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19.12.2005 von Sebastian Mahner
Roche Diagnostics
Sie legen die chemische Basis für Medikamente, die einmal den Krebs besiegen sollen: die Chemiker der Pharma-Forschung von Roche Diagnostics im oberbayerischen Penzberg. Gerade auch für junge Chemiker mit Promotion ist die Krebsforschung eine spannende Herausforderung. Deshalb bietet Roche promovierten Naturwissenschaftlern spezielle Post-Doc-Programme. e-fellows.net hat zwei Post-Docs (Postdoctorals) bei ihrer Arbeit besucht.
Hinter der Scheibe blubbert in einer Glaskugel eine milchige Flüssigkeit, deren Temperatur mit einem langen Thermometer überwacht wird. Der Laborabzug saugt leise und verhindert den Austritt chemischer Dämpfe ins Labor. Minna Luostarinen trägt nicht nur ihren Laborkittel, sondern auch blaue Handschuhe und eine Schutzbrille, während sie einige Reagenzgläser sortiert. "Da wir in der Krebsforschung arbeiten und diese Verbindungen Krebszellen angreifen sollen, muss man vorsichtig sein", sagt die 30-Jährige Finnin.
Die promovierte Chemikerin forscht als DAAD-Post-Doc-Stipendiatin bei Roche Diagnostics in Penzberg, 50 Kilometer südlich von München, an Krebs-Medikamenten. Forscher wie sie arbeiten dabei selbstständig an chemischen Verbindungen, die gegen Krebszellen helfen - was anschließend die Biologen von Roche zunächst an Zellen testen und im besten Fall die Pharmakologen später zu einem Medikament entwickeln.
Überraschungen muss man erwarten
Gerade lässt Minna Luostarinen zwei Stoffe in einer chemischen Reaktion reagieren, um so ein neues Molekül zu erhalten. Auf der Ablage neben dem Laborabzug liegt ein Ausdruck mit ihren Berechnungen: die Mengen, die sie jeweils braucht, die Temperatur und ob einer der Hähne mit der Aufschrift "Stickstoff", "Argon" oder "Cooling Water Vorlauf" zum Einsatz kommen muss. Nun braucht sie Geduld - und das nicht nur, weil diese Reaktion drei Tage dauert. "Egal, wie gut du planst, es ist nicht sicher, ob du das gewünschte Ergebnis bekommst. Das passiert oft nicht – aber das ist die Herausforderung hier", sagt Minna Luostarinen.
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Minna Luostarinen (30) hat in ihrer Heimat Finnland an der Universität Jyväskylä in organischer Chemie promoviert. Knapp zwei Jahre arbeitete sie dort als Senior Researcher, ehe sie Anfang 2005 als Post-Doc in die Krebsforschung von Roche kam. Sie sieht ihre Zukunft als Labor-Chefin oder Teamleiterin in der Forschung.
"Hier bei Roche ist das besser organisiert als an der Uni und es gibt mehr Unterstützung." |
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Lieber Forschung in Penzberg als finnischer Lehrstuhl
Dabei hatte es lange danach ausgesehen, als würde die junge Frau auf jeden Fall an der Uni bleiben. Nach ihrer Promotion in organischer Chemie arbeitete sie zwei Jahre an ihrer Heimatuni im zentralfinnischen Jyväskylä als Senior Researcher. Doch dann hatte sie die ständige Unsicherheit satt, ob und wie lange sie wieder einen Vertrag bekommen würde. "Die Universität ist sehr herausfordernd. Aber es gibt so wenige Leute, die es bis zum Professor schaffen", sagt sie trotz ihrer guten akademischen Referenzen nüchtern. So entschied sich die Finnin, den Sprung in die Industrie und nach Deutschland zu wagen. Obwohl sie bis dahin nichts mit der Krebsforschung zu tun hatte und Deutschland nur von kurzen Aufenthalten kannte.
Teamarbeit macht einfach mehr Spaß
Die besseren Jobchancen für Forschungsbegeisterte waren aber nicht der einzige Grund, dass sie sich für die Post-Doc-Stelle über den DAAD bei Roche entschied: "Hier bist du in einem Team, alles ist mehr organisiert und es gibt mehr Unter- stützung." So sind nicht nur ihre erfahrenen Kollegen stets für Fragen offen. Bei ihrer Arbeit lernt sie auch andere Perspektiven kennen. Zum Beispiel die der Biologen von Roche, mit denen sie eng zusammenarbeitet. Zudem kann sie ihr Wissen in Seminaren erweitern - wie in dem über chemische Medizin, dessen Zusammenfassung auf ihrem Schreibtisch liegt.
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Tim Woodcock (26) hat an der Uni Southampton seinen PhD in organischer Chemie gemacht und forscht seit Ende 2004 bei Roche in Penzberg an Medikamenten gegen Krebs. Später möchte er in eine Management-Position in der Forschung.
"Ich habe eine Menge Freiheit für meine Ideen." |
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Internationale Belegschaft mit gemeinsamem Ziel
Bei ihrem Kollegen Tim Woodcock, der gerade drei Tische weiter am PC sitzt, war es zunächst die Liebe, die ihn nach seinem PhD von England nach Deutschland zog. Doch anders als Minna Luostarinen hatte der 26-Jährige von Anfang an vor, in die Industrie zu gehen. Gerade deshalb war ein Post-Doc-Programm bei Roche für ihn eine attraktiver Start. In der Wirtschaft gebe es "mehr Jobs und Möglichkeiten" für die berufliche Zukunft als an der Uni, sagt Tim Woodcock. Besonders für jemanden wie ihn, der zwar begeistert forscht, aber mittelfristig eine Karriere im Forschungsmanagement anstrebt, etwa als Teamleiter. Aber noch steht auf seinem Tisch eine dicke Tube Handcreme, damit die Hände die Arbeit in Handschuhen gut überstehen.
Ein festes Ziel hilft beim Forschen - besonders ein gutes
Noch ist Tim Woodcock also Forscher mit Leib und Seele - und als solcher hat ihn das Post-Doc-Programm bei Roche noch aus anderen Gründen als den besseren Jobaussichten überzeugt. "Hier gibt es ein festes Ziel - das macht vieles einfacher als in der Uni, wo du für dich selbst arbeitest und so viel Zeit in die Forschung rein steckst, wie du für richtig hältst", findet er. Zumal dieses klare Ziel der Kampf gegen Krebs ist - so klein der Beitrag eines einzelnen Chemikers auf dem jahrelangen Weg vom ersten Molekül bis zum Medikament in der Apotheke auch sein mag. Besonders Minna Luostarinen ist das bei ihrer Arbeit wichtig. "Ich weiß, dass ich für etwas Gutes arbeite. Vielleicht kann das, was wir tun, irgendwann jemandem helfen", sagt sie.
Das Spannendste: Freiraum zum Experimentieren
Junge Wissenschaftler, die bisher nur die Universität kennen gelernt haben, mögen ein klares Unternehmensziel als Aufgabe der wissenschaftlichen Freiheit sehen. Doch ein festes Ziel vor Augen zu haben, heißt in der Krebsforschung von Roche nicht, dass die Post-Docs keine Freiräume haben. "Ich habe eine Menge Freiheit für meine eigenen Ideen", sagt Tim Woodcock. Dieser Freiraum, etwas auszuprobieren und zu lernen zeigt sich auch im Labor: Richtige Wände gibt es in diesem Büro nicht, jeder kann überall hingehen und wenn nötig, um Rat fragen.
Bei ihrem Start bei Roche machen die Post-Docs aus, an welchen Projekten sie forschen möchten. Fristen, zu denen bestimmte erwartete Ergebnisse unbedingt auf dem Tisch legen müssen, gibt es nicht. Die Post-Docs forschen eigenverantwort- lich und präsentieren ihre bisherigen Ergebnisse regelmäßig den Kollegen.
Wie verbessert man einen Wirkstoff?
Tim Woodcock fasziniert vor allem das Entwerfen neuer Verbindungen. "Die Herausforderung ist es, neue Verbindungen zu synthetisieren, das durchzudenken und die Methoden dazu zu finden." Oder nach den Ergebnissen der Biologen eine Verbindung zu verbessern: Wie verteilt sich ein Wirkstoff im Blut? Wie kann man verhindern, dass der Stoff neben den kranken auch gesunde Zellen attackiert? Zum Tüfteln an einer Verbindung gehört auch die geduldige Suche in Datenbanken, wie sie gerade auf Tim Woodcocks Bildschirm angezeigt werden. Oder das Einlesen in dicke wissenschaftliche Bücher, von denen Minna Luostarinen eins auf ihrem Schreibtisch liegen hat.
Forschung mit Lerneffekt
So hat das selbstständige Forschen in einem ihnen noch relativ unbekannten Gebiet wie der Krebsforschung für die beiden Post-Docs einen hohen Lerneffekt. "Es ist immer eine große Herausforderung, ein neues Gebiet der Chemie zu betreten, neue chemische Bausteine zu entwerfen. Manche Reaktionen mag man kennen, aber man hat sie noch nicht durchgeführt. Du weißt nicht, wie sie sich verhalten und welche Arbeits- prozeduren du anwenden musst", erzählt Minna Luostarinen. Ein halbes Jahr brauchte sie, um einen Überblick über die Krebsforschung zu bekommen und sich einigermaßen sicher zu fühlen.
Tipp der Post-Docs: Früh die Industrie kennen lernen
Dabei half es ihr, dass sie als Werkstudentin bereits Erfahrung in der industriellen Forschung sammeln konnten. Daher empfiehlt Minna Luostarinen angehenden Naturwissenschaftlern, ein Praktikum zu nutzen, um Einblick in die industrielle Forschung zu erhalten. "Oh, das funktioniert wirklich ganz anders als die Uni", habe sie damals zunächst gedacht. Gerade bei Vorstellungsgesprächen helfe es dann, wenn man diese Erfahrung schon gemacht habe. Auch Tim Woodcock, der bei seiner Promotion ein Unternehmen kennen lernte, ist überzeugt: "Ein bisschen Industrie-Erfahrung ist definitiv das Beste – das hält ja auch Türen offen."
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Gute Jobchancen bei Roche in Penzberg
Gute Aussichten haben junge Naturwissenschaftler aus den Life Sciences bei Roche Diagnostics: Voraussichtlich drei Post-Doc-Stellen im "Management Start Up Programm Scientist" (siehe Kasten unten) sowie rund zehn Gruppenleiterstellen sind 2007 allein in der "Pharma Biotech Production" in Penzberg offen. Weitere Stellen in anderen Geschäftsbereichen sind geplant, ihre Zahl steht aber noch nicht fest. Sicher ist jedoch, dass Roche rund 290 Millionen Euro in die Biotech-Produktion investiert und so insgesamt etwa 150 neue Arbeitsplätze geschaffen werden: Seit 2004 wird in Penzberg eine Produktionsanlage für biotechnologische Medikamente gegen Brustkrebs gebaut. Zudem entsteht ein Neubau für die Produktion diagnostischer Antikörper. Um der steigenden Mitarbeiterzahl Rechnung zu tragen, wurde mit dem Bau eines neuen Bürogebäudes und eines Speise-Casinos begonnen. |
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Als Trainee zu Roche Diagnostics:
Als Post-Doc besteht für promovierte Naturwissenschaftler aus den Life Sciences die Möglichkeit, ein Projekt eigenständig zu bearbeiten und dabei die Arbeit des weltweit erfolgreichen Gesundheitsunternehmens kennen zu lernen. Ein Post-Doc-Programm dauert in der Regel zwei Jahre.
Beim "Management Start Up Programm Scientist" steht im Mittelpunkt: führend forschen und entwickeln - von Anfang an. Das Programm dauert 36 Monate. Die Vorteile dieses Programms im Überblick: - Bis zu drei Jahre dauerndes, selbstständig und eigenverantwortlich bearbeitetes Forschungs- oder Entwicklungsprojekt
- Innerhalb der Fachabteilung konsequente Weiterentwicklung "on the job"
- Individuell zugeschnittenes Programm dank eines persönlichen Entwicklungsplans und regelmäßiger Feedbackgespräche mit Vorgesetzten und einem Entwicklungsteam
- Persönlicher Mentor
- Hospitationen in Abteilungen wie zum Beispiel Vertrieb, Marketing oder Produktion
- "Off the job"-Trainings zum Thema Betriebswirtschaftslehre (mit Planspiel etc.) und Seminare zu Themen wie Projektmanagement "Working in international Groups"
- Ziel ist die Übernahme einer Führungsaufgabe bei Roche
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Angebote von Roche Diagnostics bei
e-fellows.net:
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