Die Spielregeln der Karriere
Schau! Mich! An!
Du schuftest Tag und Nacht, bist der Traum-Mitarbeiter aller Entscheider. Nur weiß leider niemand etwas davon. Vielen fällt es oft schwer, ihre Stärken angemessen darzustellen. Hier gilt: Niemand wird bemerken, wie gut du bist, wenn du es nicht zeigst.
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Regel 3: Stelle deine Qualitäten in den Vordergrund
Mit peinlichem Selbstlob hat das nichts zu tun! Es geht vielmehr darum, Mitarbeiter und Vorgesetzte davon in Kenntnis zu setzen, was du alles tust, damit die Firma voran kommt. (Wohlgemerkt die Firma, nicht du selbst, denn nur der Firma gilt selbstverständlich dein ganzes Interesse!) Das bedeutet konkret: Setze deinen Chef bei wichtigen geschäftlichen E-Mails auf cc. Das schmeichelt ihm und nützt dir, denn so sieht er, dass du mit deiner Arbeit gut voran kommst. Hat er sehr viel zu tun, kann das auch nerven! Erkundige dich daher besser vorher. Informiere ihn zusätzlich in regelmäßigen Abständen - wenn möglich, im persönlichen Gespräch. Wenn du Fehler zugeben musst, stelle stets dar, dass die Entscheidung von deinem damaligen Wissensstand her vernünftig und richtig erschien. Betone außerdem, was du bereits alles zur Schadensbegrenzung unternommen hast.
Bitte nicht schwächeln!
Jeder leidet mal unter Selbstzweifeln, sieht die eigene Arbeit kritisch, hält sich für nicht gut genug. Darüber kann man reden - aber bitte nicht in der eigenen Firma! Innerhalb deines Unternehmens gilt: Sprich über deine Stärken, nicht über deine Schwächen. Wer an sich zweifelt, an dem zweifeln auch andere. Die Gefahr, dass solche Informationen zu deinem Chef gelangen, ist groß, denn du bist nicht der Einzige, der Karriere machen will. Achtung: Schwächen bitte nicht mit Fehlern verwechseln! Hast du einen konkreten Fehler begangen, müssen alle Betroffenen selbstverständlich davon in Kenntnis gesetzt werden, und zwar so früh wie möglich. Denn Probleme neigen dazu, sich mit der Zeit zu vergrößern.
e-fellow Christian Obert, 23, studiert VWL in St. Gallen. Seine Meinung zur möglichen Karriere:
"Heutzutage gehören zu den Anforderungen an Karrieristen auch Mobilität, Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Nach drei bis fünf Jahren hinterfragen Mitarbeiter oftmals ihre Position. Um letztlich in der Lage zu sein, bei einem Wechsel nicht auf horizontaler, sondern vertikaler Ebene die Karriere voranzutreiben, sind Aufmerksamkeit und Spontaneität gefragt. Nur wer stets ein offenes Ohr hat für freie (frei werdende) Sitze, kann attraktive Gelegenheiten beim Schopfe packen."
Regel 4: Deine persönliche PR-Abteilung ...
... bist natürlich du selbst. Dein Adressat: die Geschäftsführung. Da du in der Regel keine direkte Arbeitsbeziehung dorthin hast, musst du auf anderen Wegen aus der Masse deiner Konkurrenten herausragen. Diese Möglichkeiten gibt es: Übernimm Sonderaufgaben, zum Beispiel die Leitung in interdisziplinären Projektteams. Oder engagiere dich als Ausbilder in der innerbetrieblichen Weiterbildung. Versuche, an Meetings teilzunehmen, bei denen auch Mitglieder des Topmanagements vorbeischauen und sei hier stets bestens vorbereitet. Eure Hauszeitschrift ist ein gutes Organ für Selbst-PR: Natürlich schreibst du über etwas, was deine Abteilung (dank deines tatkräftigen Einsatzes...) besonders gut hingekriegt hat. Auch Artikel in Fachzeitschriften sind denkbar. Auf diesem Wege gelingt es dir möglicherweise, einen Mentor zu finden, der dich protegiert - etwas Besseres kann dir kaum passieren.
Kleider machen Leute
Gesellschaftliche Faktoren sollte man beim Aufstieg nicht unterschätzen: Laut dem Darmstädter Soziologen Michael Hartmann stammen in Deutschland 80 Prozent der Führungskräfte in der Wirtschaft aus dem gehobenen oder dem Großbürgertum. Ein souveränes Auftreten, bestimmte Umgangsformen und Interessen (Golfen, Segeln...) gehören in der Chefetage oft einfach dazu. Folglich haben Kandidaten, die all dies nicht einschüchtert, da sie es schon von Kindesbeinen an kennen, bessere Chancen. Wem der Chef-Habitus nicht in die Wiege gelegt wurde, muss den Karriere-Knigge eben lernen: Beim Kleidungsstil am Chef orientieren, auf eine selbstbewusste Körperhaltung und Kommunikation achten.
Regel 5: Halte die Augen offen
Wissen ist Macht! Allerdings nur, wenn man vor den anderen informiert ist. Eine großartige Informationsquelle ist die Sekretärin (oder Assistentin) deines Chefs. Gehe davon aus, dass sie im Zweifelsfall immer besser informiert ist als du selbst. Wenn sie dich schätzt, wird sie dich an ihrem Wissen teilhaben lassen. Behandle sie daher grundsätzlich voller Respekt und Freundlichkeit. Spätestens, wenn eine Beförderung in Frage kommt, wird dein Chef sie fragen, was sie von dir hält! Registriere außerdem aufmerksam alles, was um dich herum passiert. Wer steht zu wem in welcher Beziehung? Wer kann wen nicht riechen? Gerade ältere Mitarbeiter, die schon lange in der Firma sind, wissen gut über solche "offenen Geheimnisse" Bescheid. Sammle solche Informationen: So gewinnst du Aufschluss darüber, wo demnächst ein Plätzchen in der Hierarchie frei wird und kannst frühzeitig dein Interesse anmelden.
e-fellow Ivo, 27, Stipendiat des Monats Dezember, promoviert in Informatik an der Uni Magdeburg. Seine Beobachtung zum Thema Karriere:
"In einigen Bereichen scheint die einfache Gleichung zu gelten: "Vitamin B = hohe Position". In anderen Bereichen muss man sich einfach gut zu verkaufen wissen. In dritten wird man offenbar "hochgelobt", wenn man nur lange genug die richtigen Leute stört. Und in vierten kann es sogar eher schädlich sein, zu viel Kompetenz zu zeigen - da hat der Chef Angst, du könntest an seinem Stuhl sägen, und schon werden deiner Karriere frühzeitig Steine in den Weg gelegt..."
Locker bleiben!
Fazit: Der perfekte Kandidat für den Chefsessel ist eine Art eierlegende Wollmilchsau und fast ebenso rar. Niemand muss von Anfang an alle Eigenschaften, die er später brauchen wird, mitbringen. Bleibe darum lernbereit, nimm gute Ratschläge an und höre nie auf, an dir zu arbeiten. Nur wer sich für perfekt hält, hat schon verloren.
Buchtipps für den Weg an die Spitze:
Jürgen Lürssen: Die heimlichen Spielregeln der Karriere. Wie Sie die ungeschriebenen Gesetze am Arbeitsplatz für ihren Erfolg nutzen. Piper, 2005
Anschaulich und praktikabel zeigt der ehemalige Geschäftsführer, wie man Schritt für Schritt seine Macht im Unternehmen ausbaut.
Jack Welch: Winning. Das ist Management. Campus Verlag, 2005
Der Klassiker unter den Karriereratgebern. Für Strategen und solche, die es werden wollen.
Laila M. Hofmann, Klaus Linneweh, Richart K. Streich: Erfolgsfaktor Persönlichkeit. Managementerfolg durch Leistungsfähigkeit und Motivation. Juristischer Verlag, 2006
Das Buch bietet Anregung zur Selbstreflexion im beruflichen wie privaten Umfeld.
