Erfahrungsbericht - FPS Rechtsanwälte und Notare, Wirtschaftsmediatorin

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Ein Erfahrungsbericht von Dr. Elisabeth Schütze

Rechtsanwältin und Wirtschaftsmediatorin

FPS Rechtsanwälte und Notare Fritze Wicke Seelig

Inhaltsverzeichnis

Wirtschaftsmediation – ein Job für analytische Querdenker

Erfahrungsberichte von Juristen
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Welche Berufsfelder gibt es für Juristen? Referendare, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Perspektiven für Juristen" von ihren Erfahrungen.

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektiven für Juristen".

Wirtschaftsmediation ist ein strukturiertes Verfahren, in dem Parteien unter Anleitung eines Mediators selbst maßgeschneiderte Lösungen für einen zwischen ihnen bestehenden Konflikt erarbeiten.

Ein Job für analytische Querdenker

Was die Tätigkeit als Wirtschaftsmediator so attraktiv macht? Zunächst einmal ist diese Arbeit etwas für Querdenker, die nicht nur juristisch tätig sein wollen, sondern in der Zusammenarbeit mit Menschen über sich hinauswachsen wollen. Allein die Ausbildung zum Wirtschaftsmediator bietet dem Absolventen die Möglichkeit, das eigene Kommunikationsverhalten und die Interaktion mit anderen auf den Prüfstein zu stellen. In den zumeist sehr praxisorientierten Modulen lernt man unter anderem in Rollenspielen, was es beispielsweise heißt, durch die sorgfältige Arbeit des Mediators Schritt für Schritt vom Konfliktmodus in den Lösungsmodus geführt zu werden. Aber auch Kommunikationstheorien, wie z. B. die Lehren von Schulz von Thun, sind Gegenstand des Lehrplans. Die Arbeit als Wirtschaftsmediator hat freilich nichts gemein mit den immer wieder geäußerten Vorurteilen vom „Sitzkreis“, „gemeinsamen Teetrinken“ und „sich wieder lieb haben“. Es geht vielmehr um die nicht zu unterschätzende Anforderung an den Mediator, die Medianten und ihre unversöhnlich scheinenden Standpunkte zu verstehen. Das gilt vor allem für das, was hinter den Standpunkten steht und bisher allenfalls „zwischen den Zeilen“ von den Parteien thematisiert wurde. Gerade dieser Bestandteil des mehrstufigen Mediationsverfahrens, das Erkennen der hinter den Standpunkten stehenden Interessen und Bedürfnisse der Parteien, holt diese vom Konfliktmodus zurück in den Lösungsmodus und schafft dadurch die Grundlage für die Beilegung der Auseinandersetzung. Für diese Arbeit braucht man Fingerspitzengefühl, man sollte offen, flexibel, spontan und vor allem neugierig auf Menschen und auf das sein, was sie bewegt. Daneben braucht man Selbstvertrauen und sachlich-analytische Fähigkeiten. Denn insbesondere in der Wirtschaftsmediation wollen die Mandanten keine Psychologen, die ihnen das „Händchen halten“, sondern Berater, die ihnen dabei helfen, sachlich, zielorientiert und strukturiert einen zumeist lästigen, häufig kostenintensiven und nervenraubenden Konflikt zu lösen.

Langeweile ist hier ein Fremdwort

Die Aufgabe kann zum Beispiel darin bestehen, acht zerstrittene Gesellschafter, die sich über die künftige Unternehmensstrategie nicht einigen können, dabei zu unterstützen, einen gemeinsamen Kurs für ihr Unternehmen zu erarbeiten. In so einer Mediation, die ergebnisoffen in den Händen der Medianten liegt und durch einen guten Mediator nur begleitet wird, kann alles passieren: von heftigen Auseinandersetzungen bis zu der lapidaren Feststellung der Medianten am Ende eines mehrtägigen Verfahrens, dass doch „alles ganz easy“ war. Langweilig wird es jedenfalls bei dieser Arbeit nie.

Prozessanwalt und Mediator: die ideale Kombination

Wer aber nur als Mediator tätig sein möchte, der springt jedenfalls in diesen Zeiten zu kurz. Die Tätigkeit in der Wirtschaftsmediation ist ein attraktives Zubrot, eine Zusatzdienstleistung, die Kanzleien einer gewissen Größenordnung in ihrem Dienstleistungs-Portfolio haben sollten. Aber allein mit Wirtschaftsmediation können heute die wenigsten Kollegen ihren Arbeitsalltag füllen. Für die meisten Juristen kommt eine reine Mediationstätigkeit ohnehin nicht in Betracht, denn schließlich möchte man ja auch nicht umsonst Jura studiert haben. Gerade die Kombination aus der klassischen Arbeit eines Prozessanwaltes in Wirtschaftsstreitigkeiten und der Zusatzqualifikation zum Wirtschaftsmediator ist nach meinem Dafürhalten die ideale Symbiose. Denn so können wir unseren Mandanten zu einer Mediation raten und sie in einer Mediation kompetent unterstützen, wenn es gute Gründe gibt, sich nicht zu streiten; beispielsweise, weil eine langjährige und fruchtbare Geschäftsbeziehung auf dem Spiel steht oder eine zeitnahe Entscheidung unbedingt notwendig ist. Wir sind aber auch „streitlustig“ genug, um Mediation überhaupt nur dann ins Spiel zu bringen, wenn sie wirklich sinnvoll ist. Dies gilt z. B. für Gesellschafterstreitigkeiten, im Bereich der familiären Unternehmensnachfolge, aber auch bei Auseinandersetzungen zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung.

Fazit

Die Tätigkeit als Wirtschaftsmediator ist etwas für Querdenker, die Spaß am Umgang mit Menschen haben und denen gleichwohl ihre sachlich-analytischen Wurzeln aus der juristischen Ausbildung wichtig sind. Wer hier mit Enthusiasmus und Energie dabei ist, lernt viel über sich und andere und bietet zugleich seinen Mandanten eine attraktive und innovative Zusatzdienstleistung.

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