Erfahrungsbericht - Fish & Richardson P.C., Patentanwältin

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Ein Erfahrungsbericht von Kristina Berg

Patentanwältin

Fish & Richardson P.C.

Inhaltsverzeichnis

Patentanwältin in einer US-amerikanischen Kanzlei

Erfahrungsberichte aus dem Patentrecht
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Was macht eigentlich ein Patentanwalt? Welche Berufswege gibt es für Patentexperten? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Patentrecht" von ihren Erfahrungen.

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Patentanwalt".

Meine Ausbildung zur Patentanwältin habe ich im März 2006 in der Kanzlei Bardehle Pagenberg in München begonnen, nach dem Abschluss meines Elektrotechnikstudiums und im Anschluss an einige Monate Forschungstätigkeit bei Bosch. Als mein Chef Herr Dr. Peterreins im Oktober 2007 die Kanzlei Bardehle Pagenberg verlassen und eine Zweigstelle der amerikanischen Patentrechtskanzlei Fish & Richardson in München gegründet hat, bin ich ebenfalls dorthin gewechselt. Ab Juni 2008 war ich im sogenannten Amtsjahr am DPMA und BPatG und habe die deutsche Prüfung im März 2009 bestanden. Seit Mai 2009 arbeite ich nun als angestellte Patentanwältin in der Kanzlei Fish & Richardson.

Die Entscheidung für den Beruf des Patentanwalts

Sowohl Technik als auch Jura haben mich schon immer sehr interessiert. Für den Beruf des Patentanwalts begeistert hat mich dann letztendlich ein Patentanwalt, der an meiner Uni eine Vorlesung zum Patentrecht gehalten hat. Der Beruf bietet die optimale Kombination der beiden Gebiete Technik und Jura. Als Patentanwalt sitzt man an der Schnittstelle und vermittelt sowohl Technikern (z. B. Erfindern im Unternehmen) die rechtlichen Aspekte als auch Juristen (z. B. Rechtsanwälten) die technischen Inhalte. Zudem muss man sich als Patentanwalt immer wieder neu in verschiedenste technische Sachverhalte einarbeiten, sich gleichzeitig aber auch in rechtlicher Hinsicht ständig weiterbilden. Dem Patentanwalt stellen sich stets neue Herausforderungen – in technischer, rechtlicher, aber auch in unternehmerischer Hinsicht. Kurz gesagt: Es ist jeden Tag aufs Neue spannend.

Kriterien für die Auswahl meines Ausbildungsbetriebs

Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz habe ich mich hauptsächlich bei größeren Patentanwaltskanzleien beworben. Wichtig war mir dabei, dass ich sowohl auf dem Gebiet der Patentanmeldungen als auch auf dem Gebiet der Patentrechtsstreitigkeiten (wie z. B. Einsprüche, Nichtigkeitsklagen und Verletzungsklagen) ausgebildet wurde. Außerdem waren Faktoren wie Zeit bis zur Meldung als Patentanwaltskandidatin, Umfang der Übersetzungstätigkeit und Praktikum im Ausland für mich von Bedeutung. Durch den Wechsel zu einer amerikanischen Kanzlei während meiner Ausbildungszeit bot sich für mich zudem die Möglichkeit, meine Verbindungen nach Amerika weiter auszubauen, nachdem ich zuvor bereits zwei Jahre in den USA gelebt hatte.

Mein Berufsalltag – während und nach der Ausbildung

Meine Ausbildung hat mich bereits sehr gut auf den Berufsalltag als Patentanwältin vorbereitet, da ich von Anfang an aktiv an Fällen arbeiten durfte und auch früh Erfahrungen im Kontakt mit Mandanten sammeln konnte. Da ich als Patentanwaltskandidatin beim Aufbau unserer Münchner Zweigstelle dabei war, habe ich zudem Einblick in viele Bereiche erhalten, die insbesondere auch für einen selbstständigen Patentanwalt mit eigener Kanzlei äußerst wichtig sind (wie z. B. Kanzleiorganisation, Aktenführung etc.).

Ein wesentlicher Aspekt unseres Berufs ist sicherlich, dass man stets eine hohe Verantwortung für seine Arbeit zu tragen hat, vor allem da die einzelnen Fälle oft eine große wirtschaftliche Bedeutung für den Mandanten haben. Als Patentanwalt haftet man im Zweifelsfall für seine beruflichen Fehler. Außerdem muss man sich stets dessen bewusst sein, dass man als Patentanwalt Dienstleister für den Mandanten ist. Da kann es auch schon einmal vorkommen, dass man sehr schnell und kurzfristig handeln muss, z. B. wenn es darum geht, Fristen zu wahren.

Zurzeit arbeite ich sowohl auf dem Gebiet der Patentanmeldungen als auch auf dem Gebiet der Patentrechtsstreitigkeiten. Ich habe einige feste Mandanten, die ich betreue. Da unsere noch junge Zweigstelle aber stetig weiter wächst, kommen immer wieder neue Aufgaben dazu. Die meiste Zeit verbringe ich sicherlich am Schreibtisch in meinem Büro. Telefon- oder Videokonferenzen mit Kollegen in den USA sind an der Tagesordnung. Es stehen aber auch öfter Verhandlungstermine oder Besprechungen mit Mandanten an. Da ich in einer amerikanischen Kanzlei arbeite, ist aufgrund der Zeitverschiebung der Nachmittag bzw. der Abend die geschäftigste Zeit des Tages. Es ist äußerst spannend, in diesem globalen Umfeld zu arbeiten.

Tipps für Interessenten

Zuerst sollte man sich wirklich fragen, ob der Beruf für einen geeignet ist bzw. ob man für diesen Beruf geeignet ist. Hierzu sollte man sich seiner eigenen Interessen und Fähigkeiten bewusst werden und überlegen, ob diese zu dem Berufsbild passen. Dann ist die Auswahl der geeigneten Ausbildungskanzlei von erheblicher Bedeutung, da die patentanwaltliche Grundausbildung für die weitere Karriereentwicklung ein sehr wichtiger Aspekt ist. Essenziell ist natürlich auch, dass man mit dem ausbildenden Patentanwalt zurechtkommt und dass dieser als Patentanwalt kompetent ist.

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