Erfahrungsbericht - Fish & Richardson P. C., Patentanwaltskandidat
Erfahrungsberichte aus dem Patentrecht
Was macht eigentlich ein Patentanwalt? Welche Berufswege gibt es für Patentexperten? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Patentrecht" von ihren Erfahrungen. Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Patentanwalt". |
Ein Erfahrungsbericht von Felix Glöckler
Patentanwaltskandidat bei Fish & Richardson P. C.
Inhaltsverzeichnis |
Als Kandidat im deutschen Büro einer US-Kanzlei
Auf den Patentanwaltsberuf war ich in einer Vorlesung zu Beginn meines Studiums aufmerksam geworden. Obwohl ich den Bereich den ersten Eindrücken nach sehr spannend fand, habe ich mich zunächst für einen anderen Karriereweg entschieden. Einige Jahre später bin ich nun doch in einer Patentanwaltskanzlei gelandet. Da ich noch nicht allzu viel über meine Erfahrungen im Beruf berichten kann, überlasse ich das den erfahreneren Kollegen auf den nächsten Seiten. Ich werde lieber einige Takte dazu sagen, wieso ich mich für den Beruf und meine heutige Stelle entschieden habe.
Wieso Patentanwalt?
Wie bei so vielen stand für mich bei der Entscheidung für den Beruf ein Interesse für die Arbeit zwischen Technik und Recht im Vordergrund. Daneben war es mir wichtig, zumindest mittelfristig als Selbstständiger arbeiten zu können, also einen gewissen Einfluss auf den Ablauf und die Menge meiner Arbeit nehmen zu können. Interessanterweise habe ich mich erst zum Ende meiner Bewerbungsphase mit der konkreten Tätigkeit des Patentanwalts beschäftigt. Aus einigen Anfragen von interessierten Freunden und Ex-Kollegen weiß ich, dass das nicht nur mir so geht. Daher empfehle ich jedem, sich frühzeitig genauer zu informieren, was man als Patentanwalt täglich treibt.
Genau diese tägliche Arbeit war für mich zunächst eine ziemlich große Umstellung. Ich verbringe – trotz aller Telefonkonferenzen und Besprechungen mit Ausbildern – einen großen Teil des Arbeitstages mit „meinen“ Akten am Schreibtisch. Auch wenn mit zunehmender Berufserfahrung der Anteil dieser Tätigkeiten abnehmen mag, sollte einem diese Arbeit mit Texten im „stillen Kämmerlein“ doch Spaß machen. Wer gerne von Meeting zu Meeting hechtet, wird auf Dauer keine Freude haben. Solche Details machen meiner Meinung nach – eher als fünf Tage mehr oder weniger Urlaub – den Unterschied, ob man sich in einem Beruf auf Dauer wohl fühlt oder nicht. Gerade in der Patentwelt ist die Variationsbreite der Tätigkeitsbilder nicht beliebig groß. Daher sollte man sich schon vor der ersten Bewerbung darüber klar werden, ob der Beruf zu einem passt.
Welche Kanzlei?
Hat man sich schließlich entschieden, die Ausbildung zum Patentanwalt zu absolvieren, geht es im nächsten Schritt um die Wahl eines passenden Ausbildungsplatzes. Dazu gibt es in meinen Augen relativ wenig Allgemeingültiges zu sagen. Ich selbst fand die Konstellation spannend, in einem relativ kleinen Team zu arbeiten, das aber Teil eines ziemlich großen (US-amerikanischen) Ladens ist. Außerdem haben mich meine jetzigen Kollegen persönlich und fachlich überzeugt. Da ich mich in meinen ersten 18 Monaten in der Kanzlei sehr gut aufgehoben fühle, glaube ich, dass die Wahl anhand dieser Kriterien keine schlechte war. Ich würde daher jedem empfehlen, sich einige Kanzleien anzusehen und auch ruhig die Leute dort ausgiebig zu befragen. Ich fand es wichtig, die Personen zu treffen, mit denen ich später zusammenarbeiten würde. Das war nicht in jedem Bewerbungsprozess der Fall.
Noch schwieriger als die Qualität der Ausbildung sind die Karrieremöglichkeiten in einer konkreten Kanzlei einzuschätzen. Zwar kann man durch Internetrecherche (zur Struktur und Entwicklung der Kanzlei etc.) und in Gesprächen das eine oder andere herausfinden, eine belastbare Einschätzung fiel mir aber trotzdem schwer. Einen Anhaltspunkt für langfristiges Interesse an einer Zusammenarbeit bietet möglicherweise die Aufmerksamkeit, die einem während der Ausbildung gewidmet wird. Schließlich will wohl niemand viel Zeit und Mühe in einen Kandidaten investieren, wenn er davon ausgeht, diese Investition nach zwei oder drei Jahren wieder vor die Tür zu setzen.
Meiner Meinung nach geht es für die Ausbildung vornehmlich darum, eine Kanzlei zu finden, in der sich möglichst fähige Leute möglichst intensiv um einen kümmern.
Wie sieht es langfristig aus?
Ein weiterer Aspekt, der mich in der Bewerbungsphase beschäftigte, waren die allgemeinen Aussichten in der Branche. Schließlich entscheidet man sich mit dem Schritt in die Patentbranche doch für eine ziemlich übersichtliche Nische, aus der man nach einigen Jahren nicht so einfach wechseln kann. Man liest hier und da – vor allem in einschlägigen Foren – von katastrophalen Folgen, die ein vermeintliches Überangebot an Patentanwälten auf die Arbeits- und Gehaltssituation haben soll. Gleichzeitig bewegt sich aber das Gehaltsniveau in der Branche in mehr als respektablen Gefilden. Daher bestehen meiner Ansicht nach zumindest in mittlerer Zukunft berechtigte Hoffnungen, sich oder seine Familie als Patentanwalt ernähren zu können (sogar in München).
Im Ganzen gesehen bin ich mit meiner Berufs- und Kanzleiwahl daher sehr zufrieden.