen Schiffsfinanzierungsprojekten vereinbart wird bzw. anwendbar ist. Mein in England absolviertes LL.M.-Studium hat sich in mehrfacher Hinsicht als großer Vorteil erwiesen: Ohne Grundkenntnisse in Bezug auf die Besonderheiten des angelsächsischen Rechtssystems sind etwa die Aushandlung, Bearbeitung und Hereinnahme von Darlehensverträgen, Schiffshypotheken und weiteren Sicherheiten (u. a. Bürgschaften und Garantien, Abtretungsverträge) in Zusammenarbeit mit internationalen Anwaltskanzleien kaum zu bewältigen. Dies gehört ebenso zu den mir übertragenen Aufgaben wie das Strukturieren von Finanzierungen, die Kontrolle von Auszahlungsvoraussetzungen und Konditionsabsprachen oder Bonitäts- und Rentabilitätsprüfungen. Insbesondere Verhandlungen mit Kunden und Konsortialbanken sowie die Pflege bestehender und der Aufbau neuer Kundenbeziehungen erfordern in besonderem Maße ein wirtschaftliches, an der Praxis und aktuellen Marktsituation orientiertes Denken. Dass dies in aller Regel nicht Gegenstand der juristischen Ausbildung ist, macht gerade die besondere Herausforderung der Tätigkeit aus.

Verlässlichkeit auch in Krisenzeiten

Die Schifffahrtsmärkte als Motoren der Globalisierung sind einer hohen Volatilität ausgesetzt. Dementsprechend steigen Einnahmen und Schiffswerte in wirtschaftlichen Boomzeiten mitunter in schwindelerregende Höhen, während es in Krisenzeiten schnell steil bergab gehen kann. Dann können komplizierte Verhandlungen über Restrukturierungsmaßnahmen für Finanzierungen notwendig werden, im Extremfall kommt es ggf. zur Zwangsversteigerung von Schiffen. Hier heißt es die Nerven zu bewahren und im Sinne der Bank zu bestmöglichen Ergebnissen zu gelangen, sich gleichzeitig jedoch als verlässlicher Partner des Kunden bzw. Schifffahrtsunternehmens zu erweisen. Das für schwierige Fälle notwendige Wissen im Bereich der Schiffsfinanzierung und die damit verbundenen rechtlichen und wirtschaftlichen sowie ggf. auch technischen Fragen kann man sich natürlich nicht von heute auf morgen aneignen (das wird auch nicht erwartet, zumal reizvolle Fortbildungsmöglichkeiten angeboten werden). Für den Einstieg bei einem Spezialinstitut wie der Schiffsbank sind Grundkenntnisse der Schifffahrtsmärkte und gebräuchlichen Begrifflichkeiten aber auch für Juristen ein enormer Vorteil. So sollten z. B. die gängigen Schiffstypen und -klassen bekannt sein (vgl. z. B. die Überschrift dieses Beitrags). Dies erleichtert nicht zuletzt die Kommunikation mit Kunden, ausländischen Anwälten und anderen Banken sowie die Akzeptanz bei diesen Gesprächs- und Verhandlungspartnern sehr.

Kundenorientierung, Zeitdruck und gängige Größenordnungen

Eine Dienstleistungsmentalität ist unerlässlich, da Transaktionen vielfach in einem ambitionierten Zeitrahmen umgesetzt werden. Schifffahrtsunternehmen erwarten zu Recht, dass die Mitarbeiter „ihrer“ Bank alle notwendigen Fragen zeitnah prüfen und zu akzeptablen Ergebnissen gelangen. Die hohe Kundenorientierung der Schiffsbank hat den Vorteil, dass man unmittelbare Einblicke in die Praxis erhält, zumal im Gespräch vielfach nicht nur rechtliche und wirtschaftliche Fragen aus dem Schifffahrtsbereich diskutiert und erläutert werden. Ganz schnell gewöhnen muss man sich an die gängigen Größenordnungen, die im Bereich der Schiffsfinanzierung zum Tagesgeschäft gehören: Kredite im höheren zweistelligen, in besonderen Fällen auch dreistelligen Millionenbereich sind völlig normal. Die Prüfung eines Kreditvertrages über ein Darlehen von z. B. 65 Millionen US-Dollar für die Bauzeit- und Endfinanzierung eines rund 100 Millionen US-Dollar teuren VLCC (Very Large Crude Carrier, umgangssprachlich auch Supertanker genannt) erfordert natürlich besondere Sorgfalt. Gleiches gilt für die Kontrolle der Auszahlungsvoraussetzungen einer von der Bank zu valutierenden Ablieferungstranche über 30 Millionen US-Dollar …

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