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Das Christmas Diner in Cambridge
Lernen im Fellows Garden

13.09.2006
von e-fellow Stephanie

Studieren in Cambridge – zwischen Tradition und modernem Standard


Stephanie in gown
Im Ausland studieren - das war schon immer der Traum von e-fellow Stephanie (20). Nach ihrem Abitur wurde er wahr: Sie erhielt eine Zusage für ein Studium an der University of Cambridge. Jetzt studiert sie in den alten ehrwürdigen Hallen der britischen Eliteuniversität Engineering.
Cambridge – das ist doch nur etwas für Genies mit genug Geld. So denken viele Leute über die zweitälteste Universität in England. Hätte mir vor drei Jahren jemand gesagt, dass ich einmal mein volles Studium an der britischen Eliteuniversität absolvieren würde, ich hätte denjenigen für verrückt erklärt. Aber wie so oft im Leben kam alles anders.

Traum Auslandsstudium
Im Ausland studieren – das war schon immer ein Traum von mir. Doch erst nach einem Praktikum bei der Firma Burkhardt begann ich mich ernsthafter über ein Studium in Großbritannien zu informieren. Der stellvertretende Geschäftsleiter der Firma ist Engländer und schlug mir vor, doch mal über ein Studium in Oxford oder Cambridge nachzudenken. So kam es, dass ich mich Anfang Oktober 2004 für ein Studium in Engineering an der University of Cambridge bewarb.

Hohe Anforderungen
Nach viel Papierkrieg, zwei Interviews und einem Mathetest kam im Januar eine Zusage - allerdings geknüpft an die Bedingung, dass ich einen Abi-Durchschnitt von 1,3 mit entsprechend hohen Punkten in Mathe und Physik schaffe. Fünf Monate später war das Abitur mit 1,0 bestanden und dem Studium im englischen Cambridge stand nichts mehr im Wege.

Viel Programm in der ersten Woche
Im Oktober 2005 war es dann endlich so weit. Mit viel Vorfreude, aber auch einem mulmigen Gefühl im Bauch, flog ich über den Ärmelkanal. Und dort kam ich gleich in den Genuss der in England berühmten und beliebten "fresher's week". Diese Woche gibt es an allen britischen Universitäten. Sie soll den Studenten, die aus allen Teilen des Landes und der Welt kommen, erleichtern sich einzuleben und kennen zu lernen. Eine ganze Woche finden die unterschiedlichsten Veranstaltungen statt: Zum einen sind da offizielle Ereignisse wie Einschreiben, erstes Treffen mit den Tutoren, offizielles Foto und das traditionelle "Matriculation Dinner" im alten Speisesaal des Colleges. Daneben finden noch eine ganze Reihe von Studenten organisierte Aktivitäten statt: Egal ob Standrundgang, Kneipentour oder Vorstellung der zahlreichen Freizeitaktivitäten und sonstigen Gruppen, in dieser Woche wird es bestimmt niemandem langweilig.

Lebensraum College
Nach der "fresher's week" kehrte das normale Studentenleben ein. Und das spielt sich einerseits in der Fakultät und andererseits im College ab. Die Universität besteht nämlich aus über 30 Colleges, die Studenten aller Fachrichtungen aufnehmen und sowohl fachlich als auch persönlich betreuen. Die einzelnen Colleges unterscheiden sich in Größe, Lage, Alter und zum Teil auch in den Fächern, die angeboten werden. Aber das College ist kein reines Studentenwohnheim, sondern Zentrum des Studentenlebens. Jedes College hat eine Vielzahl eigener Einrichtungen: In der Kantine werden alle Hauptmahlzeiten angeboten; die Bibliothek ist ein idealer Ort zum Lernen. In der Kapelle finden regelmäßig Gottesdienste für Angehörige fast aller Religionen statt. Und die Bar oder der Aufenthaltsraum eignen sich ideal um abends nach dem Lernen noch ein bisschen mit seinen Freunden zu entspannen. Für Ausgleich zum Studium sorgen verschiedene kulturelle und sportliche Freizeitangebote. Da fast alle Studenten für die gesamte Dauer ihres Kurses im College leben, fällt es leicht, schnell viele neue Kontakte zu knüpfen und Freundschaften aufzubauen, auch über das eigene Fach und den eigenen Jahrgang hinaus.

Breitgefächertes Grundstudium
Die meiste Zeit nimmt aber das eigentliche Studium in Anspruch. Pro Woche verbringt man 40 bis 50 Stunden mit Studieren. Mein Studiengang ist ein ingenieurwissenschaftlicher Studiengang, der in den ersten zwei Jahren Grundkenntnisse aller Ingenieurdisziplinen von Maschinenbau über Elektrotechnik bis Bauingenieurwesen vermittelt. Erst in den folgenden zwei Jahren kann man sich in einer bestimmten Fachrichtung spezialisiert. Nach vier Jahren hat man dann hoffentlich seinen Master of Engineering in der Tasche.

Rhythmus Trimester
Anders als in Deutschland ist das Studium in Großbritannien nicht in Semester, sondern in Jahre eingeteilt, die wiederum aus drei Trimestern bestehen. In Oxford und Cambridge sind diese Trimester mit jeweils acht Wochen extrem kurz, aber dafür sehr intensiv. Die Zeit zwischen den Trimestern verbringt man zu Hause, was allerdings nicht heißt, dass man Ferien hat. Es wird schon dafür gesorgt, dass man durch Wiederholung des Stoffs, Aufgaben und Projekte nicht wieder alles vergisst. Das dritte Trimester ist Prüfungstrimester, in dem weniger Vorlesungen stattfinden, aber dafür die Prüfungen vorbereitet werden müssen.

Intensive Betreuung
Sowohl das College als auch die Fakultät sind maßgeblich an der Lehre beteiligt: Die Fakultät organisiert die Vorlesungen, Praktika und Prüfungen für alle Studenten des Faches, während das College für die individuelle fachliche Betreuung verantwortlich ist. Jeder hat einen "Director of Studies", der bei der Fächerwahl hilft und für den Lernerfolg der Studenten verantwortlich ist. Er organisiert außerdem "Supervisions". Das sind Privatstunden vom Director of Studies oder Doktoranden für einen bis zu drei Studenten, in denen das in den Vorlesungen gewonnene Wissen vertieft wird und Aufgaben besprochen werden. Doch trotz dieser intensiven Betreuung wird viel Wert auf selbstständiges Arbeiten gelegt.

Ein bisschen wie Harry Potter
Neben dem harten Studium findet sich aber noch genug Zeit für anderes: Es locken zahlreiche Freizeitangebote im College oder universitätsweit. Das Angebot reicht dabei von verschiedenen religiösen oder kulturellen Aktivitäten über fast alle Sportarten, die es gibt, bis hin zu der Mitgliedschaft bei fachlichen oder menschenrechtlichen Organisationen. Aber Cambridge hat noch mehr zu bieten: Als besonderes Ereignis empfinde ich immer wieder das "Formal Hall Dinner". Das ist ein besonderes Abendessen im alten Speisesaal des College, zu dem sich alle Studenten etwas herausputzen und ihre "gown" (eine schwarze, akademische Robe) anziehen müssen. Wer Harry Potter gesehen hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie es aussieht: lauter Studenten im schwarzen Umhang an langen Tischen in einem alten mit Kerzenlicht beleuchteten Saal.

Hommage à Cambridge
All meine Erlebnisse in diesen Bericht zu packen, ist unmöglich. Höhepunkte waren bestimmt das Christmas Dinner Anfang Dezember, die Aufführung des Musicals meines College, bei dem ich mitgewirkt habe, die traditionellen Ruderrennen der Colleges im Juni und die legendären "Mayballs". Aber es sind nicht nur die besonderen Ereignisse, die das Studium in Cambridge so besonders machen. Die Stadt hat ihre ganz eigene Atmosphäre: Auf den Straßen hört man viele unterschiedliche Sprachen, denn Cambridge zieht Studenten und Touristen aus der ganzen Welt an. Und wenn ich jeden Tag auf dem Weg vom College zur Fakultät an den jahrhundertealten, prächtigen Collegebauten vorbeigehe, bin ich einfach nur glücklich, dass ich in einer so tollen Stadt studieren darf.


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