Deutsche Journalistenschule (DJS)
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Die Deutsche Journalistenschule München ist eine der renommiertesten in Deutschland. Sie liegt im Herzen der Altstadt am Altheimer Eck direkt am Marienplatz. Viele bekannte Journalisten haben dort die Ausbildung durchlaufen, u.a. Günther Jauch, Sandra Maischberger oder Andreas Petzold und viele von ihnen zählen heute zu den Dozenten der Schule. Die DJS bietet eine crossmediale Ausbildung, d.h. die Schüler werden in vier journalistischen Jargons unterrichtet: Print-, Hörfunk-, TV- und Online-Journalismus.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Grundlegendes zur Deutschen Journalistenschule
[Bearbeiten] Wann?
Die Anmeldefrist endet stets zum 10. Dezember. Bis dahin muss der Kandidat die Unterlagen anfordern und seine Bewerbung bis Mitte Januar an die DJS schicken. Dazu gehören eine Reportage, der Rechercheweg und ein einseitiger ausformulierter Lebenslauf. Ende März erhalten die 150 besten Kandidaten eine Einladung zum zweitägigen Auswahlverfahren, das Ende April in München stattfindet. Die beiden Masterklassen beginnen im Oktober, der Kompaktkurs startet im November.
[Bearbeiten] Unterschied?
Voraussetzung für den Masterstudiengang ist ein abgeschlossener Bachelor. Die Fachrichtung spielt dabei keine Rolle. Der Master dauert vier Semester, von denen die Studenten das erste Semester an der Uni verbringen. Im zweiten und dritten Semester werden sie hauptsächlich an der DJS unterrichtet und absolvieren ihr erstes Praktikum. Im vierten Semester stehen die Masterarbeit und das zweite Praktikum auf dem Programm.
Im Kompaktkurs verbringen die Journalistenschüler neun Monate an der DJS und trainieren Print-, Hörfunk-, Fernseh- und Onlinejournalismus. Anschließend folgen zwei dreimonatige Praktika, von denen das erste bei einer Tageszeitung oder einem tagesaktuellen Onlineportal absolviert werden muss. Die zweite Praktikumsredaktion können sie frei wählen.
[Bearbeiten] Wie viele?
Die DJS nimmt in jeder Klasse 15 Schüler auf. Insgesamt sind es also 45 Personen jährlich, die in den Genuss der Ausbildung kommen.
[Bearbeiten] Kosten?
Die DJS selbst kostet nichts. Sie wird von mehr als 40 Organisationen (Stiftungen, Verbände, Verlage, Parteien etc.) gefördert und ist verlagsunabhängig. Lediglich die Studenten der Masterklasse zahlen Semestergebühren an die Universität. Für Studierende, die die Ausbildung selbst nicht finanzieren können, stehen einige Stipendien zur Verfügung.
[Bearbeiten] Abschluss?
Die DJS bescheinigt den Teilnehmern der Kompaktklasse die Ausbildung. Sie ist jedoch wesentlich mehr wert als eine bloße "Teilnahmebestätigung". Die Absolventen des Masterstudiengangs erhalten zusätzlich ihr Universitätszeugnis. Voraussetzung dafür ist eine Masterarbeit in Kommunikationswissenschaft am Ende der Ausbildung.
[Bearbeiten] Aufnahmeprüfung
[Bearbeiten] Die erste Hürde: eine selbst angefertigte Reportage
Rund 2000 Personen fordern jährlich die Bewerbungsunterlagen an. Knapp die Hälfte bewirbt sich tatsächlich. Die erste Hürde stellt eine selbst angefertigte Reportage mit max. 5000 Zeichen dar. Im Auswahlverfahren 2009/10 standen folgende Themen zur Auswahl:
- "Ein Star? Oder ein Sternchen?": Arrangieren und beschreiben Sie ein Treffen mit der – für Sie persönlich – prominentesten Person, die Sie immer schon mal kennen lernen wollten.
- "Gevatter Tod, ganz nah": Manche Menschen haben Berufe, die ihnen die Endlichkeit des Lebens ständig vor Augen führen: Krankenschwestern und Pfleger, Schreiner, Leichenredner, Autobahnpolizisten und viele andere. Porträtieren Sie einen dieser Menschen; schildern Sie, wie sie oder er lebt, arbeitet und mit der Nähe des Todes umgeht.
- "Klimakatastrophe? Nicht mit mir.": Hochleistungsbatterien für Elektroautos, Algenplantagen, um Biotreibstoffe zu gewinnen, Strom aus Kuhmist – drei von vielen technischen Entwicklungen, die zum Schutz des Klimas beitragen können. Beschreiben Sie einen Wissenschaftler, Ingenieur, Erfinder oder Tüftler, der sich der Rettung der Erde vor dem Hitzekollaps verschrieben hat. (Natürlich kann es auch eine Frau sein.)
- "Piraten ahoi!": Sind sie die modernste Partei Deutschlands oder nur ein Studentenjux? Im Superwahljahr machte die Piratenpartei von sich reden, gründete Ortsverbände in ganz Deutschland. Doch was machen die Piraten nach der Wahl? Meinen sie es ernst mit der Politik – jetzt nach dem Spaßwahlkampf? Besuchen Sie die Piraten vor Ort.
Zusammen mit der Reportage reicht jeder Bewerber eine Beschreibung des Recherchewegs ein, in der er die Kontaktdaten seiner Interviewpartner, besuchte Institutionen etc. nennt.
[Bearbeiten] Auswahltage in München
Die Auswahltage in München bestehen aus einem Bildertest, einem Fragebogen und einer Schreibübung am ersten Tag, sowie einem Bewerbungsgespräch am zweiten Tag.
[Bearbeiten] Bildertest
Die Kandidaten sollen zwölf Szenen erkennen. Zu jedem Bild gibt es eine Frage, die man sehr genau lesen sollte, da es nicht immer darum geht, die Person zu erkennen. Manchmal ist auch der Ort gefragt, an dem das Bild aufgenommen wurde. Für die zwölf Bilder hat man zwölf Minuten Zeit. 2010 sahen die Bewerber beispielsweise folgende Bilder:
- Bronzestatue: Wie heißt der Bildhauer? (Diego Giacometti)
- Kunduz-Bombardement: Ein Politiker trat zurück, zwei Personen wurden entlassen. Wie heißen Sie? (Franz Josef Jung, Wolfgang Schneiderhan, Peter Wichert)
- Minarette: Welches Land entschied sich gegen den Bau neuer Minarette? (Schweiz)
- Herta Müller: Wo wurde Sie geboren? (Rumänien)
- Angela Merkel und die Büste der Nofretete: Wo sind die beiden sich „begegnet“? (Ägyptisches Museum, Berlin)
[Bearbeiten] Wissenstest
Hilfreich für die Vorbereitung sind verschiedene Jahresrückblicke (ZEIT, Süddeutsche Zeitung, SPIEGEL, stern, BILD), da es um Themen geht, die im letzten halben Jahr durch die Presse gingen. Zusätzlich gehören tägliches Zeitungslesen und nach Möglichkeit verschiedene Nachrichtensendungen zum Pflichtprogramm. Auch wenn man sich fest vorgenommen hat ein seriöser Wirtschaftsjournalist zu werden, lohnt es sich, für die Vorbereitung auf den Test BILD, Gala oder Bunte zu lesen und sich anstehende Adelshochzeiten oder Promi-Eskapaden zu merken. 24 Fragen sollen in 20 Minuten beantwortet werden. Hier ein paar Beispielsfragen des letzten Auswahlverfahrens:
- Nennen Sie zwei Gesetze, die in letzter Zeit vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt wurden. (Hartz-IV-Sätze für Kinder; Vorratsdatenspeicherung)
- Wo wurde Chopin geboren? (Polen)
- In welchem Land kam im Januar und im März zu heftigen Ausschreitungen zwischen Christen und Moslems? (Nigeria)
- Wofür wollte man auf der Weltklimakonferenz in Kopenhagen ein Nachfolgeabkommen finden? (Kyoto-Protokoll) Was sollte dadurch verringert werden? (Co2-Ausstoß)
- Mit wem verbinden Sie die Zahl 9,58? (Usain Bolt, jamaikanischer Leichtathlet)
[Bearbeiten] Schreibübung
Im Gegensatz zu anderen Journalistenschulen, wie beispielsweise der Hamburger Henri-Nannen-Schule (HNS), werden die Bewerber für die Recherche nicht zu einer Veranstaltung geschickt. Stattdessen sehen sie einen Beitrag aus einem Fernsehmagazin, dessen Fakten sie dann für einen Zeitungsartikel mit maximal 50 Zeilen verwenden sollen. Dafür haben sie zwei Stunden Zeit. Wer am liebsten zu Hause im stillen Kämmerlein arbeitet, sollte vorher üben, trotz Krach und Hektik zu schreiben. Denn beim Auswahlverfahren sitzt man mit mehreren Bewerbern in einem Raum: Manche tippen und rascheln mit Papier, andere essen und trinken und der nächste druckt seinen Text aus. Die Arbeitsbedingungen sind wie in einer echten Großraumredaktion.
Das Bewerbungsgespräch erfordert mehr Energie als der dreiteilige Prüfungstag zuvor. Eine Wand von acht Menschen mitten aus dem journalistischen Leben (aus Lehre und Praxis) fordert den Bewerber gedanklich heraus und möchte schlicht und ergreifend herausfinden, wie die Leute "ticken". Dazu haben alle den Lebenslauf des Kandidaten/der Kandidatin vor sich liegen. Drei Bewerber sitzen jeweils zusammen und werden manchmal der Reihe nach, manchmal kreuz und quer befragt.
Wichtig ist, sich die Klassikerfragen vorher genau zu überlegen und stimmig begründen zu können. Dazu gehören:
- Warum wollen Sie Journalist werden?
- In welchem Ressort möchten Sie arbeiten?
- Braucht man überhaupt noch Journalisten oder wird es künftig nur noch Blogger und Hobby-Autoren geben?
Bei allen Fragen zählt eine schlüssige Argumentation mehr als die eigentliche Begründung: Wenn ich einen guten Grund dafür habe, kann ich auch sagen, dass ich Auslandskorrespondent in Österreich werden möchte. Wer Kulturredakteur werden will, sollte den einen oder anderen Kulturredakteur kennen. Das heißt nicht, dass er ihn gut finden muss, aber von ihm gehört haben sollte man. Wer Biologie studiert, sollte ein paar Wissenschaftssendungen oder –magazine kennen und wer sich im Studium mit Afghanistan beschäftigt, sollte erklären können, aus welchem Grund die Bundeswehr dort im Einsatz ist.
Die Jury versucht bewusst jedes Argument umzudrehen und immer neue Gegenargumente zu finden. Es ist ganz normal, dass nicht nur ein Jurymitglied redet, sondern dass sich ständig alle ins Wort fallen und mehrere Fragen parallel gestellt werden. Davon sollte man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, sondern freundlich aber bestimmt bei seiner Meinung bleiben und bei provozierenden Fragen auf keinen Fall klein beigeben.
[Bearbeiten] Erfahrungsbericht und Tipps
Niemand sollte sich darauf versteifen, auf die DJS München zu gelangen. Das ist zwar nicht einfach, befreit aber den Kopf vom langwierigen Prüfungsverfahren und macht es angenehmer, die Zeit durchzustehen, bis zumindest mal die Einladung (oder die Ablehnung) zu den Prüfungstagen ankommt. Schließlich ist die reine Wahrscheinlichkeit bereits sehr gering, dass man auf die DJS gelangt.
Das Quäntchen Glück und positives Denken gehören sicherlich dazu.
Hartnäckig zu sein lohnt sich oft (Reportage von Jan Weiler). Das soll aber nicht heißen, beim Bewerbungsgespräch provokativ zu sein. Aber auf provokative Fragen sollte man sich einstellen. Nicht verstellen! Die Anspannung ist in der Situation ziemlich groß. Kein Platz für Schauspielerei. Es kann sich lohnen, die Tage zuvor die Szenerie nachzustellen. Man nehme dazu einen Mitbewohner, der gerne fiese Fragen stellt und setze sich gegenüber. Bittet ihn oder sie unterschiedliche, möglichst viele und fast feindliche Fragen zu stellen. Legt euch für die ein oder andere Frage ein As im Ärmel bereit.
Grenzen muss der Bewerber auch aufzeigen. Bei zu persönlichen Fragen muss man eben diese Eigenschaft der Frage deutlich aber freundlich klarstellen.
Etwa zwei Wochen nach dem Auswahlverfahren erhalten die Bewerber eine schriftliche Zu- oder Absage.
