Erfahrungsbericht - Gabel, Janas & Partner, geschäftsführender Partner

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Ein Erfahrungsbericht von Sebastian Gabel

Geschäftsführender Partner bei Gabel, Janas & Partner

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensberatung? Ich studiere Physik!

Erfahrungsberichte aus der Unternehmensberatung
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Wie ist es wirklich in der Unternehmensberatung? Und wie komme ich da rein? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Unternehmensberatung" von ihren Erfahrungen.

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung".

Knapp ein Jahr, nachdem ich 2004 mein Studium der Physik begonnen hatte, kam einer meiner Kommilitonen auf mich zu. Er hatte sich gerade für eine Recruitingveranstaltung bei einer Unternehmensberatung beworben. „Da musst du auch hin!“, meinte er. Zunächst fragte ich mich, warum sich ein angehender Physiker für Unternehmensberatung interessieren sollte. Schließlich habe ich meinen ersten Lebenslauf geschrieben und mich doch beworben. Zugegebenermaßen war meine Vita nicht wirklich beeindruckend – ich war schließlich erst im zweiten Semester meines Physikstudiums. Deswegen hatte ich auch nicht damit gerechnet, von einer führenden Strategieberatung eingeladen zu werden. Überraschenderweise bekam ich zwei Tage vor der Veranstaltung einen Anruf des Organisators. Ich durfte teilnehmen.

Das erste Mal …

Pünktlich um 9:30 Uhr startete der Workshop. Als ich um 9:15 Uhr im Hotel ankam, waren die Berater schon anwesend. Das Thema des eintägigen Workshops lautete „Konsolidierung eines Autozulieferers“. Zunächst begrüßte der Organisator, die studentische Unternehmensberatung meiner Universität, alle Teilnehmer. Dann stellte sich die Unternehmensberatung vor. Nachdem die Aufgabe skizziert worden war, erarbeiteten alle Gruppen Konzepte, welche den schwächelnden Autozulieferer wieder auf die Beine bringen sollten. Nach dem Mittagessen wurde weitergearbeitet und am frühen Abend das Tageswerk präsentiert.

Insgesamt war es ein sehr anstrengender Tag. Wir arbeiteten unter enormem Zeitdruck, weil die Aufgabe für einen Tag recht ambitioniert war. Dazu kam, dass man die Teammitglieder vorher noch nie getroff en hatte. Dies war für mich eine neue Herausforderung. Das Präsentieren der Ergebnisse, welche in kurzer Zeit erarbeitet wurden, war aufregend. Maßgeblich dazu beigetragen hat vor allem, dass dies vor den Augen der „Profis“ geschah. Als ich mich abends auf den Heimweg begab, stand für mich fest, dass eine Karriere in der Unternehmensberatung eine ernst zu nehmende Option für mich ist.

Warum Unternehmensberater?

Wieso bin ich nach einem Tag zu dem Schluss gekommen, dass Unternehmensberater ein interessanter Beruf ist, und wieso hat mir die Recruitingveranstaltung dabei geholfen?

Besonders gereizt haben mich die anspruchsvollen Aufgaben, denen die Berater jeden Tag gegenüber stehen. Logisches Denken und das Lösen komplexer Probleme stehen hierbei im Vordergrund. Man kann in einem Team arbeiten, welches die besten Köpfe unterschiedlicher Studienhintergründe zusammenbringt. Dies habe ich auf der Recruitingveranstaltung zum ersten Mal erlebt. So werden Problemlösungen auf höchstem Niveau erarbeitet.

Natürlich ist es vollkommen richtig, dass das Bearbeiten einer Case nicht den gesamten Berateralltag widerspiegeln kann. Weder die Zusammenarbeit mit dem Kunden, noch das Reisen und das Leben im Hotel wird simuliert. Hier konnte man jedoch auf die direkten Erfahrungen der Berater zurückgreifen. Natürlich muss man vorsichtig sein. Die Berater haben die Aufgabe, positiv über die eigene Firma zu berichten. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl kann man jedoch ein realistisches Bild des Berateralltags erhalten.

Ich habe aber auch festgestellt, dass keine Recruitingveranstaltung ein Praktikum ersetzen kann. Dies wird jeder Berater direkt bestätigen. Stattdessen dient eine Recruitingveranstaltung einem ersten Kennenlernen. Um ein besseres Bild über die Beratung zu erhalten, ist es sicherlich sinnvoll, weitere Veranstaltungen zu besuchen oder sich sogar direkt für ein Praktikum zu bewerben. Noch tiefere Einblicke in Recruitingveranstaltungen erhielt ich im Sommer 2006, als eine neue Herausforderung auf mich zukam.

Die andere Seite – Organisation

Nachdem ich meine erste Veranstaltung besucht hatte, war mir nicht bewusst, wie entscheidend dieser Tag für meine Zukunft war und wie stark mich diese Erfahrung prägen sollte. Die nächsten zwei Jahre sollten dies deutlich machen.

Eine Woche nach meiner ersten Recruitingveranstaltung bewarb ich mich bei der studentischen Unternehmensberatung, welche die Veranstaltung organisiert hatte. Nachdem ich den Sprung vom Anwärter zum Mitglied geschafft hatte, erhielt ich meine erste Aufgabe – die Projektleitung der Recruitingveranstaltung, an der ich 2005 noch selbst teilgenommen hatte. Nun hatte ich die Möglichkeit, eine andere Seite der Recruitingveranstaltung kennen zu lernen und mir ein noch besseres Bild der Beraterbranche zu zeichnen.

2006 konnten wir fünf Unternehmensberatungen gewinnen, von der Strategieberatung über die Topmanagement-Beratung bis hin zur IT-Beratung. So unterschiedlich die Beratungsschwerpunkte waren, so unterschiedlich waren auch die Kontakte. Eines hatten alle Beratungen gemeinsam – gesucht wurden nur die Besten der Besten.

Bewerbungsprozess und Bewerberauswahl

Die Anforderungen an die Bewerber waren hoch. Bei nahezu jeder Beratung gab es Pfl ichtvoraussetzungen, um eingeladen zu werden:

  • Herausragende Noten: Man sollte zumindest zu den besten zehn Prozent seines Studiums gehören. An überdurchschnittlich

guten Studienleistungen, manchmal sogar Schulleistungen, führt kein Weg vorbei!

  • Praxiserfahrung: Zwei bis drei Praktika sind gewünscht. Hierbei sollte es sich nicht nur um Erfahrung in

der Beratungsbranche handeln.

  • Auslandserfahrung: Ob während des Studiums, während der Schulzeit oder im Rahmen eines Praktikums im

Ausland – weil interkulturelles Denken und Kontaktfreudigkeit sowie Sprachkenntnisse zum Pflichtprogramm gehören, ist Auslandserfahrung wichtig.

Selbst wenn man nicht alle dieser durchaus anspruchsvollen Anforderungen erfüllen kann, sollte man nicht aufgeben. Kann man in zwei der drei Bereiche punkten, stehen die Chancen gut. Nach dem Begutachten der Bewerbungen wurde ungefähr jeder dritte Bewerber eingeladen und durfte einen Tag lang Berater sein.

Das Feedback der Bewerber

Alles in allem war das Feedback der Bewerber eindeutig. Jeder hat aus der Veranstaltung gelernt und war froh, teilgenommen zu haben. Für manche war es klar, dass eine Laufbahn in einer Beratung nicht in Frage kommt. Andere sagten, dass sie auf jeden Fall Interesse an der Beratung hätten, jedoch weitere Firmen kennen lernen wollten. Es gab sogar Teilnehmer, die begeistert sagten: „Ich habe meinen Wunscharbeitgeber gefunden.“

Gleichgültig zu welcher Gruppe man selbst gehört, Recruitingveranstaltungen sind nicht nur ein Spielplatz für Headhunter und Beratungen, die nach neuen Mitarbeitern suchen. Im Besonderen helfen sie Interessenten, zu evaluieren, ob Unternehmensberatung ein möglicher Karriereweg ist. Wenn dies der Fall ist, kann man dann gezielt herausfi nden, welche Anforderungen die potenziellen Arbeitgeber an Bewerber stellen und vor allem, wie man diese erfüllen kann.

Ich selbst gehöre zu den Personen, die zum Ende der ersten Veranstaltung Feuer gefangen haben. Vor einem Jahr habe ich mit Marc Janas, der gemeinsam mit mir auf der eingangs erwähnten Recruitingveranstaltung gewesen ist, Gabel, Janas & Partner gegründet. Nachdem ich mein Studium abgeschlossen habe, werde ich mich bei einer der führenden Strategieberatungen bewerben, um weitere Erfahrung sammeln zu können. Dies wird mit Sicherheit bei einem der Kontakte sein, die ich auf einer der Recruitingveranstaltungen geknüpft habe.

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