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12.09.2008 von Kay Szantyr Virtueller Grundstückskauf: WhatsYourPlaceDas Brandenburger Tor für zehn Euro? Gekauft!Wo ist eigentlich dein Platz? Nein, nicht im Soft-Skill-Seminar oder am Baggersee, sondern dein liebster Ort auf der Welt? Stell dir vor, du könntest dir den Ort kaufen, an dem du mit deiner Freundin zusammengekommen bist oder wo du den schönsten Urlaub deines Lebens verbracht hast. Und jetzt höre auf zu träumen, klicke dich auf WhatsYourPlace und kaufe dir diesen Ort einfach.
Einen Moment... Petersdom? Freiheitsstatue? Langweilig. Ein Stück Südseestrand? Ich vertrage keine pralle Sonne. Ach, genau: Ich kaufe mir den Ayers Rock! Ein Stück Aborigines-Kultur macht sich gut in meinem Grundbuch. Wer das erste Mal auf WhatsYourPlace ist, der fühlt sich von der Fülle der Möglichkeiten ein wenig überfordert. Die Welt hat so viel zu bieten, und viele der tollsten Ecken stehen immer noch zum Verkauf - für 9,95 Euro pro Hektar. Natürlich nur virtuell. Ich schenk' dir unseren Urlaubsort...Was macht man mit einem virtuellen Grundbesitz, außer ihn in sein virtuelles Grundbuch einzutragen? "Spaß haben", lautet die Antwort des Gründers, Alumnus Tobias Lampe. "Wir sehen uns als reines Entertainment-Portal. An erster Stelle steht die Freude darüber, seinen Lieblingsort symbolisch besitzen zu können." Die Motive für den Kauf eines WhatsYourPlace-Grundstücks sind so vielseitig wie die Möglichkeiten, es zu nutzen. Der "Besitzer" kann Fotos des Ortes auf die Website hochladen, Besucherinformationen wie beim Holocaust-Mahnmal in Berlin oder auch eigene Erlebnisse, kann sein Grundstück verschenken oder weiterverkaufen. Und wessen Wunschgrundstück bereits verkauft ist, der kann es immer noch als "Lieblingsort" bookmarken und kommentieren. Eine Kontaktbörse der anderen ArtDurch Gästebücher und Kommentierfunktion rückt WhatsYourPlace in die Nähe einer Community. "Anders als bei klassischen Kontakt-Netzwerken kommt man auch mit bisher fremden Menschen unkompliziert ins Gespräch", erklärt der Gründer. "Nicht auf der Basis dessen, wer oder was jemand ist, sondern aufgrund eines gemeinsamen Interesses für einen bestimmten Ort." Gründerdiskussionen bei Pizza und WeinWie kommt man auf die Idee, zum virtuellen Immobilienmakler zu werden? Jedenfalls nicht, indem man nach einer Unternehmensidee sucht. "Ich hatte nie geplant, mich selbstständig zu machen", gesteht Tobias Lampe, der während der Gründung in der Unternehmensberatung Oliver Wyman arbeitete. Die Idee war einfach eines Tages da. "Ich habe mich in einer Pizzeria mit meinem Kollegen getroffen und ihm davon erzählt. Er war sofort Feuer und Flamme. Erst da habe ich angefangen, mich ernsthafter mit dem Plan zu beschäftigen." Mein Brandenburger Tor und ichWie ernsthaft sich Lampe damit befasste, erfährt, wer sich intensiver mit WhatsYourPlace auseinandersetzt. Hinter jedem Grundbucheintrag steht eine eigene URL - so findet sich der Besitzer sogar über Google. Eine ungewöhnliche Form der Selbstdarstellung: Im Internet als Besitzer des Brandenburger Tors aufzutauchen. Ob das legal ist?Dieser virtuelle Besitz war es auch, der bei der Gründung Bedenkenträger auf den Plan rief. Was sagen die realen Grundstückseigentümer, wenn im Netz plötzlich jemand anderes als Besitzer steht? "Tatsächlich ist WhatsYourPlace rechtlich aber unproblematisch. Bedenken entstehen auf der Basis einer falschen Vorstellung dessen, was virtuelles Eigentum ist." Das wurde Lampe von seinen Business Angels von anwalt.de bestätigt, die ihm nicht nur bei der Finanzierung halfen, sondern auch Experten für die rechtlichen Fragen vermittelten. Startup-ProblemeDie zweite große Hürde war, eine geeignete IT-Agentur für die Umsetzung der Idee zu finden. "Die wenigsten Agenturen sind auf Startups eingerichtet. Sie wollen eine Spezifizierung des Projekts, dann programmieren sie ein Jahr vor sich hin und präsentieren das Ergebnis. Das war für uns natürlich nicht geeignet." Schließlich war zu Beginn noch gar nicht klar, welche Features die Website am Ende bieten sollte. Auf dem besten Weg zum ErfolgAber irgendwann fand Lampe auch geeignete Programmierer, und im Dezember 2007 ging WhatsYourPlace online. Heute verzeichnet die Seite eine sechsstellige Zahl monatlicher User. Lampe hat seinen Job in der Unternehmensberatung inzwischen aufgegeben, da ihn das Projekt voll fordert. "Den Breakeven-Point haben wir noch nicht erreicht - aber das schaffen wir auch." Schlicht deshalb, weil jeder mindestens einen Lieblingsort auf der Welt hat.
Tobias über sich und sein Unternehmen Mein Unternehmen habe ich gegründet, weil... ... mich die Geschäftsidee nicht mehr los ließ, sodass ich sogar meine schöne Promotionsstelle dafür geopfert habe. Mein Unternehmen ist profitabel, weil... ... wir etwas anbieten, wofür die Nutzer bereit sind zu zahlen: Unterhaltung, Spaß und Emotionen. Unternehmer sein liegt mir, denn... ... Verantwortung macht Freude. Startkapital erhielt ich... ... über Business Angels, darunter Vorstandsmitglieder von anwalt.de. Wenn ich nicht mein Unternehmen leite, dann... ... schlafe ich. In fünf Jahren... ... hat auch Deutschland verstanden, dass virtuelle Güter einen realen Nutzwert haben. Weil sie Unterhaltung stiften - ähnlich wie ein Kinofilm, der ja ebenso nicht "real" ist. Mein Tipp für andere Unternehmensgründer: Nicht immer nur in Business-Kategorien denken. Ein Produkt muss nicht nur funktionieren, sondern Freude machen! |
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