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Siemens Management Consulting Interview: Chancen für Absolventen? [Quelle: sxc.hu, Autor: asifthebes]

von Kay Szantyr

High Potentials und die Wirtschaftskrise

Auch in der Krise gefragt: Praxis, Ausland und Soft Skills

Ist mein Abschluss gut genug? Reichen meine drei Praktika? Und sollte ich neben Englisch vielleicht auch Chinesisch und Russisch fließend sprechen? Die Unsicherheiten darüber, worauf Personaler heute bei Bewerbern achten, sind groß - dabei sind die Anforderungen an Absolventen seit Jahren dieselben.

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Bianca Meyer, Siemens Management Consulting
Bianca Meyer (Jahrgang 1974) ist Recruiting Manager bei Siemens Management Consulting (SMC). Auch sie gibt zu, dass die Zeiten nicht rosig sind - aber das ist kein Grund, schwarzzusehen.
Frau Meyer, wie sieht es bei SMC im Jahre zwei der Krise mit den Einstellungen aus?
Wir haben allein im März fünf Neueinsteiger bei Siemens Management Consulting. Das ist bei rund 110 Beratern am Münchner Standort eine recht große Zahl. Diese Bewerber haben teilweise vor Längerem, zum Teil aber auch erst vor zwei, drei Monaten die Zusage erhalten. Insgesamt stellt SMC 2009 nach wie vor Consultants und Praktikanten ein.

Merken Sie an den Bewerbungen, dass Krisenstimmung herrscht?


Ja, wir bekommen deutlich mehr Bewerbungen. Ich denke, das liegt daran, dass viele externe Beratungen weniger oder gar keine Absolventen mehr einstellen.

Es könnte auch sein, dass Absolventen einfach mehr Bewerbungen verschicken.
Das halte ich für möglich. Es wird weniger selektiv vorgegangen, um nicht unnötig Zeit zu verlieren, nach dem Motto: Hauptsache, ich kriege eine Zusage. Wer früher drei, vier Bewerbungen verschickt hat, verschickt heute vielleicht zehn oder fünfzehn. Vor einem Jahr war der Bewerbermarkt ein Käufermarkt, heute ist er ganz klar ein Verkäufermarkt. Für die Unternehmen ist das natürlich sehr positiv.

Wählen Sie nun nach anderen Kriterien aus?


Nein, SMC stellt nach wie vor sehr hohe Anforderungen. Wir rekrutieren nur Absolventen mit einem exzellenten Abschluss und am liebsten mit einer Doppelqualifikation wie Promotion oder MBA. Wegen der vielen Bewerbungen stellen wir aber nicht nur noch Absolventen mit einer 1,2, statt wie früher auch solche mit einer 1,5, ein. Das wäre nicht sinnvoll.

Wir selektieren stärker nach der Berufserfahrung oder, bei Studenten und Absolventen, den absolvierten Praktika. Uns ist wichtig, dass die Bewerber zum Branchenfokus von Siemens passen, also beispielsweise schon Praktika im Bereich Automatisierungstechnik oder Medizintechnik absolviert haben.

Bringen mehr Praktika auch mehr Chancen bei der Bewerbung? Also fünf Praktika statt zwei?
Dazu muss man zunächst sagen, dass zwei Praktika schon länger nicht mehr der Standard sind, zumindest bei den Wirtschaftswissenschaftlern. Meist sind es mehr. Grundsätzlich geht es aber um Qualität, nicht um Quantität. Das heißt, wenn jemand in die Beratung will, sollte er vorher Praxiserfahrung in der Beratung gesammelt haben, bestenfalls bei einer der großen Beratungen.

Außerdem spielt die Länge des Praktikums eine entscheidende Rolle. Von kurzen Praktika halten wir nichts. Deshalb ist ein Praktikum bei SMC mindestens drei Monate lang. Unsere Praktikanten sollen substanziell mitarbeiten, auch in einem Projekt. Dafür reichen vier Wochen nicht - das ist nur ein Hineinschnuppern, keine echte Arbeitserfahrung.

Wie sieht es mit Fremdsprachen aus? Ist mehr besser?


Englisch ist natürlich immer Pflicht. Wenn jemand darüber hinaus noch sehr gute andere Sprachkenntnisse hat, wie beispielsweise Spanisch, würden wir das bei der Auswahl der Projekte berücksichtigen. Ansonsten sind weitere Fremdsprachen aber eher kein Auswahlkriterium. Auf Platz eins stehen die akademischen Leistungen, dann die praktischen Erfahrungen. Außerdem ist wichtig, dass jemand auch mal über den berühmten Tellerrand geschaut hat. Das kann soziales Engagement sein, oder Sport, vielleicht sogar Leistungssport. Erst danach würde ich auf die Fremdsprachen schauen.

Soziales Engagement? Also die supertolle Studiennote allein reicht nicht?


Natürlich sollte man sich nicht sozial engagieren, nur um den Lebenslauf zu polieren. Aber üblicherweise stehen hinter dem Engagement der Studenten bestimmte Werte, mit denen auch wir uns identifizieren. Ein stromlinienförmiger Lebenslauf und hervorragende Noten sind nicht alles; es geht um die gesamte Persönlichkeit eines Bewerbers.

Wie sieht Ihre Prognose für die Zukunft aus?


Prognosen sind schwer, das ist wie auf dem Aktienmarkt: Ist die Aktie schon ganz unten oder kann sie noch weiter fallen? Das kann niemand beurteilen. Grundsätzlich aber sehe ich die Lage nicht so schwarz, wie sie in den Medien dargestellt wird. Ich nehme das eher sportlich: Konkurrenz belebt das Geschäft. Bewerber müssen sich diesen Herausforderungen stellen, statt sich ins Jammertal zu begeben. Es gibt weiterhin exzellente Chancen für exzellente Absolventen. Schwieriger wird es vielleicht für "nur" gute Studenten, die vor einem Jahr dennoch einen tollen Job bekommen hätten - sie müssen sich nun etwas mehr strecken. Aber dass die Unternehmen mehr verlangen als nur gute Noten, dass auf Praxiserfahrung, Fremdsprachen, Soft Skills viel Wert gelegt wird, dieser Trend besteht schon seit Jahren.

Und nicht zuletzt sollte man einfach flexibel bleiben. Sicher, wer von der Automobilbranche träumt, wird es jetzt schwer haben. Der sollte sich überlegen, ob er sich nicht mit der Medizintechnik befasst oder mit regenerativen Energien. Vielleicht stolpert er so über seine Traumbranche - von der er vorher gar nichts geahnt hat.


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