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International, Flaggen, Europa (sxc.hu, Mattox)

17.04.2009
von Lena Prummer

Bachelor-Studium: Internationalität

Länder-Hopping dank Bachelor?

Heute Berlin, morgen Madrid und danach am besten noch London - so stellten sich viele den Bachelor vor. Mehr Internationalität war ein erklärtes Ziel der Bologna-Reform. Doch was bedeutet "internationaler"? Dass ein Student statt zwei Fremdsprachen nun drei beherrschen muss? Dass er jedes Semester in einem anderen Land verbringt? Oder reichen schon ein paar englische Dozenten?

Seite 1: Bachelor und Master - Zehn Jahre nach Bologna
Seite 2: Akkreditierung: Alles eine Frage der Qualität
Seite 3: Bachelor international
Seite 4: Mit dem Bachelor in den Job
Seite 5: Master: Grundlegende Begriffe
Seite 6: Master: Zulassung und Auslandsstudium
Zehn Jahre nach der Bologna-Konferenz ist die Unsicherheit noch immer groß - und das nicht nur in Deutschland. Das Studium soll nämlich nicht nur mehr Auslandserfahrung vermitteln, sondern auch im Ausland unkomplizierter anerkannt werden, und zwar in Europa wie in den USA. Aber was bedeutet Internationalität bei Studiengängen? Mit einem Muttersprachler als Sprachdozenten ist es jedenfalls nicht getan.

Länder-Hopping durch Credit Points?


Das Ziel bei der Einführung von Bachelor- und Master-Studiengängen waren nämlich nicht ein paar einzelne Vorlesungen auf Englisch, sondern ein einheitlicher europäischer Hochschulraum. Die oft mühselige Absprache mit dem Professor, ob er den Kurs aus Italien oder die Hausarbeit aus Polen anerkennt – Schnee von gestern, so der Gedanke der Bologna-Befürworter. Denn eigentlich entspricht ein Credit Point in jedem Land der gleichen Arbeitsleistung: 30 Stunden. Oft musste die Umstellung aber so schnell gehen, dass keine Zeit blieb, sich wirklich um internationale Vergleichbarkeit zu bemühen.


Britta Waldschmidt-Nelson (Quelle: lmu.de)
Britta Waldschmidt-Nelson (44), Erasmus-Beauftragte am Amerika-Institut der LMU München
"Die ECTS-Punkte werden für vergleichbare Leistungen in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich vergeben. So kann es schon mal vorkommen, dass ein Student in Frankreich für einen Kurs drei ECTS-Punkte bekommt, der in Deutschland einem Hauptseminar mit sieben Punkten entspricht. In England könnte er für eine vergleichbare Leistung sogar 15 bis 20 Punkte bekommen. So ergeben sich bei der Anerkennung doch wieder viele Einzelfallentscheidungen."

Ziel Internationalität - verfehlt?


Eine Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) zeigt, dass Bachelor-Studenten selten den Schritt ins Ausland wagen: Nur 15 Prozent gehen zum Studium vorübergehend über die Grenze - damit sind sie weniger mobil als ihre Kommilitonen aus Diplom und Magister. Da die Bachelor-Studiengänge sehr straff organisiert sind, bleibt kaum Zeit, ein Semester oder gar ein ganzes Jahr im Ausland zu verbringen.

Mein Dozent kommt aus England und heißt James


Wie aber werden deutsche Studiengänge internationaler? Die FIBAA, eine der Akkreditierungsagenturen, beurteilt die Internationalität nach drei Kriterien. Zunächst wird geprüft, ob Studenten- und Lehrkörper international zusammengesetzt sind. Durchschnittlich kommen an den deutschen Unis sieben Prozent der Lehrenden aus dem Ausland. Zum Vergleich: In der Schweiz sind es 60 Prozent. Dann ist wichtig, ob internationale Sachverhalte und Inhalte vermittelt werden. Zuletzt wird das Fremdsprachenangebot bewertet.

Kriterien: Kooperationen, Sprachkurse und mehr


Um den Ansprüchen zu genügen, müssen die Studiengänge eine Reihe von Kriterien erfüllen (siehe unten). Da die Unis die Internationalitäts-Ansprüche jedoch unterschiedlich umsetzen können, solltest du dich vorab genau über das jeweilige Angebot informieren. Dies geht zum Beispiel beim Auslandsamt der Universität oder bei den zuständigen Professoren. Dabei solltest du auf folgende Punkte achten:
  • Gibt es viele internationale Studenten an der Uni? An großen Unis wie der Uni Köln und der LMU München gibt es zwischen 11 und 15 Prozent ausländische Studenten.
  • Besteht die Möglichkeit eines Auslandssemesters?
  • Gibt es Kooperationen mit ausländischen Universitäten?
  • Bietet die Uni Sprachkurse speziell für die Studienfächer an (zum Beispiel Business-Englisch oder Französisch für Juristen)?
  • Werden in den Fächern internationale Sachverhalte und Inhalte vermittelt? Gibt es dazu entsprechende Sprachkurse?
  • Werden interkulturelle Themen behandelt?
  • Unterrichten die Professoren in einer Fremdsprache? Lehren Gastdozenten aus dem Ausland?
  • Ist genau festgelegt, welches Modul wie vielen Credit Points entspricht?
  • Ist der Studiengang bereits akkreditiert?

Dieser Text wurde ursprünglich im Mai 2005 von Melanie Grell geschrieben und 2009 überarbeitet.

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