Erfahrungsbericht - A.T. Kearney, Berater

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Ein Erfahrungsbericht von Claudia und Matthias Witzemann

Berater bei A.T. Kearney

Inhaltsverzeichnis

Flexible (Berater-)Familie

Erfahrungsberichte aus der Unternehmensberatung
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Wie ist es wirklich in der Unternehmensberatung? Und wie komme ich da rein? Praktikanten, Jobeinsteiger und Berufserfahrene berichten in der neuen Rubrik "Unternehmensberatung" von ihren Erfahrungen.

Dieser Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch "Perspektive Unternehmensberatung".

Nach wie vor gelten Unternehmensberatungen als Orte, an denen sehr viel und intensiv gearbeitet und schnell Karriere gemacht wird. Freizeit, Familie und die private Entwicklung bleiben dabei jedoch oft auf der Strecke. Es geht aber auch anders – wie, zeigt das Beispiel der „Berater-Familie“ Witzemann aus Wien. Gerade einmal drei Wochen nach seinem Einstieg bei der Topmanagement-Beratung A.T. Kearney vor acht Jahren hatte Matthias Witzemann eine Begegnung, die sein ganzes Leben grundlegend verändern sollte: Im Münchner Büro lernte er die ebenfalls neu eingestiegene Beraterin Claudia kennen – und lieben. Die beiden wurden ein Paar – konnten sich jedoch zunächst nur an den Wochenenden sehen. Die für beide sehr erfolgreich verlaufende Karriere wurde bestimmt vom beratungstypischen Rhythmus zwischen Präsenz beim Kunden von Montag bis Donnerstag, Office Fridays und anschließenden gemeinsamen Wochenenden. So lebten die beiden jahrelang zusammen und stiegen Stufe um Stufe zu Managern auf. Der Spaß am intensiven Beraterleben mit seinen vielseitigen Projekten konnte das „Opfer“, unter der Woche nur telefonieren zu können und sich nur am Wochenende zu sehen, einige Jahre ausgleichen.

Hochzeitsglocken lassen aufhorchen …

Irgendwann beschlossen sie zu heiraten und auf der anschließenden ausgedehnten Hochzeitsreise durch Australien und Neuseeland – für die sich beide extra eine zweimonatige Auszeit genommen hatten – hatten Sie erstmals die Möglichkeit, mehrere Wochen ununterbrochen miteinander zu verbringen. Das „Experiment“ glückte und irgendwann im letzten Jahr reifte der Wunsch, eine Familie zu gründen. Die einzige Frage war, ob das flexible Beraterleben mit einem Kind vereinbar sein würde. Vielleicht war ja ein Wechsel in die Industrie die Lösung? So könnte wenigstens einer von ihnen ständig in der Nähe des Kindes sein.

… und ein neues Teammitglied ändert alles

Seit nunmehr elf Monaten sind die beiden Berater nun auch Eltern einer Tochter und es zeigt sich, dass alle Gedanken über einen Wechsel des Arbeitsgebers, um Familie und Beruf besser miteinander verbinden zu können, unnötig gewesen waren. Denn als sie A.T. Kearneys Zentraleuropa-Chef Dietrich Neumann vom anstehenden Nachwuchs berichteten, bot er sofort an, in einer offen geführten Diskussion eine optimale Lösung zu finden und diese dann auch gemeinsam umzusetzen. Erst kurz zuvor hatte Neumann das Programm „Life@A.T. Kearney“ aus der Taufe gehoben, um seinen Beratern in jeder Lebensphase die richtige Balance zwischen Familie und Beruf – sowohl für Männer als auch für Frauen – zu ermöglichen. Allen soll eine erfolgreiche Karriere ermöglicht werden – gleichzeitig aber auch ausreichend Freiraum, Unterstützung und vor allem maximale Flexibilität für Privat- und Familienleben sowie ehrenamtliches Engagement gegeben werden.

Aktuell arbeiten Matthias und Claudia Witzemann blockweise jeweils zwei Monate. Momentan ist Matthias Vollzeitvater. Damit seine Projekte in dieser Zeit weiterlaufen, hat er Arbeitspakete für sein Team geschnürt – und ist für Fragen und richtungweisende Meetings natürlich immer verfügbar. Sein zweimonatiges „Vater-Projekt“ ist mit A.T. Kearneys Staffing-Abteilung exakt geplant und vor allem auch für den Kunden kein Problem. Überall trifft er auf sehr viel Verständnis.

Im Moment arbeitet Claudia bei einem Kunden, den sie bereits auch schon während ihrer Schwangerschaft betreut hat. Die Kunden haben in den letzten Monaten, in denen Claudia bei ihrer Tochter war, die Ergebnisse des letzten Projektes intern umgesetzt. Derzeit erarbeitet Claudia gemeinsam mit ihren Kunden weitere Verbesserungsvorschläge. Diese werden dann in den nächsten zwei Monaten wiederum unternehmensintern umgesetzt, während Claudia wieder bei ihrer Tochter ist. Natürlich ist Claudia in dieser Phase sowohl per E-Mail als auch telefonisch für alle Fragen ihrer Kunden stets erreichbar. Claudias Kunden finden dieses Modell nicht nur sehr interessant und spannend, sondern auch zukunftsweisend: Sie überlegen bereits, ähnliche Möglichkeiten für die eigenen Mitarbeiter einzuführen.

Modus Flexibilität

Die flexible Beraterfamilie wird schon bald auf einen anderen Rhythmus umstellen. Matthias wird vier Tage pro Woche arbeiten, Claudia drei. Reisen organisiert das Paar dann so, dass jederzeit einer der beiden in Wien und damit in der Nähe der Tochter bleibt. Matthias wird also drei Tage vor Ort bei seinen Kunden sein und einen Tag vom Wiener Büro aus seine Kunden betreuen. Claudia wird zwei Tage bei ihren Kunden sein und einen Tag im Büro. Hier zeigt sich die enorme Flexibilität der Projektarbeit in einer Unternehmensberatung mit einem attraktiven und zukunftsträchtigen Arbeitsmodell, das in einem Industrieunternehmen kaum erreicht werden könnte.

Sowohl Claudia als auch Matthias sind sehr froh, dass sie ihre Tätigkeit als Projektleiter in einer Unternehmensberatung genauso wie vor der Geburt ihrer Tochter ausführen können. Beide profitieren dabei von der flexiblen Projektarbeit in Unternehmensberatungen. Sie ermöglicht sowohl der Mutter als auch dem Vater, umfassend für ihre Tochter da zu sein und gleichzeitig einer sehr anspruchsvollen und spannenden Tätigkeit nachzugehen – nahezu unmöglich in einem „normalen“ Industrieunternehmen.

Und manchmal, wenn Matthias mit älteren Kollegen spricht, meint er, versonnene Blicke wahrzunehmen. So als würden sie sich fragen, warum sie es nicht selbst so gemacht haben, als sie Väter wurden. Die Kolleginnen bewundern vor allem eines: den für die Branche (noch) ungewöhnlichen und mutigen Weg, den die flexible Berater-Familie gemeinsam eingeschlagen hat.

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