Charité Berlin
Die Charité in Berlin zählt zu den größten und bedeutendsten Universitätskliniken Europas. Seit ihrer Gründung als Pesthaus vor den Toren Berlins 1710 hat die Charité über die Hälfte der deutschen Nobelpreisträger für Medizin und Physiologie hervorgebracht. Heute setzt sich die Charité aus den vier Standorten Campus Benjamin Franklin (CBF), Campus Berlin Buch (CBB), Campus Charité Mitte (CCM) und Campus Virchow-Klinikum (CVK) zusammen. Mit über 13.000 Mitarbeitern gehört die Charité zu den größten Arbeitgebern Berlins. Unter dem Namen Charité - Universitätsmedizin Berlin sind seit 2003 die medizinischen Fakultäten der Humboldt- und Freien Universität Berlin vereint. Mehr als 7000 Studenten studieren aktuell in den zahlreichen grundständigen und weiterführenden Studiengängen oder den Graduiertenkollegs.
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Standorte
Campus Charité Mitte
Im Jahre 1710 ließ der König von Preußen, Friedrich I., die Charité als Pesthaus errichten. Allerdings wurde die Stadt von der Pest verschont und somit wurde die Charité zur Hospiz für die arme Bevölkerung und Entbindungsstation für uneheliche Schwangere. 1727 wurde die Charité von König Friedrich Wilhelm I. zum „Lazarett und Hospital“ umfunktioniert. Durch eine beträchtliche Erhöhung des Etats erlangte die Charité medizinische Bedeutung. Ebenfalls fungierte das Haus nun als Lehrstelle für angehende Militärärzte. Da die Räumlichkeiten dem wachsenden Aufgabenbereich nicht gerecht werden konnten, wurde die Charité zwischen 1785-1797 erstmals abgerissen. Bis 1945 behielt die Charité ihre große Bedeutung für die Ausbildung von Militärärzten. Für die universitäre Ausbildung ziviler Ärzte war jedoch die Berliner Universität (gegr. 1810) zuständig. Die Universität errichtete viele ihrer Kliniken auf dem Charitégelände oder in unmittelbarer Nachbarschaft. Bis 1927 waren alle Universitätskliniken in die Charité umgezogen. Damit bekam die Charité endgültig den Status „Universitätsklinikum“. In der DDR fand 1951 die offizielle Vereinigung der beiden Institutionen zur Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität statt. Da große Teile des Geländes im zweiten Weltkrieg zerstört wurden, wurde unter DDR-Herrschaft der Wiederaufbau eingeleitet, der auch die Errichtung einiger neuer Kliniken beinhaltete. So wurde um 1980 das bekannte, 21-geschössige Bettenhochhaus in der Luisenstraße erbaut. Seit 2003 ist ebenfalls die Medizinische Fakultät der Freien Universität Berlin Teil der Charité – Universitätsmedizin Berlin.
Campus Berlin Buch
Zwischen 1900 und 1920 entstand mit insgesamt mehr als 5000 Betten die größte Krankenhausstadt Europas. Dadurch wurde dieser Standort besonders interessant für medizinische Lehr- und Forschungseinrichtungen. Heute machen zahlreiche Spezialkliniken, verschiedene Institute für Grundlagenforschung und ein bedeutender Biotechnologiepark den CBB zu einem der wichtigsten biomedizinischen Standorte Deutschlands. 2001 wurden die Kliniken auf diesem Standort von den Helios-Kliniken übernommen. Daher zählen die 1.200 Betten nicht zum Bereich der Charité.
Campus Virchow-Klinikum
Dieses Krankenhaus mit 2000 Betten wurde um 1900 in Berlin-Wedding errichtet. Das Gelände bot außerdem Wohnraum für Ärzte, Pfleger und Mitarbeiter. Ab 1995 war es der Humboldt-Universität unterstellt. 1997 erfolgte die Fusion mit der Charité zur Medizinischen Fakultät Charité der Humboldt-Universität zu Berlin.
Campus Benjamin Franklin
Nach der Teilung Berlins fiel die damalige Universität in den sowjetischen Sektor. Westberlin gründete daher 1948 die Freie Universität Berlin (FU) als Gegenstück. Rund zehn Jahre später begann man mit dem Bau des ersten großen Krankenhauskomplexes in Europa, „Klinikum Steglitz“. Die USA beteiligten sich maßgeblich an den Baukosten, weshalb das Krankenhaus später in „Universitätsklinikum Benjamin Franklin“ umbenannt wurde. Der Standort beinhaltete alle Kliniken, Institute und Hörsäle. Als mit der Zeit der Platzbedarf stieg, zogen einige Institute in umliegende Gebäude. 2003 erfolgte die Fusion mit der Charité.
Studiengänge
Die grundständigen Studiengänge der Charité schließen mit einem Staatsexamen oder Diplom ab, während die weiterführenden Studiengänge zum Masterabschluss hinführen. Als grundständige Studiengänge werden Humanmedizin, Zahnmedizin, Medizinpädagogik & Pflegepädagogik und Bioinformatik angeboten. Der Großteil der Studenten (ca. 5000 Studenten) studiert in einem der Studiengänge für Humanmedizin (s.u.). Seit Oktober 2010 studieren alle neuen Medizinstudenten im Modellstudiengang Medizin.
Der Regelstudiengang Medizin teilt sich in zwei Abschnitte, die jeweils mit einer Prüfung abgeschlossen werden und sich inhaltlich unterscheiden. Im ersten Teil (mind. 4 Semester) geht es insbesondere um Funktion und Aufbau des gesunden Körpers. Im zweiten Teil (mind. 6 Semester) wird insbesondere Wissen zum kranken Menschen vermittelt. Während eines praktischen Jahres sammeln die Studierenden erste praktische Erfahrungen. Nach dieser Struktur wird an den meisten deutschen Universitäten Medizin gelehrt. Mit der Einführung des Modellstudiengangs im Oktober 2010 wurde die Aufnahme von Studenten in den Regelstudiengang Medizin gestoppt.
Zum Wintersemester 1999/2000 rief die Charité den Reformstudiengang Medizin (RSM) ins Leben. Mit der Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sollte ein problemorientierter Studiengang entwickelt werden, der den Studierenden von Anfang an praktische Erfahrungen vermittelt. Das Studium ist in Themenblöcke gegliedert (z.B. „Bewegung“, „Flüssigkeit, Herz, Kreislauf“, „Elektrolythaushalt, Niere“). In speziellen Arbeitsgruppen bearbeiten die Studenten fächerübergreifend vorklinische und klinische Fragestellungen (problemorientiertes Lernen, POL). Durch einen wöchentlichen Praxistag (Hospitieren in einer ärztlichen Praxis) wurde früher Patientenkontakt gewährleistet. Im ersten Semester vermittelten Veranstaltungen zur Berufsfelderkundung erste Eindrücke von potentiellen Arbeitgebern (Pharmaunternehmen, Forschungseinrichtungen usw.). Mit der Einführung des Modellstudiengangs im Oktober 2010 wurde die Aufnahme von Studenten in den Reformstudiengang gestoppt.
Der Modellstudiengang Medizin (MSM) wurde nach ca. 10 Jahren Entwicklungszeit im Oktober 2010 (zum WS 10/11) ins Leben gerufen und soll die Vorteile der beiden vorangegangenen Studiengänge vereinen. Wieder wird theoretisches mit praktischem Wissen vom ersten Semester an verknüpft. Es wurden Schwerpunkte auf die Vermittlung praktischer ärztlicher Fertigkeiten, wissenschaftliches Arbeiten und Vermittlung von Krankheitsmodellen gelegt. In Wahlpflichtmodule haben die Studierenden die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu wählen. Den angehenden Ärzten sollen insbesondere Kommunikations-, Interaktions- und Teamfähigkeit und die Verpflichtung zum lebenslangen Lernen vermittelt werden. Das Studium ist in Themenmodule aufgeteilt und wird in zwei Abschnitte geteilt (Mindeststudienzeit 10 Semester). Nach den beiden Abschnitten folgt das praktische Jahr (PJ). Das Prinzip von POL (Problemorientiertes Lernen in Kleingruppen) wurde aus dem RSM übernommen. Zweimal wöchentlich treffen sich die Studenten in Gruppen von 8 Personen. Beim ersten Treffen wird das Fallbeispiel vorgestellt. Problemfragen werden erarbeitet und der Umfang der Fragestellungen wird diskutiert. Erste Lösungsansätze werden erarbeitet. Bis zum zweiten Treffen bereiten sich die Studierenden vor und entwickeln Lösungen, die dann verglichen werden. Im Untersuchungskurs (alle 14 Tage, ebenfalls Achtergruppen) werden Fertigkeiten der Untersuchung (körperliche Untersuchung, Anamnesegespräch) geübt. Es wird an das klinische Umfeld herangeführt. Alle zwei Wochen treffen sich die Gruppen zu KIT (Kommunikation, Interaktion, Teamfähigkeit). Unter Anleitung eines Dozenten (mit Erfahrung in der Psychologie) werden rhetorische Fähigkeiten und Teamfähigkeit trainiert, Patientengespräche geübt und Gruppenprobleme besprochen. Jede Woche finden 3x90 min. Vorlesung statt. Auf eine Vorlesung folgt meist ein Seminar mit überschaubarer Gruppengröße, in dem das Gelernte gefestigt und vertieft wird. Regelmäßig finden Praktika (z.B. im Labor) statt, um den Bezug zur Praxis zu gewährleisten.
Das Studium der Zahnmedizin an der Charité richtet sich nach der Approbationsordnung für Zahnärzte und setzt sich aus zwei Teilen (einem vorklinischen und einem klinischen Teil) zusammen, die jeweils fünf Semester dauern. Es müssen die naturwissenschaftliche und die Zahnärztliche Vorprüfung im Laufe des Studiums bestanden werden. Der klinische Abschnitt schließt mit der Zahnärztlichen Prüfung ab.
Weiterführende Studiengänge
Es werden folgende weiterführenden Studiengänge angeboten:
- Cerebrovascular Medicine
- Consumer Health Care
- European Master in Nursing Science
- International Health *
- Medizinische Neurowissenschaften *
- Molekulare Medizin
- Toxikologie
- Applied Epidemiology
- Epidemiology *
- Health and Society: International Gender Studies Berlin *
- Public Health *
Diese Studiengänge können auch berufsbegleitend (Teilzeit) absolviert werden
Die mit * gekennzeichneten Studiengänge wurden bereits von der Ständigen Akkreditierungskommission der Zentralen Evaluations- und Akkeditierungsagentur (ZEvA)
akkreditiert.